der Humaniorum, sagte der Exschuster. Aber, erlauben Sie, wen hab' ich die Ehre für mir zu sehen?
"Vor mir, sagte der Schulmann, wenn es Ihnen beliebt. Ich bin ein Gelehrter, und habe mich eigentlich dem Edukationswesen gewidmet, Ihnen zu dienen, wo ich aber jetzt nicht weiter Fait von mache als ich unumgänglich muss, weil ich bei Seiner Hochwohlgebohrnen Gnaden dem Herrn von Lindenberg das Amt eines Lektoris ordinarii übernommen habe, welches mir so viel Zeit weg nimmt, dass mir zu Erziehungsarbeiten nur wenig, und für mich selbst zu studiren gar nichts übrig bleibt. Allerdings mögt ich in Absicht des letzteren wohl mit dem Poeten ausrufen: Triste et miserabile! Aber, da Seine Gnaden von jeher viel Freundschaft und Gnade für mich gehabt haben, so ist es meine untertänigste Schuldigkeit, was mir Gott an Kräften verliehen hat, zu Deroselben Diensten zu verwenden. Indessen, wie ich sage, bin ich ein eifriger Diener, so ist er ein gnädiger Herr. Noch diesesmal, da Seine Gnaden vernahmen, dass ich ein kleines Geschäffte in dieser Gegend hätte, geruheten Sie zu sagen: Ich gebe es durchaus nicht zu, liebster Herr Lektor, dass Sie die Reise auf einem offnem Wagen tun. Wer weiss was für Wetter einfallen kann? Sie müssen meine blaue Schäse nehmen. Mein Heinrich (das ist der Leibkutscher Seiner Gnaden) soll Sie fahren; er kann vier von den neuen Schweissfüchsen vorspannen; das sind Pferde wo Sie schon mit vom Flekke kommen sollen; und mein Christian (das ist des gnädigen Herrn erster Kammerdiener) soll Sie begleiten, dann weiss ich, dass Sie gut aufgehoben sind. – Danke Eu'r Gnaden untertänigst, sagte ich. Eu'r Gnaden erlauben, sagte ich, dass ich mir einmal eine kleine Motion mache. Ich hätte wohl Lust, den Weg zu fuss zu machen, sagte ich. Seine Gnaden wollten denn doch, dass ich auf den Notfall die Schäse hinter her fahren lassen sollte; und als ich mir das ernstlich verbat, wurden Sie wirklich ein wenig empfindlich. Nu, wie Sie wollen, Herr Lektor, sagten Seine Gnaden. Ihr Herren Gelehrten habt doch immer so Euere aparten Grillen, sagten Sie."
– Nicht wahr, trauter Leser, aus dieser langen Rede leuchtet die herrlichste Anlage zum Zeitungsschreiber hervor? –
Hierauf ging er dem Exschuster tapfer zu leib, und wiewohl es lieblich und lustig zu lesen sein mögte, was ein Schuster und ein Dorfschulmeister wie der unsrige über die Dauer der Höllenstrafen und über metaphysische Subtilitäten, die sie beide nicht verstanden, zu Markte brachten: so wollen wir doch, anerwogen dieses lange Gefecht uns zu viel Platz wegnehmen dürfte, selbiges übergehen, und uns begnügen, ein Wörtlein über des schwarzen Genies dermalige Metode zu sagen, womit er den mineralgrünen dergestalt in die Enge trieb, dass, wie Butter und Käse aufgetragen wurden, alle Lacher auf des Ludimagisters Seite waren. Dieser hatte nun freilich kein Arges daraus, dass sein Sieg gerade von dieser Metode abhieng, denn er ging schlechtin so zu Werke, als er es dem Pastor abgemerket hatte: dennoch, damit wir doch auch etwas in Logicis erfinden, wollen wir dieser Art zu fechten, den Namen der Schulmeister-Metode beilegen, und sie beiläufig allen vernünftigen Leuten empfohlen haben, die sich der Zudringlichkeit eines schaalen Schwätzers der keine Rason anzunehmen pflegt, gern erwehren wollen. Der Schulmeister aber machte es also:
So bald Herr Pfrieme den Mund auftat, war er, der schwarze Mann, mit der Frage bereit: Was verstehen Sie darunter? Da nun schaale Köpfe selten wissen, was sie eigentlich sagen, so folgt, dass sie in ein Paar Minuten von der Schule geschlagen sind. Um ein Exempelchen zu geben: der schwarze Mann trat dem Grünen stracks mit der Frage auf den Hals: Was nennen Sie Endlich und Unendlich? – Und der Grüne antwortete: Endlich ist, was ein Ende hat, und Unendlich, was keins hat. Nein, sagte der Ludimagister, ein endliches Ding kann auch zwei Enden haben; Sie wissen also nicht, was Sie reden. Denn der Anfang eines Dinges ist das Ende vorn hinaus, und das Ende ist das Ende hinten hinaus. Das sind also zwei Enden. – Hierauf fragte er ferner, erstlich, was beleidigen, und hiernächst, was unendlich beleidigen heisse. Das letzte erklärte Herr Pfrieme durch: so beleidigen, dass Gott es gar nicht vergeben könne. – Und so gab ein Wort das andre, bis es dem Exschuster an Händen und Füssen kalt wurde. Es lebe die Schulmeistermetode!
Als nun das mineralgrüne Genie durch seine eigne Unwissenheit und halbrichtige oder ganz falsche Erklärungen in so viel Schwürigkeiten verwickelt war, dass ihm Wort und Bissen im Halse stecken blieb, da konnte der gefrässige Wirt, der zwar mit beiden Ohren zugehöret, aber auch mit beiden Backen gekauet hatte, sich nicht erwehren, seinen Zähnen einen Stillstand von acht Sekunden zu gönnen, um triumphirend auszurufen: Sieh! Bruder Pfrieme! da hast mal deinen Mann gefunden!
Da verstehst du viel von, Bruder Bunke! Unser Dispüt ist noch lange nicht ausgemacht, und kann auch wohl nicht ausgemacht werden, denn des Herrn Lekters Meinung und meine Meinung sind doch nur Apotesen.
"Hypotesen, Herr Pfrieme, sagte der schwarze Mann. Aber wollen Sie mir wohl sagen, was Sie unter Hypotese verstehen?"
Das ist – Will ich Sie sagen – gleichsam –