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ihm des tages 'n Gulden geben, und da Dach und Fach zu, wenn er mir ansteht. Essen soll er auch haben und Trinken. Ist er damit zufrieden?"

O ja Ihr Gnaden.

"Krischan! – – Mal einschenken für den Mann. – Trink er mal!"

Erlauben mir gutes Wohlsein Ihr Gnaden!

Der Junker nickte mit dem kopf.

"Na, kann nu man gehen und machen sein Probestückschen."

Empfehle mich untertänigst Ihr hochadlichen Gnaden, und danke für guter Aufnahme.

Der Junker nickte mit dem kopf.

Herr Peter Fix, der die Höflichkeit selbst war, machte einen Lorenz auf der Stelle, tat dann rücklings drei grosse grosse Schritte, und fabricirte seinen zweiten Bückling, ging darauf immer rücklings bis vollends an die Tür, wo er seinen dritten Bückling wie beim Eintritt mit einem Scharrfuss von stattlicher Länge begleitete, und rückwärts zur Tür hinaus schritt.

"Bin froh, dass er mit Gott und Ehren 'naus ist. War immer bange als er sich so wie 'n Krebs überrücks abführen tat, dass er auf seine drei Buchstaben fallen würdeals er mal, Schulmeister; weiss er noch wohl?"

Ach Eu'r Gnaden! manet alta mente repostum, sagt der grosse Poet Virginius. Das soll mir mein Tage nicht aus dem Gedächtnisse kommen! Ich fiel aber auf die Nase mit hoher Permission!

"'S ist wahr, das tat er auch, und kehrt seine drei Buchstaben in die Höhe. Na, kann nu man gehen und 'ne Avise machen."

Alleruntertänigster Knecht, Eu'r Gnaden.

Der Ludimagister ging zwar, kehrte aber in der Tür wieder um, und näherte sich dem Edelmanne mit vieler Cärimonie. "Will er noch was, Schulmeister? ? Man raus mit!"

Mögte Eu'r Gnaden wohl untertänigst bittenweils doch so hübsch klingtmir den Titel Ihres Lektoris ordinarii allergnädigst zu erteilen.

"Kenne so'n Ding nicht, Schulmeister!"

Das ist, will ich die Gnade haben untertänigst zu berichten, den Titel als Eu'r Gnaden ordentlichen Vorleser.

"Blix noch mal, das ist er ja schon."

Freilich wohl, Eu'r Gnaden, was das anlangt; aber ich habe doch den Titel und Respekt nicht davon. Die Leute heissen mich alle schlechtweg Schulmeister, oder wenn sie recht manierlich sein wollen, Herr Ludimagister; und das klingt doch so – – gar nicht ein bischen für einen Gelehrten.

"Na, na, er ist hochmütig, sehe ich wohl."

Halten zu Gnaden! es mir nicht um meinetwillen zu tun, sondern, weil es doch besser meines demütigsten Dafürhaltens ins Ohr fällt: der Herr Lektor ordinarius Seiner Hochwohlgebohrnen Gnaden, alsHalten untertänigst zu Gnaden! – der Schulmeister der dem Junker vorliest.

"Na, na, er kann man 'n Saplik aufsetzen, wo's drinn steht, dass er gern Lektoris ordinari werden will, und das einreichen, so will ich schon drüber risalviren."

Aber Eu'r Gnaden, ich wollte das gern in die erste Avise setzen, die ich gleich schreiben will, halten zu Gnaden.

"Na, will ihn hiermit zu meinem Lektoris ordinari in Gnaden ernannt haben. Er kann aber man tun, als wenn das nicht wäre, und reich er doch so 'n Mamorial ein, dass ich drüber risalviren kann, wie's Kustühm ist. Will ihm dann 's Sekret schon drüber ausfertigen lassen."

Danke Eu'r Hochwohlgebohrnen Gnaden in tiefster Submission für Dero hohe Gnade, und werde stets geflissen sein, es untertänigst wieder zu verschulden.

"Alle gut. Mach er nu man, dass die Avise fertig wird."

Sechzehntes Kapitel.

Des Herrn Lektoris ältestes Kind.

Am folgenden Morgen trat der Ludimagister mit der erstgebohrnen Frucht seines Geistes in der Hand vor den Lehnstuhl Seiner Gnaden. Er und Herr Fix hatten sichs gestern den ausgeschlagnen Tag blutsauer werden lassen, das Zeitungsblatt zu setzen, und ungeachtet sie die ganze Nacht zu hülfe genommen, waren sie doch beim Aufstehn des gnädigen Herrn kaum fertig geworden. Vor der Hand war noch kein Wapen drüber, die beiden Herren hatten aber schon Abrede genommen, den gnädigen Herrn ehesten Tages mit einem schönen Schnitte von der Hand des changeanten, und der Erfindung des schwarzen Genie's angenehm zu überraschen. Bis dahin ward beliebet, die Stelle des Bildes jedesmal mit einem lateinischen Motto auszufüllen.

Nach erhaltener hoher erlaubnis las der Ludimagister, wie folgt.

Mit gnädigster Hochadlichen Permission.

Lindenbergische politische und literarische

Novitätenstafette.

Erste Nummer.

Accipite ergo animis, atque haec mea figite dicta.

"Schloss Lindenberg vom 19. Julius. Seine Hochwohlgebohrne Gnaden, unser allerteuerster Herr kamen diesen Morgen um 11 Uhr von Hochdero gewöhnlichem Spatzierritte in hohem Wohlsein zurück. Hochdero haben den Engländer Hans geritten, und in Gnaden zu befehlen geruhet, dass morgen früh der neue Isabellfarbne Hengst um 8 Uhr in Bereitschaft gehalten werde. Seine Hochwohlgebohrne Gnaden haben der gestern gekauften lichtbraunen Stute den Namen Lise in Gnaden beigeleget." "Heute Nachmittag erlustigten Hochdero sich mit der Jagd, und schossen ein Eichhörnchen und drei Goldammern." "Diesen Abend um 7 Uhr 91/2 Minute trafen Seine Hochgelahrten, der Herr Ludimagister Bartolomäus Schwalbe, nach einer neuntägigen Abwesenheit in Begleitung eines fremden Herrn von grossen Gaben, auf dem schloss allhier bei erwünschtem Wohlsein ein. Sie empfiengen die Bewillkommungskomplimente von Seiner Rechtserfahrnen dem