Aber lass uns von was anders reden. Ich sehe wir haben mit der Philosophie der lieben kleinen Frau Langeweile gemacht.
Sie belieben zu scherzen, sagte Madam Bunken. Aber weil wir unsern Lesern nicht gern allzuviel Langeweile machen mögten, so melden wir kürzlich, dass das Gratias gesprochen wurde, worauf der Ludimagister sich ein Schälchen Kaffe, und bei demselben die Gesellschaft des mineralgrünen Exschusters ausbat; denn die andern Tischgenossen gingen gleich nach aufgehobner Tafel an ihre Geschäffte.
"Es ist doch verdriesslich, muss ich sagen, fing der Ludimagister an, indem er seine Pfeife stopfte, dass ein Gelehrter hier zu land gar nicht seine gehörige Bequemlichkeit hat."
Wie meinen Sie das, Herr Lekter? fragte der seidne Mann.
"Das will ich Ihnen sagen, Herr Pfrieme. Sehen Sie, ich bin ein Gelehrter, wie Sie wissen. Aber was hilft mir das? Ich bin gezwungen mein Licht unter einen Scheffel zu setzen, anstatt es vor den Leuten leuchten zu lassen, und andern Gelehrten mit meinen Einsichten nützlich zu werden. Hätten wir in dieser Gegend – – Aber so haben wir nicht. Ich habe, unter uns gesagt, schon seit geraumer Zeit meine Meditationen über manche Gegenstände schriftlich entworfen, worinn ich über viele Dinge der Welt ein Licht aufstecke ...."
Ei, das wäre viel! Sind Sie ein Autor?
"Lassen Sie sich nur erst sagen, lieber Herr Pfrieme! da überraschten mich neulich Seine Gnaden am Pulte, als ich meine Aufsätze ein wenig befeilete – denn wir besuchen einander ohne Komplimente. Ei Herr Lektor, sagte der gnädge Herr, darf man wohl einmal in ihre Hefte kucken? – Ich mogte einwenden, was ich wollte – und bei so vornehmen Herren darf man denn nicht allemal recht viel einwenden – –"
Das ist ganz natürlich, Herr Lekter.
"Kurz, er bemächtigte sich meiner Hefte, und las über zwo geschlagne Stunden drinn. Ich muss gestehen, lieber Herr Lektor, sagte er, ich kann mich nicht satt lesen. Sie haben ihren Materien sehr gründlich nachgedacht. So ein Buch, wenn das gedruckt würde, wäre wert, dass Könige und Kaiser es auswendig lernten. – Ich wollte das nun freilich nicht an mich kommen lassen, können Sie leicht denken ..."
Ganz natürlich, sagte Herr Pfrieme.
"Aber der gnädige Herr sagte: Ich habe das lange an Ihnen getadelt, mein liebster Herr Lektor, dass Sie allzu bescheiden sind. Ich bin Ihr aufrichtiger Freund, sagte er, und mein unmassgeblicher Rat ist der, Ihr Werk je eher je lieber drucken zu lassen. – Nun wissen Sie wohl, lieber Herr Pfrieme, dass der Rat eines solchen Freundes ein gemessner Befehl ist. Zudem sind Seine Gnaden ein Herr von tiefen Einsichten, und ich täte ihm gern den Gefallen, wenn es möglich zu machen wäre. Aber in diesem land! – Man muss nicht daran denken. In magnis et voluisse fat est, wie Aristoteles sagt. – Seine Gnaden mögen dermalen mit meinem guten Willen fürlieb nehmen.
Dem Himmel sei Dank, dass die lange Rede des Schulmeisters zu Ende ist! Die Finger schmerzen uns vom Nachschreiben, und wir wünschen herzlich, dass unsre Leser vom blossen Lesen nicht etwa die Darmgicht bekommen mögen! Um das so viel an uns ist zu verhüten, haben wir von neun lateinischen Brocken, womit sie verbrämet war, achte weggelassen, so wie wir gemeiniglich die lateinische Gelehrsamkeit des schwarzen, und die Flüche des grünen Mannes zu unterdrücken pflegen. Wir konnten nicht wohl umhin, dem Leser ein merkliches Beispielchen zu geben, dass das schwarze Genie lügen konnte als wenn es gedruckt wäre, und in welche endlose Länge er, der sich selbst gar zu gern hörte, seine Reden auszuspinnen pflegte, wo er es irgend durfte. Der grüne Mann aber, der nicht wie unsre Leser in des Ludimagisters Wahrhaftigkeit Misstrauen zu setzen befugt war, hörte diese lange Legende aufmerksam an, tät darauf seinen Mund auf, und hub an, den Pechdrat seiner Gegenrede zu drehen, wie folgt:
Es ist leider mehr als allzuwahr, mein werter Herr Lekter, dass hier zu land andre Mariten besser geästimiret werden, als Gelehrsamkeit. Aber da ein Gelehrter billig ein Kospolit sein muss, so wollt ich Sie wohl raten, nicht auf dieses Land zu sehen, sondern auf die Welt. Die muss darum nichts zu kurz kommen, weil das Land, worinn Sie leben, noch nicht kulturiret ist. Sie müssen Ihr gelehrtes Werk drucken lassen ...
"Das will ich ja eben gern, Herr Pfrieme! Sie kapirten mich nicht. Aber da steckt eben der Knoten, dass ich nicht weiss, wo? Und weit von hier das wäre meine Sache nicht; dazu habe ich meine aparten Ursachen."
Was? wissen Sie da keine Mauen anzusetzen? Da müsste doch Rat zu werden. Wissen Sie was, Herr Lekter? Vielleicht kann ich Sie darunter dienen, und das sollte mir ein wahres Plasir sein.
– Im Vorbeigehen gesagt: kein Mensch war bereitwilliger zu Diensterbietungen als der seidne Schuster, aber kein Mensch war träger zu Dienstleistungen. Seinen alten wackelöhrigten Karrengaul, seinen Geldbeutel, sein Haus und – seine Kinder dazu, alles was er hatte, bot er vornehm an, wenn er wusste, dass man – nichts brauchte. Fasste man ihn aber ja beim Worte, so war das Ross vernagelt, oder in andern Fällen eine eben so passliche Ausflucht bei der