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, fuhr er fort, ich bringe sein Bild hier nicht in die beste Gesellschaft. (Hier wurde der mineralgrüne Mann glühend rot.) Indessen, mein Herr, (er wandte sich gegen den Schwarzen) beruhige ich mich damit, dass ich es für sie allein aufgestellet habe, und hoffe, es wird in gute hände gekommen sein.

Hiermit empfohl sich der braune Mann, ungeachtet einer höflichen Einladung der Frau Wirtinn mit ihnen fürlieb zu nehmen. Meine Frau und Kinder, die mich gern in ihrer Mitte haben, erwarten mich, sagte er, und ging.

Der Narr ist in seine Frau verliebt, sagte das seidne Genie. Der schwarze Mann aber meinte, er mögte ihn doch wohl näher kennen. Weiss nicht, obs der Mühe wert ist, antwortete der Grüne; es ist ein dummer grämischer Kerl, der manchmal den ganzen Tag den Mund nicht auftut, und jedem, den er nicht leiden mag, alles ins Gesicht sagt; und ich glaube nicht, dass sechs oder acht Leute in der Stadt sind, die er leiden mag. Nichts ist ihm recht, und auf alles weiss er was zu mäkeln. Kurz, mein Mann ist er nicht. Er ist kein Genie.

Nee, ich mag ihn gern reden hören, sagte die Wirtinn. Er ist immer so apart. Manchmal verstehe ich wohl nicht recht, was er will, eben als heute, dass 'n Menschengesicht kein Mensch sein soll. Aber eben weil das so schnaksch ist, mag ich ihn gern hören.

'S ist doch 'n hochmütiger Kerl, sagte der Grüne, und indem wurde die Suppe aufgetragen.

Zwölftes Kapitel.

Das zweite Kapitel vom Geniewesen, worinn der

Leser das mineralgrüne Genie näher kennen lernt.

Man wies dem schwarzen Genie als einem ganz fremden Herrn die Oberstelle an; aber er hatte im täglichen Umgange mit den vornehmsten Bedienten Seiner Gnaden, mit welchen er längstgedachter massen fast täglich speisete, schon lange so viel begriffen, dass er in der allerfeinsten Galanterie kein Neuling mehr war. Sonach fuhr er mit seiner nervigten Rechte behende in den Schlitz der Falten seines Rockschoosses, machte einen gefährlichen Bückling und scharrte hinten aus, dass es witterte, tat darauf einen zierlichen Schritt vorwärts, der ihn der hübschen Wirtinn nahe brachte; erhob sodann den Rockschooss, und ergriff mit demselben gar sittiglich und züchtig die linke Hand der Wirtinn. Sie erlauben, werteste Madam! sagte er zu der Frau, die, ob dem ihr ganz unbekannten Manövre erstaunt, ganz geduldig ihre kleine runde Hand in den Rockzipfel begraben liess, und vielleicht dachte, der fremde Herr wolle ihr etwa die Spur eines angegriffnen Kochtopfes abwischen. Sie erlauben, werteste Madam, sagte er, und tät sie ehrbarlich zu der Oberstelle führen, und zwang sie gar höflich, sich daselbst nieder zu lassen, wiewohl sie dreimal versicherte, das würde sich gewiss und wahrhaftig nicht schicken. Das Wesentliche dieses Manövres hatte er dem Herrn Verwalter und der Frau Liebste des Herrn Justitiarius abgestolen, die Nebenverzierungen tat er aus seinem eignen Schatze hinzu. Als er diesen wichtigen Beweis seiner feinen Lebensart abgeleget hatte, nahm er mit vieler Würde seinen Platz zur Linken der Dame, und ihr zur Rechten pflanzte sich das mineralgrüne Genie hin, in dessen Giebel die braunen Aeuglein der lieblichen Wirtin schon längst einen solchen verteufelten Spuk angerichtet hatten, dass er oftmals Genie, und Philosophei, und Litteratur darüber vergass; wie er denn auch an diesem Mittage nicht ermangelte, diese Augen, und was ein missgünstiges Halstuch nicht ganz verbergen durfte, gar erbärmiglich anzuschielen, und von Zeit zu Zeit Seufzer so dick als des Schulmeisters Beine auszustossen. Die übrigen Gäste samt dem Wirte setzten sich ohne Cärimonie. Das Töchterchen im haus stammelte, übelhergebrachter Gewohnheit nach, das Benedicite, welches ich allemal lieber vom Hausvater sprechen höre, und die Schüsseln wurden leer.

Ich habe oben schon verkündiget, dass das mineralgrüne Genie beschlossen hatte, sich zu zeigen. Weil er vor Tische nicht so recht dazu kommen konnte, entschloss er sich im Gastofe zu essen, welches er, Trotz dem Gebrumme seiner Hausehre, gar oft, und vorzüglich dann zu tun pflegte, wenn er Fremde da fand, die er bewunderte, oder die ihn bewundern sollten. Jetzt bei Tische fing er allmählich an, das Nordlicht seiner Einsichten leuchten zu lassen. Er machte den Anfang mit etlichen paradoxen Sätzen, auf die aber niemand achtete, der Schulmeister nicht, weil er die Suppe sehr wohlschmeckend fand, die übrigen nicht, weil sie das zum neun hundert neun und neunzigsten mal hörten. Bei der zwoten Schüssel stellte er sich frank und frei unter Voltäre's und Damm's Fahnen, aber der Ludimagister war entweder noch zu hungrig, oder er mogte sonst seine Ursachen haben, so viel ist gewiss, dass er keine Sylbe darauf antwortete. Als das mineralgrüne Genie sah, dass auch dieser Schlag kein Oel gab, besann er sich, vor einiger Zeit den Alexander von Joch über Verbrechen und Strafen nach türkischen Gesetzen gelesen zu haben, den er aber, seiner Gewohnheit und Unvermögen nach, nicht digeriret hatte. Auf einmal hub er einen stattlichen Diskurs über die Dauer der Höllenstrafen an; und, um das schwarze Genie recht mit den Haaren zur Aufmerksamkeit und Bewundrung zu zwingen, richtete er seine Rede gerade an ihn.

Zufälliger Weise war hier der Ludimagister zu haus. Denn wie manchmal das Glück der Narren Vormund ist, so hatte er just vor etlichen Wochen eine Unterredung