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hätten, sagte er, der mit das Dingschen umzugehen wüsste. – Und so gab wiederum ein Wort das andre, bis endlich die Herren dahin einig wurden, – obgleich nach einigen Einwendungen von Seiten des Herrn Fix, der sich nicht zu wohlfeil geben wollte, sobald er sah, wie sehr dem Ludimagister die Sache angelegen wardass das changeante Genie den Gelehrten nach dem schloss begleiten sollte, um selbst mit Seiner Gnaden zu reden. Da sie beide gleich eilfertig waren, beliebten sie den folgenden Morgen zu ihrer Abreise, und sie würden den Augenblick gegangen sein, wenn Herr Fix nicht zuvor sein Haus hätte bestellen müssen.

Vierzehntes Kapitel.

Ein Kapitel, zu lesen, wenn die liebe Sonne in den

Steinbock tritt.

Wir haben da einige sehr lange Kapitel gemacht, aber wir hatten auch von grossen Genies zu reden, dergleichen man nicht alle Tage findet. Wer da glaubt, wir hätten uns hierbei einige überflüssige Weitläuftigkeit zu Schulden gebracht, dem mögten wir, ohne ihm übrigens zu widersprechen, im Vertrauen sagen, dass wir dieser Leutlein schier noch fürder bedürfen könnten, wo nicht in diesem Büchlein, doch in einem der nächsten, die wir ichtwa gebähren mögten, wenn der Himmel unsre rechte Hand bewahret, und welches diesem hier, traun! das sein soll, was der Speck dem Kohl ist. Wenn das denn geschehen sollte, wie es gar leicht geschehen kann, so könnte uns wohl daran liegen, dass der geneigte Leser im stand sei, die drei Genies auf tausend Schrit und weiter hin zu kennen.

Fünfzehntes Kapitel.

Der Ludimagister lässt Herrn Fix seinen Reverenz

machen, und besitzt honette Ambition.

"Na, Schulmeister, wie stehts? Hat er so'n Dings aufgestaket?"

Ich hoffe, mit hoher Permission! Eu'r Gnaden werden mit meinen gehorsamsten Verrichtungen alleruntertänigst zufrieden sein.

"Na, lass mal sehen was er verrichtet hat."

Der Schulmeister fing nun seinen Rapport an dessen Inhalt meinen Lesern bekannt ist, und dessen Styl sie sich leicht denken können, da sie aus Erfahrung wissen, dass der schwarze Mann mit andern Leuten noch ganz schicklich reden konnte, ein erkleckliches teil Pedanterei und Prahlerei ausgenommen: dass er aber schwindelnd wurde, und vor übertiefer Submission ein ganzer Narr war, so bald er die hohe Gnade genoss mit seinem vornehmen gönner zu reden. Den Herrn Fix strich er unbändig heraus, und beschloss seinen Vortrag damit: er habe nicht anders als durch die wiederholte Versicherung, dass so ein gnädiger Herr als der Herr Siegfried von Lindenberg wären, gar nicht mehr auf der Welt sein könne, den Mann dahin bewogen, Haus und Geschäffte zu verlassen, um in Absicht der künftigen Druckerei Seiner Gnaden Befehle zu vernehmen.

"Kann man 'rein kommen; will ihm meine Befehle zu vernehmen geben. – Krischan! – Ruft den Mann mal 'rein!"

Herr Peter Fix trat gar behende herein, wie er denn in allen seinen Bewegungen, gleich allen seinerlei Schlages Genien, sehr merkurialisch war, und machte flugs in der Tür seinen grossen Scherwenzel fast züchtiglich. Tät darauf mit sittiger Gebehrde drei grosse grosse Schritte vorwärts, und machte seinen zweiten Scherwenzel schier tief. Dann trabte er die noch übrigen Schritte bis dicht vor Seine Gnaden, und scherwenzelte zum dritten mal, schob auch seinen linken Fuss, der an einem sehr langen Beine hangen tät, einer Ehlen weit hinten aus. Seine Gnaden sassen in ihrem Polsterstuhle, und waren im Dolman, daran war also nicht füglich ein Zipfel zu fassen Herr Fix neigte sich demnach bis zur Erden, erwischte die Säbeltasche des Pommerschen Edelmannes, und verehrte sie mit einem lauten Schmatze. Bei dieser tiefen Demut fiel ihm ein Vorderschopf seines rund verschnittnen Hauptaars über das Antlitz herab, und wollte sich beim Aufrichten durch kein Schütteln wieder in die gehörige Form bringen lassen. Ein Strich mit der Hand vom Stirnbein längst der Sutura sagittalis gegen die lamdoidea würde dem Unwesen endelich abgeholfen haben: da er aber gehöret, oder im neuen Komplimentirbuch gelesen hatte, es wolle sich nicht ziemen Angesichts grosser Herren zu räuspern, zu speien oder im haupt zu schaben: so ertrug er diese Beschwerde geduldiglich, stellte sich steif hin wie ein Laternenpfahl, und liess das Haar seines Hauptes übers Gesicht herab hängen, wodurch er den Löwen auf dem Eichelndaus gar wundersam ähnlich sah.

Der Edelmann, der nicht wusste was der Mann mit seiner Säbeltasche im Schilde führte, wunderte sich sehr, als er den Schmatz erschallen hörte. Seine Gnaden schlugen das linke Bein über das rechte Knie, und lehnten sich gemächlich in den linken Winkel Ihres Grossvaterstuhls, täten mit der rechten Hand die Pfeife aus dem mund, und gaben dem changeanten Genie folgendes zu vernehmen:

"Hör er mal, mein guter Mann, lass er das 'n andermal man unterwegens. Bin gar nicht für das Alfanzen, sieht er. Mag wohl haben dass einer hübsch ordentlich ist; aber die Säbeltasche oder 'n Zippel vom Peltz zu küssen, versteht er, das muss kein hübscher Mann tun. Mögt das von meinem Türk nicht leiden, so mögt ich. Aber nicht eins ins ander zu reden, ist er der Mann der das Drucken versteht?"

Ja Ihr Gnaden. Zu dienen.

"Kann er denn auch wohl Avisen drucken?"

O ja Ihr Gnaden.

"Will mal 'ne probe von sehen. Wenn mir es gefällt, soll er mein Leibavisendrucker werden."

Ja Ihr Gnaden. Zu dienen.

"Will