selbst hören, um zugleich ein Beispiel seiner Versifikation zu geben. So hebt er an:
Wohltätige Najade dieser Quelle,
Die hier im Rosenschatten fliesst!
Dich grüss ich und das Tal wo Deine Silberwelle
Sanftmurmelnd sich ergiesst!
Sei Chloens Arzt und Retter, o Najade!
Sei ihr Hygea! – Schenkst Du mir
Die gattin, (Deine Flut wählt Chloe sich zum
Bade,)
Dann, Nymphe, dank ich Dir
Mit Hekatomben! – Jubelhymnen, Lieder,
So warm sie je ein Dichter sang,
Sing ich Dir, Göttliche, und Echo singt sie wieder;
Und Chloe bringt Dir Dank!
Was sagen unsre Leser zu dem Rosenschatten, der Hygea, dem Bade, den Jubelhymnen, den Schönheiten jeder Zeile? Und wir versichern, dass das Ganze um Nichts schlechter sei, als dieser Anfang, mit dessen letzten beiden Gesetzen freilich ein nouus sacerdos noch klebend an die verba magistri, voll ängstlicher Genauigkeit, kalter Logik, und sklavischer Observanz der Regel das Ganze beschlossen haben würde: aber eben dieses zeuget vom Genie das sich den Fesseln entwindet, und von der männlichen Kühnheit unsers Dichters, dessen Jubelhymnen zu verdienen, wir, wenn wir an der Najade Stelle wären, nicht nur Chloens Gesundheit herstellen, sondern gerne noch ein Uebriges tun würden. In der vierten und den folgenden Strophen überlässt der Hr. V. sich ganz der trunkenen Schwärmerei einer so glühenden Phantasei, als man bei einem mann, der sein Fleisch mit dem Kodex und Pandekten gekreuziget hat, und der sich mit dem beschwerlichen Geräte der Gerechtigkeit, dem Schwerdte und der Wage schleppen muss, schwerlich suchen sollte. Er malt mit dem wärmsten Pinsel, in die feinsten Farben getaucht. Wäre hier nicht ein lebendiges Beispiel, das dem Recensenten das Obstat hielte, so wäre er geneigt, zu behaupten, es sei nicht ganz in der natur, wenn ein Mann, der schon schon über die zwölf Flittermonate verheiratet ist, sich noch so sehnlich, so schmelzend an die Stelle der Silberwellen wünscht, wenn sie vom leichten West gekräuselt um seine gattin gaukeln, und Jetzt ihren stolzen Marmorbusen kühlen, Den Cypris und die Grazien So schön gebaut, jetzt um die runden Hüften wühlen. So missgünstig, wir gestehen es, könnten wir nicht sein. Aber wie gesagt, der Herr Justitiarius hat eine feine warme Phantasei, die sich in diesem Tone durch zwei und zwanzig schöne Strophen zu erhalten weiss. Das kühlen des Marmorbusens will uns nicht recht behagen. Wir dächten, Marmor wäre von natur mehr kalt als kühl. Wir hätten lieber spielen gesetzt, und das kühlen für die Gegend der Hüften verspart, wo das wühlen manchem Schwachen, der nicht weiss, was Dichtersprache und Dichterische Schönheit für Dinger sind, anstössig sein dürfte. Da der Dichter noch unbeerbt ist, so schliesst er sein reizendes Lied mit dem Wunsche, dass die keusche Nymphe (wir hoffen: unbeschadet ihrer Keuschheit,) auch diesem Umstande abzuhelfen vermögte, so gut als jener Bach aus dem Altertume, dessen Namen er nicht zu wissen scheint, womit wir ihm aber auf Verlangen gar gerne andienen wollen. Das einzige was wir noch tadeln mögten, sind die Hekatomben. wenn es noch Eine Hekatombe wäre! Wiewohl auch das wäre für einen Dichter, der selbst keine Heerden hat, schon zu viel. Vollends Hekatomben in der mehreren Zahl! Wo will er die bei jetzigen schweren zeiten hernehmen? – es müssten denn gute Namen sein. Die sind freilich leicht geschlachtet, aber unstreitig für ein so artiges Göttermädchen, als die Najas unsers lieblichen Rosenbachs unstreitig sein muss, wohl kein liebliches Dankopfer. Wir empfehlen unserm Verfasser Lektüre und Uebung. Wenn er dann künftig ein klein wenig nüchterner ans Werk geht, so darf er kecklich unter die besten Dichter unsers Vaterlandes treten." Das war die erste Eingebung, die der Herr Bartel Schwalbe von der Tochter der Pansophei1 empfieng. Durch welche Oeffnung aber, und in welchem Vehikulo, überhaupt auf welche Art sie in seinen Körper gekommen war, das wird sie, die Göttinn Kritika, am besten wissen.
Fussnoten
1 S. Ramler's Oden. Wissentlich mag ich keinem Menschen eine Sylbe stehlen.
Siebzehntes Kapitel.
Der Heer Autor spricht von sich selbst.
Ich habe zwei Freunde ...
"Zwei? Herr Autor, Sie sind ein Prahler!"
Leser, das bin ich nicht. Was könnt es mir, im Fall ich prahlen wollte, auch wohl helfen, mich einer Glückseligkeit zu rühmen, die so wenig Menschen zu schätzen wissen? Dann hätt ich lieber gesagt: ich habe zwei Tonnen Goldes; und du hättest mir das eben so wohl glauben müssen, da du mich nicht kennst, auch, wenn Gott Harpokrates kein Schelm ist, nie kennen lernen wirst, und man zudem so viel Freimut bei mir finden kann, als wenn ich zweihundert Tonnen Goldes hätte. Um dir auch zu zeigen, dass ich kein Prahler sei, will ich dirs wohl vertrauen, dass ich weder Vermögen noch Ansehen habe. Aber vergiss nicht, lieber Leser, dass ich dir dieses bloss im Vertrauen sage; du musst es beileibe nicht unter die Leute bringen. Man hat so seine Konnexionen mit Fleischern, Weinhändlern und Beckern, und die müssen dergleichen nicht erfahren. Was den Schneider betrifft, der mags immer erfahren, denn dieses Kleid, das ich anhabe, kann für einen Autorrock noch immer seine vier oder fünf Jahre aushalten. Es ist auf beiden Ellenbogen noch ganz, und hat überall ausser