Materie wäre.
Die Herren, um diess zu rächen, rückten tapfer auf die feindliche Armee los, und ein Treffen wäre unvermeidlich gewesen, wenn nicht ein ältlicher Herr in einem Ueberrocke und weissem Federhute den Ludimagister mit den Worten angeredet hätte: Sie würden besser tun, mein Herr, wenn Sie den Hasenschwanz weg täten, als dass Sie sich mit der Grundsuppe des Pöbels einlassen.
Wie? wa wa was? stotterte der bestürzte Schulmeister.
Friedrich, sagte der Herr zu einem Bedienten der ihm folgte, nehmt dem mann die Narrenpossen ab. Und wenn ich wüsste, Meister Pfrieme, dass das einer von seinen Coups de genie wäre, wie ich sehr geneigt bin zu glauben – –
Euro Excellenz wollen verzeihen, sagte Pfrieme, ich bin so unschuldig als ein Kind in Mutterleibe. Die Jungen haben mir selbst bald die Augen ausgeworfen.
Dergleichen sieht ihm sonst ähnlich genug, sagte der alte Herr.
Es war der General, von dessen Regiment ein Bataillon die Garnison des Ortes ausmachte. Seine Gegenwart machte, dass der Pöbel sich ohne weiter Umstände zerstreuete. Der Bediente nahm das Hasenschwänzlein weg. Der Ludimagister machte tiefe Bücklinge, und der Exschuster schnitt ein Gesicht als wenn er die Strangurie hatte. Als der General ein paar Schritte entfernt war, reinigten die beiden Genies einander wechselsweise von den Ueberbleibseln der Kanonade, bei der es in dieser Strassenaffäre sein Bewenden gehabt hatte, und setzten ihren Stab weiter, nicht ohne heimlichen Groll von Seiten des Schulmeisters, der das Amulet nicht wohl der Freigebigkeit eines andern als seines gefährten zuschreiben konnte.
Der Mann, dem sie ihren Besuch zugedacht hatten, stand eben am Fenster und fabricirte ein Dutzend oder so Nägel von Kupferblech, wie die Kesselflicker zu brauchen pflegen, weil er gleich im Begriff war, mit ökonomischen Händen ein Loch in seinem Teekessel zu flicken, als die beiden Genies um die Ecke der Strasse traten, wo er wohnte. Er bemerkte sie, warf geschwind seinen Kram auf die Seite, und rief einen von seinen Leuten: Helf er mir doch mal geschwind das Kleid an. Da kommt die skandalöse Chronik und ein Schornsteinfeger oder so was. Pfrieme kommt gewiss hierher. – Er war kaum in den Rock gefahren, so traten die beiden Genies ins Haus, und der Ludimagister fand an dem Herrn Peter Fix einen langen Mann in einem Kleide dessen Zeug er nicht zu nennen wusste, aber die Farbe war changeant, und goldgesponnene Knöpfe sassen drauf. Die Beinkleider waren von schwarzen Bockleder mit hörnernen Knöpfen, und auf den Knien schon etwas blank. Schwarze wollene gerade Strümpfe bekleideten ein Paar etwas krumme Beine, und den Anzug nach unten vollendeten ein Paar Schuhe von gewichstem Kalbleder. So fand der Schulmeister den Tausendkünstler beim ersten Anblick. Weil es aber dem Leser nicht zuwider sein mögte, von diesem mann etwas mehr zu wissen, als ein Mutterkind dem andern beim ersten flüchtigen Anblick an der Nase anzusehen vermag: so wollen wir trachten, ihm so viel an uns ist, Gnüge zu leisten.
Herr Peter Fick, oder das changeante Genie war ein Junggeselle, und ein gutes Endchen über die Jugendjahre hinaus, so etwa reichlich in die vierzig, sehr grosser Statur, krausköpfig von Haar und Sinn, blau von Augen, spitz von Nase, hässlich von Zähnen, nicht zu klein von mund, grünlichgelb von Farbe, kurz von Halse, schmächtig von leib, zart von Händen, und vorgedachter massen ein klein wenig sprenkelbeinigt. Aus den Augen, aus den Falten der Stirn, aus den Falten der Nase den Fusstapfen eines gewohnten Naserümpfens, aus jedem zug stralte hoher Genius. Hoher Genius dampfte aus seinen Nasenlöchern, schäumte ihm vom mund, und kitzelte ihn hinter den Ohren. Alles das mit einem Worte: er war ein abscheulich grosses Genie, das grösste das je vom weib gebohren ist; und das wollt er auch wissen. Vom Adler bis zur Fledermaus, vom Lindwurm bis zur Käsemade, von der Ceder auf Libanon bis zum Isoppen im Tal, was kein Auge sah und kein Ohr vernahm, das alles kannte er von innen und aussen. Von der Goldmacherkunst die kein Mensch in seinem ganzen Leben lernet, bis zur Glaserprofession die in zwei Stunden gelernet ist, war er in jeder ein Meister. – Doch weiss ich nicht, ob er nicht selbst die edle Fechtkunst ausnahm. Sonst hatte er in jede Brühe sein Brodt getunkt, und wusste was von jedem Dinge die Elle gelte. Er konnte in allen deutschen Büchern lesen, er konnte Schweine kapaunen und Hähne verschneiden, er konnte Gänse nudeln und Schusterpflökke schnitzen, er wusste mit dem Hobel und mit der Feile umzugehen, er konnte einen Floh durch ein Mikroskopium sehen, und einen Ochsen mit ungewaffnetem Auge, er wusste dass der Schnee kalt, und das Eis gefrornes wasser sei, und hatte viele Versuche gemacht, etliche von den grossen Hagelkörnern die Anno drei und sechzig fielen, zum ewigen Denkmaal in Weingeist zu konserviren, die aber nicht geglückt waren. Er konnte ein Prisma über die Nase halten. Er verstand Handlung und Manufakturen und las Kollegia drüber; er kritisirte Bücher und machte Verse; er sah in die Kabinete und in die Rüellen; er machte den Patrioten in der Tabagie und den Hannswurst auf dem Teater gleich fertig. Kurz, er war überzeugt, dass er alles kannte, wusste, und konnte, besser als irgend ein Mutterkind.
Dass er in dieses leidige Unwesen geraten war, davon haben wir die Ursache schon angegeben: er war ein