. Mit flüchtigem Auge übersah er die ganze schaale Versammlung, und zeichnete besonders den seidnen Mann durch einen blick voll unaussprechlicher Verachtung aus. Er grüsste die Herren sehr nachlässig, den Ludimagister aber, als einen Fremden, sehr bescheiden, ob er gleich nicht umhin zu können schien, an der auffallenden Physiognomie des Mannes einige Augenblicke zu haften. Herr Bunke, sagte er zum Wirte, indem er einige Papiere aus seiner Brieftasche nahm, geben Sie doch diese Frachtbriefe und Zollzettel dem Fuhrmanne. Er wird alles richtig finden.
Hiermit wollte er wieder gehen, als der damastne Mann zum schwarzen sagte: Sehen Sie, das ist der Herr, der die schöne Bildersammlung hat.
Es war wirklich der Mann, den das grüne Genie vor wenig Augenblicken mit der aus seinem mund sehr ehrenvollen Benennung eines dummen Kerls beehret hatte.
Ich eine Bildersammlung? träumt Er, Meister?
Ei, ich meine die Kupferstiche von Nilson, und denn ihre schönen bunten Bibelstücke, wovon ich diesem Herrn, der ein fremder Gelehrter ist, und sich nach den hiesigen Merkwürdigkeiten erkundigte, gesagt habe.
Nun ja, sagte der dunkelbraune Mann, Kupferstiche von Nilson, dem Meister in steifen Figuren, sind wunderwürdige Raritäten! – Hierauf wandte er sich an den schwarzen Mann: Es ist wahr, mein Herr, ich habe in meinem Pulte zwei oder drei Stücke, die von Kennern gelobt werden. Wenn so wenig ihre Aufmerksamkeit reizen kann, so bitte ich um Ihren Besuch, wofern ihre Zeit nicht ausgefüllt ist.
"Die mögte mir heute wohl lang werden, versetzte der Ludimagister, da hiesigen Ortes, wie der Herr da mich versichert, nichts Sehenswürdiges für einen Reisenden ist."
Der Ort, erwiderte der Braune, ist wie alle Landstädte, aber wir haben hier einige schätzbare Männer, die eines Reisenden Aufmerksamkeit verdienen, und unsre Gegenden sind reizend. Und doch – zwar nicht hier im Orte, aber sehr nahe dabei, wüsst ich doch einen Gegenstand, dem zu Gefallen ich funfzig Meilen reisen würde.
"Darf man fragen?" sagte der Schwarze, der nichts geringers als eine Buchdruckerei vermutete.
Es ist ein Mensch, mein Herr.
Ih Herr Je! rief die Wirtinn, was Sie doch immer schnaksch sind! Das sollte mich lüsten, funfzig Meilwegs nach einem Menschen zu reisen! Kann hier, wenn ich, alle Tage genug im haus sehen.
Menschengesichter, Madam, versetzte der Braune, dem die Falten der Stirn merklich sichtbar wurden, aber doch keine Menschen; und doch kenne ich hier im Orte wirklich sieben bis acht Menschen. Das ist viel, recht viel für eine mässige Stadt. – Aber dieser Mann, den ich einen Menschen nenne, weil ich kein edleres Wort weiss, ist ein sehr vornehmer Mann durch Geburt und Stand und Güter. Fühlen Sie, mein Herr, (dem schwarzen mann sagte er das) was das sagen will, reich, in ansehnlichen Würden, von alter sehr edler Abkunft, und doch ein Mensch zu sein? Bei den mehrsten Erdensöhnen bedarfs nur einen von diesen drei Vorzügen, um ihnen Herz und Kopf zu verrücken: bei Ihm sind alle drei vereinigt, gerade, mögte man sagen, um Ihm die rechte Richtung zu geben. Er fühlt den Wert seines Standes, aber ohne allen Hochmut; er ist höflich, ohne Falsch; herablassend, vertraulich sogar, aber mit Würde; gütig, aber mit Grösse und ohne Prahlerei; voll Sentiment, aber ohne Affektation. Er hat keine Bibliotek, aber eine Büchersammlung; er gibt sich für keinen Gelehrten aus, aber er liebt die Gelehrten, und sie lieben ihn. Er hat kein Naturalienkabinet, aber Untertanen, deren Glück – keine Bildergallerie, aber liebenswürdige Kinder, deren Bildung ihm am Herzen liegt. Er kann vielleicht weder malen, noch an der Drechselbank tändeln, aber er schätzt die schönen Künste, und ehret den Künstler. Er besitzt Geschmack, und hat es bewiesen durch ein reizendes Elysium, das er in einer Wüste geschaffen hat. Er hat Freunde, und was man so selten findet, und was sein Bild vollendet! selbst unter seinen Hausgenossen warme Freunde, und ist wert sie zu haben, weil er selbst der wärmste Freund ist. Er hat Feinde, und ist gross genug, darüber zu lächeln. Die Härte, den Baurenstolz, das trotzige unbescheidne Wesen, den ekeln Ton, und alles, wodurch ein grosser teil des Adels sich unter seine bauern herabsetzt, suchen Sie bei ihm so vergebens, als die entgegengesetzten Fehler. Er liebt die gesellige Freude, den lächelnden Witz, den gezügelten Mutwillen. Kurz mein Herr, sein Herz ist gross, gut, und schön, und edler noch als seine Geburt, die doch, Sie mögen auf die Reihe oder auf den Wert der Vorfahren sehen, so edel ist als irgend einer. Stände das Glück des ganzen Menschengeschlechts bei ihm, er würde es mit dem seinigen erkaufen. Gestehen Sie mir, dass so ein Herr den Namen eines Menschen, und eine Reise von funfzig Meilen verdienet! – –
Nach dem Maasse, wie der braune Mann sprach, entfaltete sich seine Stirn, sein Auge funkelte, und eine heitere Zufriedenheit verbreitete sich über sein Gesicht. Er hohlte das alles so tief aus seinem Herzen! aber bei den letzten Worten fiel sein blick, vielleicht von ungefähr, auf das mineralgrüne Genie. Flugs waren alle Falten wieder da. Der blick blieb haften, und wurde bedeutend.
Mich däucht aber