Habe da all manchen lieben Tag über repliciret, und bin nicht kumpabel mich zu risolviren."
Das war wirklich ein Donnerschlag für den Ludimagister. Er hatte sich auf dem schloss eingenistelt, und galt, wie selbst diese Vertraulichkeit bewies, alles bei dem Edelmanne, was ein Tier, das nicht sein Hund oder sein Pferd war, nur immer bei ihm gelten konnte! Er speisete fast täglich mit dem Justitiarius, dessen Frau, dem Sekretär, und den andern vornehmsten Bedienten seiner Gnaden! Er befand sich so wohl bei dem allen! Wenn nun der Edelmann einen von vorgedachten Einfällen befolgte. – Leser! ich habe von Deinem verstand und Scharfsinne einen sehr hohen Begriff; aber unmöglich kannst du die unangenehmen Folgen, die ein solcher Entschluss für den Schulmeister unumgänglich hervor dringen musste, geschwinder und deutlicher einsehen, als er sie gleich auf der Stelle einsah. Aber in der ersten Bestürzung war er nicht gleich im stand, einen guten Einfall zu haschen, um die Entfernung des Junkers zu hintertreiben. Halten zu Gnaden! sagte er, die Sache ist wichtig, gnädiger Herr! Aber, wenn Eu'r Gnaden mir ein vierzehn Tage oder so, Bedenkzeit ... "Schnickschnack! rief der Junker erzürnt; alle Blix, Schulmeister, so muss Er mir nicht kommen! Er wollte das in vierzehn Tagen ausdenken, hä? und ich habe da so manchen Tag über spikulirt?" Der Schulmeister war in grosser Verlegenheit. Er hatte befürchtet es nicht recht zu machen, dass er nicht auf der Stelle seinen Rat geben konnte; und siehe! er hatte es wirklich nicht recht gemacht, dass er ihn schon in vierzehn Tagen zu geben sich getraurte. Der Mann wusste noch nicht, wie schwer es sei, mit Köpfen, in denen es nicht helle ist, umzugehen. Dero kapiren mich nicht, gnädiger Herr! rief der Politikus. Ich meinte nur, ich wollte mir ein vierzehn Tage Zeit nehmen, zu untersuchen, ob ich all überall im stand bin, in einer so wichtigen Sache zu raten, wo Eu'r Hochwohlgebohrne Gnaden selbst so lange zweifelhaft geblieben sind. Dicere conantem debilitabit onus!
"Kikelkakel! Ist'n Gelehrter und kann nicht raten? Das ist man Schnack. Wofür ist Er denn 'n Gelehrter, hä? – Krischan! Wollen morgen mehr von sprechen, Schulmeister. – Krischan, den Hans!"
Der Junker zündete eine Pfeife an, schwang sich auf den schnellfüssigen Hans, gab ihm die Spornen, und galopirte davon. Der Schulmeister aber ging mit sich zu Rate, wie er den Junker im gewohnten Gleise erhalten wollte.
"Na, Schulmeister, rief der Junker ihm am folgenden Morgen entgegen, hat Er's beschlafen?"
Aufzuwarten Eu'r Gnaden!
"Hab's all manch' liebe Nacht beschlafen, ich, und kann doch nichts 'raus schlafen. Na? was meint Er?"
Hm! Ha! Hm! – Ich meine – ich – Aber mit untertänigster Permission zu fragen, wozu hätten Eu'r Gnaden wohl die meiste Lust?
"Alle Blix, Schulmeister, das ist es eben, dass ich zu beiden Lust habe."
Wenn Eu'r Gnaden nicht ungnädig vermerken wollten ...
"Nee, nee, Schulmeister! Will's ganz gut vermerken."
– so mögt ich wohl untertänigst so frei sein, Eu'r Gnaden zu fragen, ob Dero wohl Lust hätten, noch in die Schule zu gehen?
"Hagel noch mal, so muss er mir nicht kommen, oder –"
Halten zu Gnaden untertänigst – Bitte gar schön, Eu'r Gnaden! – Sagten Eu'r Gnaden nicht, Dero hätten wohl Lust, auf Universitäten zu gehen?
"Nu ja, auf Unversetäten."
Im grund, gnädiger Herr, sind das doch schulen. Freilich hohe schulen, wo die Schulmeister Professoren heissen, aber doch schulen ...
"'S ist nicht wahr! – Der Blix! 's ist doch wohl wahr. Also wenn Er 'n Professer hiesse, da wäre seine Schule 'ne Unversetät?"
Beinahe, gnädiger Herr!
"Und nu Er nicht Professor heisst, da ist es nur 'ne Schule? Hm! – Bin doch wohl zu alt noch in 'ne Schule zu gehen. Muss wohl wieder Dienste nehmen, hä"
Gott behüte Eu'r Gnaden davor! Dero würden sich doch wohl von einem Rittmeister oder Oberst-Wachmeister nicht – halten zu Gnaden! – übers Maul wollen fahren lassen? Und – ich meine nur so! – wenn Eu'r Hochwohlgebohrne Gnaden nun etwa als Lieutenant ...
"Pack ein! Pack ein! Höre schon, wo er hinaus will, Schulmeister! – Aber der Blix! zu einem muss ich doch greifen, so muss ich. Hä?"
Halten zu Gnaden! unser einer sieht nun freilich so weit nicht. Aber, unvorgreiflicher massen, da Eu'r Gnaden nun schon so manches Jahr Land und Leute regieret haben ...
"Hab ich das? – Sieh mal! gewiss und wahrhaftig, das hab ich auch!"
– so dächt ich, meines unmassgeblichen Dafürhaltens, Eu'r Gnaden blieben dabei.
"Hagel noch mal, dass ich da nicht eher angedacht habe! Hätt' nicht nötig gehabt, mir so lange den Kopf zu strapenziren, als ich getan habe. Will man dabei