und wie die Dinge alle heissen, versehen überdem mit Buchdruckerei, Uhrmacherei, Apotekerei, Juweliererei, Scharfrichterei, Gleissnerei, Verläumderei, Brodneiderei, und was es sonst für freie und galante Künste geben mag – dass, sag ich, eine solche Welt besser sei, als ein simples Lumpending von Welt, das sich dispensiret dieserlei Arten irdischer Weisheit zu treiben. Die Herren würden in dortiger Gegend zwar nicht just ihr Paradis, aber doch einen ganz schicklichen Vorhof desselben gefunden haben. –
Lustig und lüftig war der Schulmeister ausgewandert, aber langsam vt iniquae mentis asellus, und mit bekümmerter Seele richtete er jetzt seine schwerfälligen Schritte wieder nach der Burg seines vornehmen Gönners, als Dame Fortuna Mitleid mit ihm zu haben begonnte. Wir halten nicht viel von Eingebungen oder Dämonen. Aber der Einfall kam unserm Wandrer zu plötzlich, als dass es so ganz mit rechten Dingen zugehen konnte. Es war schlechterdings eine Eingebung Fortunens, oder ein Dämon hatte die Hand im Spiele, anders können wir das Ding nicht erklären. Ob es aber, wenn man den letzten Fall annimmt, der Dämon des Schulmeisters oder des Herrn Peter Fix gewesen sei: das lassen wir unerörtert. Es fiel dem Ludimagister plötzlich ein, es liege verschiedne Meilen abwärts ein feines Landstädtchen. Nun wusste er freilich so gut als hätte er es im Büsching gelesen, dass so viel Meilen hin, eben so viel Meilen zurück austragen, und dass man in dem Städtlein ohne allen Zweifel stämmigte Fleischer, wohlbeleibte Bierbrauer, und dürre spindelbeinigte Schneider die Fülle, hergegen eher zwölf Senfmühlen, als eine einzige Druckerei vermuten konnten aber ein glückliches je ne sais quoi zog ihn unwiderstehlich hin. Es war – Aber so was verdient schon ein oder ein Paar eigene Kapitel, welche aber diejenigen die mehr Vernunft als Genie haben, ihrentwegen, diejenigen aber, die das Genie bald auf Alpen, bald in Mistlachen und Pferdeschwemmen zu führen pflegt, meinetwegen ungelesen lassen können. Ehe ich mich aber an diese Kapitel mache, will ich vorher ein Kapitel von den Gastwirten schreiben, in welchem ich hoffentlich, was ich bisher nicht finden konnte, Zeit und Platz zu dem Konterfei des Ludimagisters finden werde.
Fussnoten
1 Diess gilt von dem vormaligen Stocke auf der neuen Zeitung, der vor drei oder vier Jahren abgeschaffet ist. Die Löwen auf dem jetzigen sollten Seiner Gnaden schon gefallen haben, wenn Ihnen solche zu Gesicht gekommen wären.
Zehntes Kapitel.
Mein Kapitel von den Gastwirten, nebst einer
Zugabe von Bier, Milch und Eiern.
Mein guter Freund, Sir Samuel Crowe, wenn er hier an meiner Stelle sässe, würde gerade zu gesagt haben: der Schulmeister setzte alle Segel bei, und steuerte von der Stelle, wo er den Einfall hatte, Nord-NordOstwärts, legte sich aber nordlich von seiner Fart in der Bay eines Dorfes vor Anker, weil er, da in seinem raum weder Gut noch Ballast war, nicht länger See halten konnte. – Und ich gestehe, kürzer könnte kein Mensch die Sache erzählen. Da ich aber weder ein Schiffskapitain bin, wie Sir Crowe, noch, so viel ich vorher sehen kann, irgend einen Seemann zum Leser haben werde: so muss ich wohl ein paar Worte mehr von der Sache machen.
Vom Tage war nicht so viel mehr übrig, dass der Ludimagister den Ort erreichen konnte, und seine Beine, die ohne Widerrede stark und dick genug waren, wohl einen Konrektor tragen zu können, fiengen an ihm ihre Dieste zu versagen, ob sie gleich nur einen Dorfprofessor getragen hatten. Aus übler Laune hatte er auch unterlassen diesen Mittag mit seinem Magen Abrechnung zu halten; eine Sache die er sonst niemals zu unterlassen pflegte, am wenigsten seitdem ihm die fette Küche des Edelmanns offen stand. Nein, seines Leibes wartete er, und das gedieh ihm so wohl, dass er quoad Korpulentiam (ob der Römische Konsul dieses Wort jemals gebraucht habe, weiss ich nicht) eher einem Prälaten als einem Ludimagister ähnlich sah. Er fand also für gut, in dem nächsten dorf sein Standquartier zu nehmen, wo er recht gutes Bier, und noch bessere Milch fand, ein Mandel Eier in Butter schlagen liess, und seinem Leichnam so gütlich tat, als Ort und Umstände erlauben wollten.
Nach eingenommnen Mahl und gerauchter Digestionspfeife (denn er liebte den Toback so sehr als sein Junker) hieng er seine schöne grosse Perüke, dieselbige die ihm der Edelmann schenkte, als Türk vor ein paar Jahren die damalige Staatsperüke in ein Krähennest verwandelt hatte, auf den Spinnrocken der Wirtinn, band sein Schnupftuch um den Kopf, vertrauete sein neugekehrtes Feierkleid samt den Stiefeln und der Pfeife dem Wirte zu treuen Händen, streckte seine Gliedmassen auf eine für ihn bereitete Streu, und legte, auf alle Gefahr, sein spanisches Rohr neben sich – denn den Dornstock und die ledernen Knieriemen hatte er, als eines Hofmannes unwürdig, abgeschaffet. Die dienstfertige Wirtinn wickelte den fremden Herrn in einen abgedankten Schäferpelz, und er schlief ein. Mit Tages Anbruch erhob er sich, und kleidete sich während des Frühstücks an.
Da wir nun, indessen der Mann seinen festlichen Pomp anlegt, und seinen Cichorienkaffe einschlurft, nichts bessers zu tun haben, wollen wir dir, günstiger Leser, mit einem leichtingezeichneten Abriss seiner person aufwarten, da du mit einem grossen Teile seines Inneren schon so ziemlich, und mit seiner festlichen Garderobbe vollkommen bekannt sein musst. Beiläufig bitten wir dich mit dieser Skizze so lange fürlieb zu nehmen, bis wir einmal Anstalt machen, ihn