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und drei ober vier von den andern Herren die in diesem buch vorkommen, unserm Hogart-Chodowiecki sitzen zu lassen. kommt Zeit, kommt Rat!

Denke dir demnach einen Mann von mittelmässiger Grösse, oder etwas drüber, mit einer Physiognomie die aus Neger, Pudel, und Mops zusammengesetzt ist, und, ohne just ausnehmend hässlich zu sein, so viel Widriges in sich vereiniget, dass ein Zehnteil davon mehr als hinreichend wäre, alle Lavaters auf Gottes Erdboden von einem genaueren Umgange mit ihrem Eigentümern kräftig abzumahnen. Die Negernase vor allen, machte, wenn man sie zum erstenmal sah, einen unbeschreiblich unangenehmen Eindruck. Der Körper war unförmlich gebauet. Seine Korpulenz war freilich noch nicht Abt- oder Domprobstmässig, aber ein Prälat von geringerem Schlage, ein Prior zum Exempel, oder ein Kapuzinergardian hätte sich auf den Notfall ganz schicklich damit behelfen können. Seine Beine, das waren einmal Beine! Wäre sein Bauch dreimal so dick gewesen, so hätten diese Säulen immer noch dazu gepasset. Man kann just nicht sagen, dass sie krumm waren: aber so übel waren sie doch gebauet, dass sie, auch mit einem minder wassersüchtigen Ansehen, die allerhässlichsten Extremitäten von der Welt gewesen sein würden. Wie er nach Jahren so vornehm wurde, dass er in weissen seidnen Strümpfen und einer Beutelperüke stolzierte, fiel zwar das Abenteuerliche des Antlitzes nicht mehr so heftig auf, aber das Unförmliche der Beine desto sichtlicher ins Auge. So war der äussere Mensch des Ludimagisters beschaffen, der ... Potz tausend! da geht er schon hin, fix und fertig, und ich male noch! Wir müssen ihm wohl folgen, ohne jetzt von seinem inneren Menschen noch ein und anders, wie wir Willen waren, zu sagen. Mag der Leser doch selbst aus seinem Betragen schliessen, dass er im grund ein tückisches, boshaftes, und ich darf wohl hinzusetzen: schadenfrohes Tier war, wie zwar die Narren von Metier mehrenteils zu sein pflegen.

Unser schön geschmückte Wandrerdenn als ein Mann, der in Geschäften des gnädigen Herrn reisete, glaubte er, sich mit Anstand und Prunk zeigen zu müssensetzte seine Reise sehr eilfertig fort, dennoch aber erreichte er das Städtchen nicht eher, als kurz vor Mittage. Gravitätisch zog er durch das Tor, und durch die vornehmsten Strassen, in der Hoffnung, an einem der Schilder und Zeichen, die er über und neben den mehrsten Haustüren sah, das Ziel seiner Wünsche zu erblicken. Zuerst, gleich bei seinem Eintritt in den Ort, sah er an einem haus das Königliche Wapen, und schloss daraus ganz richtig, ohne sich lange mit Lesen der Unterschrift aufzuhalten: hier werde wohl der Zollbediente residiren. Er ging vorüber, doch grüsste er Seiner Majestät Wapen mit abgezogenem hut. Ferner sah er hölzerne Stiefel, Barbierbecken, Gewürzkrämerzeichen, Kollekteurschilde, und andre solcherlei Insignien in ungezählter Menge, auch mit unter eine grosse vergoldete Scheere von zwei griesgrammenden Löwen gehalten, oder eine Hand aus den Wolken mit einer Beutelperüke. Einzeln blähete sich hie und da in der trügerischen Dämmerung eines unbedeutenden übel fournirten Ladens ein Lakenkramer in der Kontormütze, wie der Eckern Ober unter dem Pöbel der kleineren Matadore. Ein Haus erkannte er am Geruche für eine Apoteke. Vielfältig aber verkündigte das Konterfei eines Hechtes, eines Palmbaums, eines weissen Rosses, oder auch schlechtweg einer Branntweinblase und Bierfasses die wohnung eines gewissenhaften Gastwirtes, eine Tabagie, oder einen honeten Branntweinwinkel. In Häusern, wo er ganz und gar kein Zeichen über oder neben der Tür fand, vermutete er einen Bewohner, der nicht Ursache haben mogte, sich auf sein Gewerbe allzuviel zu Gute zu tun, zum Exempel: einen Müssiggänger, Kapitalisten, Wucherer, Kuppler, Betschwester, Nachtwächter, Häscher und desgleichen.

Er hatte nunmehr beinahe das Ende der letzten Strasse erreichet, und befand sich gerade bei einem haus, das er an der grossen Einfahrt und an der gepflasterten Diele ohne alle Mühe für einen Gastof von einiger Bedeutung erkannt haben würde, wenn auch die schönen goldnen Worte: Der Gastoff zum offnen Helm, von der Höhe eines Schildes herab den Wandrer nicht eingeladen hätten. Hier stand er still, und sah mit forschendem Blicke vorwärts. Alle Zeichen aber, die er von hier aus erblickte, verkündigten ganz offenbar, dass er die Strasse vergebens zu Ende gehen würde, deswegen entschloss er sich, wiewohl traurigen Mutes, in den Gastof einzukehren, um seinen abgematteten Leichnam mit Speise, Trank, und Ruhe zu laben.

Hier bewillkommte ihn erstlich ein dicker halbnüchterner Wirt mit einem feisten schelmischen Antlitze, der sich aus der ehrenfesten Miene des Wandersmannes flugs einen Vogel prophezeihete, dem er schon auf eine oder andre Art spielend und in Liebe ein paar Fettfedern würde ausrupfen können; zweitens, eine kleine, hübsche, rasche, dicklichte Wirtinn mit schönen braunen verliebten Augen, die jeden ansehnlichen Passagier für eine gute Prise zu erklären, dermalen aber von unserm Ludimagister sich keinen zu versprechen schienen. Doch zogen diese freundlichen Augen ein solches Prognostikon eben nicht aus dem schwarzen Kleide des Gastes, denn sie hatten wohl eher Männer in schwarzen Kleidern, so gut als Stutzer, Referendarien, Handwerker, und reisende Kaufleute unter ihre gesetz gezwungen.

Auf die Frage des Wirtes: ob er ein besondres Zimmer verlange, oder in die Gaststube zu treten beliebe? wählte er vorläufig das letztere, um der Gesellschaft willen, wie er sagte, bat aber zugleich, ein Zimmer für ihn in Bereitschaft zu halten. Der Wirt tat einen Seitensprung