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wo nur ein Fratz aufduckte, gleich war er bei der Hand, um sich keinen Rang ablaufen zu lassen, und zeigte, er sei noch ein viel grösserer Fratz. Er liess Berge abtragen und Bäche ableiten, um zwei Metzen Kartoffeln bauen zu können. Er liess ein Paar Centner Weidenrinde aus Dännemark kommen, um zu versuchen, ob er in Pommern Randersches Handschuhleder machen könne? Seine Kosten standen nie mit den zu erwartenden Vorteilen in verhältnis. Las er von einem Juventiönchen in der Zeitung, flugs musste es verschrieben werden. So fand er einmal in einem Zeitungsavertissement, dass bei Buchenröder und Ritter in civilen Preisen zu haben sei: Eine neuerfundne Taschenbuchdruckerei von diverser Grösse. Er hätte gar zu gern so eine Tändelei gehabt, aber seine Kasse mit der er Rücksprache gehalten, sagte nein. Er tat also, was er immer zu tun pflegte, wenn ihm sein Genie den Beutel gefeget hatte; das ist: er juwelierte so lange, bis er sich reich genug fand, eine Taschenbuchdruckerei die zu einem Quartblatte gross genug war, kommen zu lassen. Wie sie aber anlangte, ergab sichs, dass die Verkäufer vergessen hatten, die gedruckte Gebrauchsinstrucktion beizulegen, und Herr Peter Fix fühlte sich viel zu sehr Genie, als dass er um einer solchen Kleinigkeit willen die Feder hätte ansetzen sollen. dafür künstelte er so lange, bis er den Gebrauch und Nutzen eines jeden Dinges herausbrachte. Dieser glückliche Erfolg machte ihn so stolz, dass er sich von der Stunde an öffentlich rühmte: es sei eben so viel als wenn er die ganze Buchdruckerkunst selbst erfunden hätte, weil er drucken könne, ohne von einer Christenseele Anweisung gehabt zu haben. – Sollte dieser einzige Zug nicht fast hinreichen, das ganze Genie des changeanten Mannes zu schildern?

Nun noch wenige Worte von seinem Charakter. Er war dienstfertig und gastfrei in einem hohen Grade; sehr freundschaftlich so lange es währte, – es währte aber gemeiniglich nicht recht lange, weil er mit der unschuldigsten Miene zu beleidigen war, und nicht den mindesten Widerspruch, sonderlich auch die allerkleinste Einwendung gegen irgend einen seiner närrischen Anschläge nicht anhören konnte, ohne in Wut zu geraten; dieses kam daher, weil er von sich eingenommen war, und aus einem wunderlichen Misstrauen, selbst denen Leuten, die es am besten mit ihm meinten, Neid beimass. Er war aufbrausend und heftig ohne Ansehen der person, weil es ihm an Erziehung mangelte. Er schmollte sehr lange, aber sein Hass, wiewohl er seines gleichen an Heftigkeit nicht hatte, so lange er währte, war gemeiniglich von kurzer Dauer, denn sein Herz war gut, und er pflegte bald einzusehen, dass er ohne Ursache hasste, doch liebte er den nie wieder von Herzen, von dem er sich einmal beleidigt geglaubt hatte. Er sprach selten oder nie von jemand schlecht, selbst von denen nicht, die er hasste. Alles Böse was er von ihnen zu sagen pflegte, bestand in einer patetischen Erzählung der Beleidigungen, die er von ihnen erlitten zu haben glaubte. Er schwieg aber still und duldete es, wenn sie von andern verläumdet wurden. Sein grösster Fehler war eine hässliche Art von Neid gegen jedermann, der eins von seinen zehntausend Gewerben trieb. Das schöne Geschlecht liebte er nicht, und war Willens als Junggeselle zu sterben. Die Schwätzer gaben davon einen fatalen Grund an; er aber versicherte, seine Abneigung gegen das Frauenzimmer stütze sich auf die überzeugung, dass nichts in der Welt das Genie so sehr schwäche, als der genauere Umgang mit diesem Geschlecht. Um sein Bild zu vollenden: er besass viele Tugenden eines guten Naturells, alle Fehler einer schlechten Erziehung, und alle Torheiten eines sich dünkenden Genies. Hätte der Mann Grundsätze gehabt, so würde er vortreflich gewesen sein.

Herr Fix empfieng die beiden Herren mit aller seiner Höflichkeit, und der grüne Mann stellte ihm den Schwarzen vor, als einen fremden Gelehrten, der sich in einer wichtigen Angelegenheit seines Rates bedienen wollte. Das changeante Genie versicherte, die Herren wären ihm sehr willkommen, und wenn er dem fremden Herrn dienen könne, sollts ihm recht lieb sein: Er liess Pfeifen und Tee bringen, die Herren setzten sich, die Tassen wurden vollgegossen. Nehmen Sie an, ich bitte nun sehr! und die Herren nahmen an.

Nach verschiednen Gesprächen, worinn Herr Peter Fix sich zeigte, fand auch der schwarze Mann gelegenheit, seinem Anliegen näher zu rücken, und entdeckte, er wolle gern Etwas im Druck ausgehen lassen, es sei aber traurig, dass hier zu land eine Drukkerei unter die Aues rariores gehöre. Und nachdem er ein Langes und Breites von seinem grossen Ansehen bei des Herrn von Lindenberg Hochwohlgebohrnen Gnaden geschwatzt, welches alles wir schon im Gastofe im kürzerem Auszuge gehöret haben, bat er das changeante Genie, nicht ungütig zu vermerken, dass er sich die Dreistigkeit nehme, ihn in dieser Sache um seine Meinung und Rat zu bitten.

Sagen Sie da nicht von, lieber Herr Lekter, sprach Herr Fix; ich diene gern mit meiner geringen Meinung und Rat, so viel ich kann. Was das also betrifft, dass Sie ein Buch wollen ausgehen lassen, so haben sie dreierlei Wege vor sich: Entweder müssen Sie sich einen Verleger wählen, der gut bezahlt, oder wenn Sie den Profit selbst geniessen wollen, müssen Sie sich nach einem billigen Drucker umsehen, wiewohl die Blutigel alle von Billigkeit nichts wissen. Juden und Heiden sinds! da kann ich ein Liedchen von singen. –