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ein gross Gastgebot gegeben haben: aber der Blix! was geht das mich an? – Wollt lieber, dass dar in stehen tät von meinem Türk, und was auf meinem Gute passiret, so wollt ich. Warum schreiben sie das nicht auch 'nein, wenn Ich spazieren reite, so gut als wenn der Kaiser spazieren tut? Der Kaiser ist Herr in seinem land, und ich bin Herr in meinem land, so bin ich. Und wer weiss, wer die reichsten bauern aufzuweisen hat? Lass mich man mal so'n Avisenmacher kriegen, ich will 'n schon Moritzen lehren!"

So klagte der Pommersche Edelmann manch liebes mal, bis endlich ein Gedanke bei ihm reif wurde, der vielleicht schon beim allerersten Zeitungsblatte in seinem kopf aufgekeimt war, und worüber er sich gegen den Schulmeister folgender Gestalt erklärte:

"Weiss der Blix nicht, Schulmeister, was er für 'n Gelehrter ist! Noch soll er all mein Lebstage den ersten guten Einfall haben. Hätt er nicht längst dran denken können, dass ich auch 'ne Avise hier machen liesse? – Hagel noch mal, das will ich. – Hör er mal, Schulmeister! Was ich sagen wollte, er soll mein Avisenmacher werden."

Das war wasser auf des Schulmeisters Mühle! Er war weit davon entfernt, der Weisheit des Edelmanns, die so kläglich auf die Nase fiel, wieder auf die Beine zu helfen; vielmehr liess er sichs angelegen sein, den guten Junker in dieser Lage zu erhalten. Gnädiger Herr, sagte er, mit meiner geringen Wenigkeit stehe ich zwar immer zu hohen Befehlen. Aber eine Avise muss billig gedruckt sein; daher müssten Eu'r Gnaden eine Druckerei haben, sonst hat das Ding keine Art.

"Weiss wohl. Will eine machen lassen. Frag er mal nach, Schulmeister, wer so 'n Dings machen kann."

Werde nicht ermangeln, Eu'r Gnaden.

"Will auch von mir reden lassen so gut als einer. Habe nun wohl Jahr und Tag lesen hören, dass die königin vonwas weiss ichs? zur Ader gelassen, und der König von England Pillen eingenommen hat, oder der Spanische Ambassadeur ein Lustaus mieten tat. Die Könige und Ambassadeurs mögen sich nun mal lesen lassen, was ich tun will. Mach er unterdessen man 'n Paar Avisen fertig, versteht er, dass sie flugs gedruckt werden können, wenn die Druckerei kommt."

Werde nicht mankiren, Eu'r Gnaden. Aber mit hoher Permission, wenn Dero einen Befehl ausgehen liessen, dass alle Dero Untertanen mir berichten müssten, was bei jedem Neues passiret?

"Wills dem Justitiarius schon sagen, dass er ihn ausgehen lassen soll."

Halten zu Gnaden! Dero haben gewiss schon resolviret, dass wir die Avisen irgendwo in der Nähe könnten drucken lassen, bis Eu'r Hochwohlgebohrnen Gnaden Schlossbuchdruckerei im stand sein wird?

"Ja, ja! kann so nah bei einerwegen drucken lassen." –

Der Ludimagister erhob sich zum Rademacher des Dorfs, und erkundigte sich, ob er wohl eine Buchdruckerei machen könne? Dieser Mann aber hatte von dem Dinge so wenig einen Begriff als der Schulmeister, und verwies ihn an den Zimmermann. Der Zimmermann behauptete, eine Druckerei zu machen müsse Schmiedearbeit sein. Der Ludimagister ging zum Hufschmid, und dieser gab ihm die Versicherung, die Buchdruckereien mache der Rotgiesser; denn er hätte einmal als Geselle auf der Wanderschaft, bei einem Rotgiesser eine grosse messingene Platte gesehen, und auf Befragen vernommen, das sollte das Fundament zu einer Druckerei werden. Da nun kein Rotgiesser auf dem Gute befindlich war, so kehrte der künftige Avisenmacher wieder aufs Schloss zurück, und stattete dem Junker Bericht ab. Seine Gnaden trugen ihm auf, in der Nachbarschaft einmal zuzuhören. "Wird ja einerwegen so 'n Dings zu kriegen sein, Schulmeister. Er muss ja doch wohl nachfragen, wo wir unterdessen die Avisen drucken lassen; kann denn mit eins mal zuhören. Geh er man hin; da hat er'n bischen Reisegeld. Na, sehe er zu, hört er, dass er was aufstaket."

Der vorgedachte Befehl wurde ausgefertigt und gehörigen Orts, das heisst: vor der Gerichtsstube und in der Schenke affigiret. Der Ludimagister trabte in den benachbarten Landstädten und Flecken herum, um eine Druckerei ad interim, und einen Rotgiesser, der eine machen könnte, aufzustöbern. Und der Edelmann? Der ging seinen gewöhnlichen Schlentrian, und freuete sich herzinniglich, wenn er sein Pfeifchen in Pace rauchte, dass er eine eigne Schlossbuchdruckerei und eigne Avisen, folglich vor allen seinen Nachbarn einen gewaltigen Sprung voraus haben würde.

Anfangs liess es sich mit des Ludimagisters Bemühungen nicht zum besten an. Fortuna ist ein Frauenzimmer, mitin launisch. Er wandelte etliche Tage fruchtlos in der ganzen umliegenden Gegend umher, zog aus dem Süden ins Norden, und von Niedergang gegen Aufgang, und war des Abends nicht klüger, als er am Morgen gewesen war. Denn, in diesem abgelegenen Winkel des Pommerlandes, hatten allerdings Kartoffeln und Rüden besseres Gedeihen, als Wissenschaften und diejenigen Künste, die den Wissenschaften unmittelbar zu Pflegemännern und Handlangern dienen. Hier war an keine Buchdruckerei, und eben so wenig an einen Mann, der eine machen konnte, zu denken. Das war so ein wahres ächtes Revier für Freund Rousseau von Geneve, und die andern hässlichen Menschenkinder, die durchaus nicht glauben wollen, dass eine Welt voll Jurisprudenz, Ontologie, Terapie