Ein Mann von Genie muss sich mit alles behelfen können.
Der schwarze Mann dachte dem grünen mann ein Kernkompliment zu machen, und sagte, wenn er nur gleich zwei Felle kriegen könnte, so würde er ihn bitten, ihm zu seinem Andenken ein Paar Stiefel zuzuschneiden. Aber die Höflichkeit bekam ihm schier nicht wohl, denn der mineralgrüne Meister kuckte arglistig unter seinen krummen Augenbraunen hervor, erst dem Gelehrten ins Antlitz, liess dann den blick sehr signifikativ auf dessen unförmliche Beine hinabgleiten, und sprach gar langsam und vernehmlich: Mein Herr! der tapfre Schanderbecher sagte einmal zum Kaiser von – Russland: ich konnte Euro Kaiserliche Majestäten wohl meinen Sabel leihen, aber nicht meinen Arm. – Bei dem Worte: Arm, hob der Exschuster sein rechtes Bein, das wirklich nicht schlecht gemacht war, hoch empor, und der Ludimagister steckte den Hieb vorgängig trocken ein.
Meister Pfrieme wollte seinen Gast so herzlich gern mit allen seinen Vollkommenheiten regaliren, und hätte sie ihm gern mit Löffeln eingegeben, darum setzte er sich an einen alten baufälligen Flügel und hub an gar grimmiglich darauf los zu pauken, sang auch darneben in lieblichsten Schuhknechtsdiskant das wohlbekannte Lied: Sollen nun die grünen Jahre etc. rief darauf seine Köchinn herein, und duettirte mit ihr sehr herzbrechend die schöne Aria: Komm mit mir in grüne Schatten, komm geliebte Sylvia. etc.
Will dir die schöne Silfiges gesegnen! rief plötzlich eine kreischende stimme halb auf der Strasse, halb in der Haustür, als Damöt gerade der geliebten Sylvia Heerde, Hund und Stab anbot, wenn sie einmal mit ihm im einsamen Schatten – die Nachtigallen wollte schlagen hören. Der grüne Mann erkannte gleich, dass diese stimme seiner Hausehre, deren Heimkunft er nicht so früh erwartet hatte, zuständig sei, und da er nichts Gutes witterte, sprang er schnell zum Fenster hinaus, und überliess es seinem gast, sich zu retten, so gut er könnte. Dieser sah etwas betäubt dem Hausherrn nach, und wusste nicht, ob er ihm durch diesen ungewöhnlichen Weg folgen sollte oder nicht, als die Frau wie eine Furie in die stube brach, rot um den Kamm und blind vor Eifersucht. Der erste Gegenstand, der in ihre Fäuste fiel, war die arme Köchinn. Wart, du schöne Silfiges! .... Weiter verstand der Ludimagister nichts, denn er hatte gerade die erfoderliche Gegenwart des Geistes, diesen Augenblick zu nutzen, und hinter der Furie weg zur Tür hinaus zu huschen. In Einem Satze war er auf der Gasse, wo er den Exschuster in einer Entfernung von sechzig bis siebenzig Schritten vor sich hin laufen sah, so schnell die wohlgemachten Beine ihn nur tragen wollten. Und wahrhaftig, sie mussten sehr schnell sein, um ihn in dem Nu – denn der ganze Auftritt war die Sache eines Nu – so weit vorwärts bringen zu können. Der schwarze Mann rannte und schrie hinter ihm drein zu grosser Verwundrung der Vorübergehenden, die in Zweifel standen, ob das ein Wettlauf sei, oder ob einer dem andern den Beutel gemauset habe. Der mineralgrüne Mann, denn so werde ich ihn Trotz des roten Kleides ferner nennen, stand nicht eher still, bis er um die Ecke war. Da erst wartete er des Schwarzen. Ei, ei! Herr Pfrieme, rief dieser, der tapfere Skanderbeg tat sehr weislich, dass er seinen Arm nicht mit verlieh.
Still! antwortete Pfrieme, die Frau ist was schalluh. Und ausser dem haus, halt ich dafür, muss ein Mann nichts auf sich sitzen lassen, aber im haus muss er fünfe gerade sein lassen.
"So! – Nu, nu! ich denke, ein Mann muss allentalben ein Mann sein; und – mit Permission! – heute Mittag, der Mann in dem dunkelbraunem Kleide schien eben so zu denken."
Ah, das ist 'n dummer patziger Kerl, über den ich weit weg bin. Dem brauchts nur 'n halbes Wort, so ist er geraakt; und in öffentlichen Häusern, wissen Sie, mag man denn nicht gern Spektakel machen.
"Da haben Sie Recht, Herr Skanderbeg! vor allen wenn man just seinen Säbel verliehen hat."
Unterdessen versammelten sich um die beiden Herren her ein paar dutzend Strassenbuben, die den närrischen Appendix bemerkten, der bei jedem Schritte den der Schulmeister tat, zwischen seinen Schulterblättern wackelte. Vermutlich waren sie von Monsieur Ulrich Pfrieme, dem jüngsten Sohne des mineralgrünen Genies, dazu aufgewiegelt; wenigstens befand er sich in der Arrieregarde des Trupps, und half das Geschrei waidlich vermehren. Die beiden alten Genies dachten anfangs nicht, dass einer von Ihnen der Held in der Farce sei, bis einige Aepfel, die aber auf keinem Baume gewachsen waren, um ihre Ohren flogen. Da rochen die Herren Lunte, und machten durch ein Rechts um kehrt euch, Fronte gegen die jungen Genies. Durch dieses Manövre wäre aber der Exschuster beinahe um seine Faunennase gekommen, und zwar durch die Hand seines leiblichen Sohnes. Dieser, den wir nach seinem Jäckchen von striefigten Fünfkamm, das gestreifte Genie nennen wollen, zielte und warf eben nach dem haupt des Ludimagisters; da aber die beiden alten Genies gerade in dem Augenblick ihre Wendung machten, so traf der Sohn den Papa dermassen in das Centrum des Gesichtes, dass das Nasenbein samt dem ganzen Vordergebiss ohne alle Gnade zum Henker gewesen sein würden, wenn nicht, wie jedermann weiss, eine Handgranate von obgedachter Art, zu allem Glücke von sehr weicher und nachgebender