meines lieben Pastors mit dem Herrn Justitiarius angehöret, worinn dieser Gegenstand weitläuftig untersuchet wurde, und wobei es scharf herging. Der schwarze Mann hatte, wie mehrenteils alle Schulmeister von Profession, ein sehr glückliches Gedächtniss, also waren ihm die wichtigsten Argumente pro und kontra noch sehr geläufig, und er beschloss den Augenblick, dem grünen Genie gar stattlich das Obstat zu halten, die Meinung desselben mögte nun sein, welche sie wolle, und vor der Gesellschaft Ehre einzulegen. Zu diesem tapfern Entschlusse trug das nicht wenig bei, dass er schon lange weg hatte, sein Gegner sei kein sehr gewiegter Mann.
Nach einigen Generalien über die Höllenstrafen überhaupt, erklärte das damastne Genie sich wider die gewöhnliche Bedeutung des Worts Ewig, und tat einen grossen Schritt über die Grenze bis ins Centrum der Philosophei. Herr, sagte er, sind sie nicht auch der Meinung, dass ein unendliches Wesen von einem Endlichen nicht Unendlich beleidiget werden könne?
"Mein werter Herr, erwiderte das schwarze Genie, ich bin zwar nicht hieher gekommen, über die Religion zu disputiren, doch – ich sehe, Sie sind auf Irrwegen, und es ist Pflicht, seinen irrenden Bruder zurecht zu weisen, vorausgesetzt, dass er nicht mutwillig irre, noch in der Absicht mit seinen Irrtümern zu pralen, welches meines Dafürhaltens nur ein Bösewicht oder ein Narr tun kann." –
Dieser Eingang machte den mineralgrünen Philosophen ein wenig betreten. Er fühlte, dass er an ein zum wenigsten eben so boshaftes Tier geraten sei, als er selbst war. Doch befürchtete er noch nicht, dass der schwarze Mann so gar arg mit ihm umspringen würde, als wirklich geschah.
– "Was also, fuhr der Schwarze fort, Ihre Frage betrifft, mit der Sie mich angehen, so dienet in Antwort, dass wir nicht nur wissen müssen, wovon wir reden, sondern auch was wir reden. Meinen Sie das nicht ebenfalls, mein Herr?"
Ich denke: Ja! antwortete der grünseidne Mann.
"Gut also, mein Herr! sagte der Schulmeister. Aber ehe wir weiter gehen, das trockne mein Herr macht meines Dafürhaltens die Unterredung ein wenig hölzern. Es ist so herzlicher und besser, wann man sich bei seinem Namen oder Karaktehr zu nennen weiss; man kann sich auch seinen Respekt besser geben. Ohne Zweifel wird das auch des Herrn Videtur sein. Also, mit Permission! mit wem habe ich das Vergnügen zu konversiren?"
Ich heisse Herr Pfrieme, zu dienen!
"Und Ihr Karaktehr?"
Habe keinen. Ich bin ein Liebhaber der Humaniorum.
– Es ist wohl Zeit, dass wir unsern Lesern sagen, wer der mineralgrüne Philosoph eigentlich war, und dazu haben wir die beste gelegenheit, während die beiden Genies gegen einander zu feld ziehen. Sein Vater lebte und starb als ein Leineweber mit dem Ruhme eines ganz hübschen Mannes, und hatte diesen seinen Sohn ebenfalls zu einem ehrbaren Handwerk erzogen und anführen lassen; wie denn der Bursch auch so weit gedieh, dass er als Schuhknecht seine Wanderjahre antrat, nachdem er seinen Vater viel Verdruss gemacht hatte. Nach des Vaters tod aber warf der Sohn aus leidigem Drang des Genie Leisten und Kneif zum Henker, und nach vielen in der Nachbarschaft und daheim überstandnen Fährlichkeiten und versuchten Metiers, bald Bettler bald Matador, nahm er eine Frau, und zehrte nun, da er schon über die funfzig hinaus war, auf den Rest eines geringen Vermögens, der nicht gar zu edlen Frucht seines letzten Coup de genie, waidlich los; schlemmete und demmete redlich; sprach nichts als Hochdeutsch, weil, wie er sagte, das Plattdeutsche keines erhabnen Ausdrucks fähig sei, sonderlich so, wie es der Pommersche gemeine Mann spräche; verläumdete alle Welt; schwänzelte immer noch hinter Weiber und Mägdlein her; las jedes Buch das er auftreiben konnte, und pränumerirte auch wohl mit unter auf Bücher die – unstreitig für Schuhknechte nicht geschrieben waren, um seinen Namen schwarz auf weiss gedruckt im Pränumerantenverzeichnisse täglich vor Augen zu haben. Ein paar unrechte Bücher, ein paar schlechte Buben, und, mehr als das, eine Mutter voll Affenliebe hatten den Grund zu seinem sittlichen Verderben gelegt; denn wirklich, der grüne Mann schämte sich keines Verbrechens. – Mütter! Mütter! wie unzählig mehrere Seufzer und Flüche unglücklicher, zu spät zur erkenntnis kommender Kinder fallen auf euch, als auf die Väter! – Eine fortgesetzte unrechte Lektüre machten ihn vollends zum Narren, und, weil er nicht verstand was er las, endlich zum vollendeten Bösewicht. Ihr Herren, die ihr alles wisset! gibt es kein Mittel die Mütter, und dadurch zugleich die Kinderzucht zu bessern? gibt es kein Mittel den Pöbel vor Büchern die für ihn nicht geschrieben wurden, zu bewahren?
Seinem Pränumerationswesen hatte Herr Pfrieme den Titel eines Liebhabers der Humaniorum, der bis jetzt in keinem Titularbuche stehet, zu danken. Denn, da er zum erstenmal seinen werten Namen zu einem solchen Verzeichnisse einzusenden vorhatte, war er unschlüssig was für einen Schwanz er demselben anhenken sollte. Exschuster, – wie heute zu Tage Exjesuit – das schien ihm nicht schicklich. Bürger und Einwohner très renommé, das war vollends nichts Gar kein Schwanz liess auch so kahl und gestutzt. Homme de Lettres war damals noch nicht üblich. Genie? Ein Genie? Das war Etwas. Aber es liess doch gar zu wer weiss, wie! Sonach ward der glänzende und unerhörte Titel: Liebhaber der Humaniorum beliebt und erkieset.
– Ich bin ein Liebhaber