Bogen, wo alles drinn steht, was in der ganzen Welt passiret.
"Alle Blix, Schulmeister! das muss schnurrig sein! Steht denn auch drinn von dem Hasen, den Türk letztens greifen tät?"
Allerdings Eu'r Gnaden! – Zwar – Wiewohl – Was das anlangt – So eigentlich will ich das nun wohl eben – – Indessen aber – Es könnte doch drinn stehen.
"Hätt mir das längstens sagen können. Steht denn auch drinn, wenn 'n Ritter 'n Haselwurm schmohren tut?"
Allerdings, Eu'r Hochwohlgebohrne Gnaden. So was Remarkabels steht immer drinn.
"Wills kommen lassen, Schulmeister. Wo kriegt man die Dinger? Hä?"
Werden vieler Orten gedruckt, Eu'r Gnaden! Habe mir aber sagen lassen, mit hoher Permission, dass sie in Hamburg die besten drucken. Hab auch wohl eher welche gesehen, die in Berlin gemacht waren.
Wills kommen lassen. – Krischan! – Ruft mir mal den Verwalter. – Bin doch kurjos; will doch mal hören, obs von Türk drinn steht. – Verwalter, was ich sagen wollt, schick er mal gleich stantepeh 'n Kerl zu Pferde weg nach Hamburg und Berlin, und lass Er mir mal alle Avisen kommen, die da gemacht werden. Lass Er'n brav zu reiten, dass er auf 'n Mittag wieder hier ist, versteht Er.
Halten zu Gnaden, versetzte der Ludimagister, Hamburg liegt wohl, wer weiss wie viel Tagereisen von hier, wo die Elbe ins Mittelländische Meer fällt ....
"Weiss wohl, sagte der Edelmann; dachte man nicht gleich daran."
– aber wenn Eu'r Hochwohlgebohrnen Gnaden aufs nächste Postamt schicken wollten .....
"Das will ich. Verwalter! schick Er stantepeh auf's nächste Postamt."
– so könnte sie der Postbote immer mitbringen.
"Kann angehen, Schulmeister."
Achtes Kapitel.
Bis die Avisen ankommen. Ein langes Kapitel!
Es gibt – Ich weiss nicht ob Aristoteles oder Kovarruvias das gesagt hat. Vielleicht aber hätt ichs auch im Abulfeda lesen können, wenn ich das Arabische Seiner Majestät verstände. – Es gibt manches Ding in der Welt, das man nicht begreifen kann; und es soll auch manches Ding geben, das man nicht begreifen muss.
Das Letztere lassen wir dahin gestellet sein; das Erstere aber, wer mir das abstreiten wollte, den wollt ich eben so trocken abführen, als Diogenes tat, da ihm ein witziger Kopf abdisputiren wollte, dass es Bewegung in der Welt gebe. – Und, man sage dagegen was man will, die Metode des Diogenes ist eine sehr gute Metode, weil sie ungemein simpel ist, und schnurgerade zum Ziele führet. – Er setzte erst den rechten Fuss vorwärts, dann den linken, dann wieder den rechten, und immer so fort, einen um den andern; und so kam er denn ganz natürlich an das andere Ende des Zimmers. Dahin konnte er nicht gekommen sein, wenn er sich nicht über den Fussboden hin beweget hätte, oder – der Fussboden hätte sich unter ihm her bewegen müssen. Nichts auf der Welt kann simpler sein.
Sollte nun – und wer weiss was sich zutragen kann? Alter Tage Abend ist noch nicht gekommen. – Sollte nun irgend ein witziger Raritätenkasten sich gelüsten lassen zu behaupten, er könne alles begreifen: so rat ich ihm wohlmeinend, es so leise zu sagen, dass ichs nicht höre; sonst würde ich mir die Freiheit nehmen, ihn a la Diogenes ad Absurdum zu bringen. Ich würde ihn ein kleines Problemchen vorlegen, so ganz aus dem gemeinen Leben, und damit sollts Lied zum Ende sein.
Ich habe die Ehre gehabt Seine Hochwohlgebohrne Gnaden, den Edelmanne im Pommerlande, sehr lange und so genau zu kennen, als unser einer nur immer einen Edelmann kennen lernen kann: aber ich kann mit Wahrheit nicht anders sagen, als dass er nie von vielen Worten, und überall kein sonderlicher Liebhaber des geselligen Umgangs war. So gar seine nächsten Grenznachbarn, welche zwar freilich mehrenteils Hofleute oder in Kriegsdiensten waren, und sich daher nie lange auf ihren Gütern aufhielten, sprach er fast niemals, wenn sie ihm nicht etwa auf seinen gewöhnlichen Spazierritten begegneten, und dann war es guten Tag und guten Weg. Mit seinen Bedienten liess er sich nie ein. Seine gnädige Mama hatte ihm von Kindesbeinen an viel zu scharf eingepräget, er sei ein Kavalier, und der müsse sich mit keinem Bürgerlichen gemein machen, (Gemein machen hiess bei der seligen Frau: freundlich ansehen, und höflich reden.) am wenigsten mit denen, die sein Brodt ässen. Daher verging mancher schöne monat, dass selbst sein Christian, ehe er Oberkammerherr wurde, ausser den notwendigsten Befehlen keine Sylbe aus seines Herrn mund hörte. Bloss gegen seine Pferde und Hunde war er gesprächig, übrigens das ungeselligste Tier. Dass mogt er aber für sein Leben gern haben, dass Christian, oder wer es sonst von seinen Leuten war, (den Justitiarius ausgenommen, den er nicht leiden konnte, weil er überall den Juristen feind war) mit ihm sprach, ihm diese und jene Haus- oder Dorfneuigkeit erzählte, und ihm so die langen Abendstunden vertrieb. Dazu rauchte er dann im tiefsten Stillschweigen seine Pfeife, und hörte andächtig zu. Er litt aber niemals, dass einer seinen Kameraden anschwärzte oder verfuchsschwänzte, und man weiss noch heutiges Tages auf Lindenberg davon