der Farbe, die, wie du weisst, zur Haltbarkeit des Tuches nichts beiträgt, eben nicht viel verlohren. Und da hängt auch noch auf den äussersten Notfall mein Bratenrock von seinem Couleur de puce, welches aber kein guter Autorornat ist. So wenig Verdienste ich habe, mag ich mich doch lieber mit ihnen behelfen, weils meine eignen sind, als dass ich mit fremden Verdiensten prunken sollte, die ich alle Abend ausziehen müsste. Es ist so schön, wenn ein Mann darin seiner Sache gewiss ist, dass, wer den Hut vor ihm abzieht, bloss seine person grüsse. Siehst du, trauter, lieber Leser! zum Prahlen halt ich mich zu gut.
Ich habe zwei Freunde; und weil ich die habe, kann ich mich durchaus nicht entschliessen, diese Erde für einen so schäbigen, klatrigten, garstigen Lumpenplaneten zu halten, als manche Leute draus machen wollen. Nein, das könnte ich nicht, wenn ich auch lebenslang in einem Kerker wohnen müsste, und dort zwiefach vom Hypochonder und zwiefach von Schwindsucht geplagt würde. Ich würde mich meiner Freunde freuen, und, wenn sie mich besuchen dürften, sie auf mein gutes Brodt und reines wasser zu gast bitte – (denn so hart wird keine Majestät unter der Sonne die die grosse ewige Majestät scheinen lässt, sein, dass sie einen armen unschuldigen Gefangnen schlechtes schimmlichtes Brodt und trübes Pfützenwasser geben lassen sollte,) und meine Freunde würden, bei allen ihren Glücksgütern den armseligen Bissen und den irdnen Krug ihres Freundes nicht verschmähen, und sich seiner im Kerker nicht schämen. Und dürften sie mich nicht besuchen, so würde' ich doch des Gedankens mich freuen, zwei Freunde ausser meinem Kerker zu haben. Nun weiss jedermann, dass eine Erde auf welcher ein armer Gefangner sich freuen kann, unmöglich ein Bettel von Planeten ist.
Ich bin, was das anlangt, so gut als irgend jemand ein Autor, dass ich meine Kinder für wohl so hübsche Jungen halte, als andrer Leute Knaben, ob ich gleich gern der erste bin zu gestehen, dass sie hier und da eine unvergängliche Pockennarbe verunzieret, und dass sie manches Muttermaal mit auf die Welt gebracht habe, – und ich glaube, es ist eine grosse Narrheit, dergleichen Fehler mit Schönpflästerchen belegen zu wollen. – Aber das bei Seite gesetzt. So gern ich also die Kindlein leiden mag, so pflege ich mich doch vor der unartigen Schwachheit, sie in allen Gesellschaften zu produciren sorgfältig genug in Acht zu nehmen. Wenn ich aber eben dabei bin, einen neuen Jungen zur Welt zu bringen, und es kommt gerade einer von meinen beiden Freunden in meine Manufaktur, so pflege ich ihm ein Ohr oder eine Fusszehe davon zu zeigen, und damit lass ichs gut sein. Sonderlich gilt dieses von dem Freunde, dem sein Stand an jedem Tage der Woche ein farbiges Kleid erlaubt; denn der andre kann mich nicht oft noch lange besuchen. Vorigen Sonntag aber macht ichs hässlich. Der eine von meinen Freunden, den ich wegen der stillen Grösse, dem Hauptzuge seines Charakters ehre, so wie ich an beiden das edle, gute, warme Herz, die unbescholtnen Sitten, die Festigkeit des Charakters, die feine Denkart, den muntern Witz, die lächelnde Laune, das glückliche Talent dem unbedeutendsten Histörchen Leben und Anmut geben zu können, nebst hundert andern schönen Seiten des Herzens und der Seele schätze und liebe: – der eine, sag ich, besuchte mich, und traf mich gerade als ich mit Herrn Bartolomäus Schwalbe auf Reisen war. Er nahm etliche meiner Hefte, und kuckte hinein. Und siehe da! der Herr Autor war so höflich, und legte ihm alle die übrigen in gehörige Ordnung. Ehrenhalben konnte er nun nicht anders als alle durchsehen; und so war der herrliche Nachmittag verdorben. Wie er weggegangen war, besuchte mich mein andrer Freund. Da macht ichs noch ärger: dem las ich gar ein ganzes Heft vor, ob ich gleich vermuten konnte, dass er keine Stunde bei mir bleiben würde. Meine Freunde rächten sich dadurch, dass sie nichts zu tadeln fanden, so sehr ich auch bat, als dass der eine statt eines Komma, irgendwo ein Semikolon haben wollte, und der andre ein aus versehen zweimal geschriebnes Wort bemerkte. Und ich strafe mich, indem ich meine Torheit hiermit, jedem Autor zum warnenden Exempel, öffentlich zur Schau stelle, und dem Herrn Lektor freigebe, mir eine Lobrede zu schreiben.
Achtzehntes Kapitel.
Herr Bartel Schwalbe zeigt sich in seiner Grösse.
Der Pommersche Edelmann hatte kein Bündniss mit dem Teufel. "In aller Welt, mein Herr, was liegt uns dran, das zu wissen?" Mehr als Sie glauben, Madam. Denn hätte er ein Paktum mit dem – Gott segne alles was hier ist! gehabt, so wäre es praktisch erwiesen, dass man ein Paktum mit dem Bösen machen könne, welches viel arge gottlose Leute heute zu Tage bezweifeln wollen; wiewohl der Jäger mit dem Stelzfusse das vielfältig hören musste, sein Vater seliger habe ein Bündniss mit dem Schubbejack gehabt. Zweitens: in diesem Falle hätte der Edelmann alle Sprachen reden können, und er konnte nichts, als sein eigenes Deutsch. Aus diesem zweiten Punkte fliesst ganz natürlich, dass der Junker manchen Ausdruck in der berühmten Recension nicht verstand, sondern sich oft vom schwarzen Bartel (so pflegten die bauern den Schulmeister zu nennen) eine Erläuterung ausbitten musste. Und die pflegte denn dieser Mann, von dem wir