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entsetzliches Genie, und hattedas wahre Kennzeichen des Genies! – zu allem in der Welt Lust und Trieb, nur zu seinem eigentlichen Gewerbe nicht. Und dieses Gewerbe bestand darin, dass er Brillanten und edle Steine, auch wenn man es verlangte, unedle Steine und geschliffen Glas, in Gold, Silber, oder Blei, trefflich oder schlecht, wie man es haben wollte, zu fassen verstand, wiewohl seine schlechteste Arbeit vom Kenner immer wohl so gut geachtet wurde, als die Meisterstücke manches andern Juwelierers.

Mir, (der ich alles am liebsten von der komischen Seite ansehe, um wider manches Accidens das sich nicht radikaliter heilen lässt, wenigstens ein Palliativ zu finden,) scheinen die Absprünge des changanten Genies so lustig, dass ich der Versuchung unterliege, meinen Lesern zur Ergötzung, und andern aufkeimenden Genies, deren jedem ich seinen eignen Biographen wünsche, zur wohlgemeinten Warnung, einige derselben anzuführen. Sollte dieser oder jener von unsern Lesern hier, oder bei andern Stellen unsers Buches anders urteilen, so tut uns das um unserntwillen zwar leiddenn wir mögten gern Allen gefallen, wenn das möglich wäreaber wir bitten ihn zu bedenken, dass es ihm weniger Mühe kostet, hier und da eine Stelle zu überhüpfen, als es uns kostete, sie niederzuschreiben; und wir sehen uns dermalen gemüssiget, alles mit eigner Hand niederzuschreiben, weil unser Amanuensis das Chiragra hat.

Herr Peter Fix hatte schon lange bei sich selbst bedacht, dass er zu seiner Arbeit Gold, Silber, Arsenik, Antimonium, Borrax, Farben zum Schmelzwerk, und viele andere Zutaten, samt Grabsticheln und einer Menge andrer Gerätschaft brauche. Wenn ich das alles kaufe, sprach er, so muss ich viel baares Geld hingeben. Könnt ich das alles selbst machen, so hätt ich viel weniger Auslage, und zehnfachen Gewinn. – Rasch wurden Oefen gebauet, Tiegel und Retorten, nebst Vorstössen und Recipienten gekauft, und mit der höhern Chemie viele mühsam erworbne Friedrichd'or durch den Schorstein gejagt, wobei er zwar seinen Zweck so eigentlich nicht erreichte, aber doch einige recht hübsche Fratzen herausbrachte, in die er sich herzlich sich verliebte; wie er denn auch so weit kam, dass er verschiedene seiner wohlfeileren Zutaten selbst machen konnte. Grabstichel aber, und andre kleine Geräte lernte er sehr bald zurecht feilen, und prahlte mächtig damit. So weit ging alles noch wohl an; aber als er eines Tages auf seine selbstgemachte Kleinigkeiten einen blick voll triumphirenden Selbstgefühls warf, rief er aus: Das ist die grosse Babel die du erbauet hast! Alles das kannst du nun selbst machen und sparst das baare Geld ...

Denn, dass seine mehrsten Geschöpfe ihm, die Versäumniss ungerechnet, wohl so teuer zu stehen kamen, und oft teurer als wenn er sie gekauft hätte, das predigte ihm kein Mensch ein, weil, was er auch sagen mogte, die edle Regula de Tri nebst Zubehör, sein Haupt und Grundstudium nicht war. –

Wie, wenn du auch versuchtest, fuhr er fort, die Edelgesteine selbst zu machen, dann würdest du recht Geld wie Heu verdienen! – Gesagt, getan. Er, der nur mit seiner Zeit hätte geizen dürfen, um Geld wie Heu zu erwerben, arbeitete nun drauf los, dass es puffte; und, wie denn doch immer Spähne fallen, wo Holz geschlagen wird, so brachte er mit grossen Kosten rotes, weisses, blaues, gelbes, und grünes Glas, und einen schönen Pfad heraus, der gerade der Nase nach über die Grenze von Seiner Königlichen Majestät Gebiete zu führen pflegt. Das war eine Herrlichkeit wie er die schönen bunten Steine hatte! Unächt waren sie freilich, aber sie flimmerten doch bei Lichte Trotz ächten Steinen. Er verkaufte sie auch keinem Menschen für ächt, denn er war ein ehrlicher Mann, aber besonders war es, dass er mit Leib und Seele dafür stritt, es sei ein grosses Verdienst, unächte Steine zu machen; und ein schäbiges Gewerbe, Steine zu fassen. Dieser Punkt war auch auch der, dem er am längsten mit Ausübung und Verteidigung getreu blieb; denn, so wie der Mann ein Quecksilbernes Genie hatte, das ihn keine fünf Minuten in Ruhe liess, sondern immer von einem aufs andre trieb: so hatte er auch kaum ein Ding gekostet, als er es schon wieder müde war.

Ein andermal wollte er ein Rosskamm werden; als ihm aber die Pferde Nase und Ohren fast abgefressen hatten, gab er das wieder auf, ungeachtet er behauptete, kein Mensch verstünde das Gewerbe besser als er.

Hierauf unterrichtete er im Tanzen, aber als die Leute sich an seinen verbogenen Beinen zu stossen schienen, ward er unwillig und schwur hoch und teuer, das Lumpenvolk sei es nicht wert, dass ein Mann von Genie sich ihrer Bildung annehme.

Ferner wollte er eine Spiegelfabrik anlegen, es blieb aber bei dem Wollen und zwei oder dreihundert verschleuderten Talern.

Hierauf hielt er um ein Privilegium an, das ganze Land einzig und allein mit Schwefelfaden versehen zu dürfen, die er nach einer unerhörten Erfindung fabriciren wollte. Das wurde ihm abgeschlagen, und aus Verdruss wollte er in ferne land ziehen, und seinem undankbaren vaterland auf ewig Valet geben. Es bleibt aber bei dem Wollen, ob er gleich schon eine herzbrechende Abschiedsarie gedichtet hatte, die sich anfieng: Ade du falsches Pommerland.

Hierauf folgten zehntausend andre Anschläge, die nicht um ein Haar klüger oder einträglicher waren. Denn,