auflas. Dero werden verzeihen! Es ist wahrhaftig nicht mit Willen geschehen! Procumbit humi bos. Ich war nur ein bischen gefallen ...
"Das kommt von den Speranzien, fiel ihm der Edelmann ins Wort und wischte sich die Augen. Da liegt nu die liebe Gottesgabe! – Krischan! schenkt dem Schulmeister mal 'n ander Glas ein."
Während der Kammerdiener dem Befehle des gnädigen Herrn nachkam, bearbeitete sich der Ludimagister, dem Hunde die Perüke wieder abzujagen. Die Bestie wies ihm die Zähne zur herzlichen Kurzweil des Pommerschen Edelmanns, der doch endlich geruhete, der Verlegenheit des Mannes ein Ende zu machen – "Apport, Türk! – Sieht Er, Schulmeister, da gibt er's von selbst her. – Oh brav Türkschen! – Ist 'n Gelehrter, und weiss nicht mal 'n Hund 'ne Pruck' abzunehmen! Mama seliger hatte wohl Recht, dass 'n Kavalier immer mehr weiss, als 'n Gelehrter."
Dero halten zu Gnaden! er wollte mich aber beissen.
"Ah, Kikel kakel! Er weiss man nicht mit umzugehen, Schulmeister. Da! setz Er's Eulennest man vor erst wieder auf. Mein Pruckenmacher soll ihm 'ne neue Atzel machen."
Der Schulmeister bedeckte sein weises Haupt so gut sichs tun liess mit den Fragmenten, und trank nun mit etwas weniger Cäremonie. Unterdessen war der Edelmann angekleidet, und der Kammerdiener vollendete die Toilette damit, dass er seinem Herrn den Säbel reichte.
"Könnt nu man 'naus gehen, Krischan!"
Christian und die andern Bedienten gingen.
"Türk! Alloh! Farm le Part!"
Was weiter vorfiel, wird der Leser im folgenden Kapitel sehen können.
Siebentes Kapitel.
Captatio beneuolentiae. Vorlesungen. Das zweite
Kapitel vom Taufnamen. Die Avisen.
Der Ludimagister war ein Politikus. Er hatte das im Augenblicke weg, dass Türk das andre Ich des gnädigen Herrn sei. Da er auch nunmehr schon über eine halbe Stunde mit Seiner Gnaden in Freude und Leid konversiret hatte, so waren ihm hände und Füsse schon etwas weniger im Wege, ums Herz wurde es ihm merklich leichter, heller im kopf, und das Band seiner Zunge ward los. Er bewunderte in einer wohlgesetzten Rede die Talente des Hundes, erstaunte über die Geschicklichkeit desselben, strich seine Grösse, Schönheit und Folgsamkeit heraus, beteuerte, es fehle ihm nichts als die Sprache ....
"Schnack! fiel ihm der Edelmann ins Wort; kann wohl sprechen nach seiner Art. Alloh Türk! pahrel hoch!"
Der Hund brach in ein Mittelding von Heulen und Bellen aus.
Der Schulmeister schlug mit so künstlicher Verwunderung, als hätte er in seinem Leben keinen Hund heulen gehört, die hände zusammen, verdoppelte seine Lobsprüche, und schloss mit der Versicherung, er hätte nun und nimmer geglaubt, dass ein unvernünftiges Vieh so was lernen könnte. – Dadurch brachte er sich denn einen treflichen Stein bei dem Edelmann ins Brett.
"Und was das schnakisch ist, Schulmeister, dass so 'n Hund Fransch versteht. – Aber nicht eins ins ander zu reden; – was ich sagen wollte, Schulmeister, so hab ich ihn herkommen lassen, dass er mir das Siegfriedenbuch da 'n bischen vorlesen soll. Geh Er da man sitzen, und wenn Er noch 'n Schnaps will, kann Er sich man einschenken."
Danke gar schöne. Mögte mir zu viel werden, Eu'r Gnaden. –
Hiermit nahmen also die Vorlesungen ihren Anfang, und es ging so scharf über den hörnernen Siegfried und über des Ludimagisters Lunge her, dass das Buch in zwei Vormittagen von einem Ende bis zum andern durchgelesen war, wobei der Vorleser nicht ermangelte, die dunkeln Stellen, deren für den Edelmann nicht wenige waren, durch eingestreuete Anmerkungen, Erinnerungen, Erläuterungen und Gleichnisse – noch dunkler zu machen. Die Seele des Junkers war das unbeschriebenste Blatt von der Welt. Stand ja etwas drauf, so warens ein Paar Dintenkleckse. Kein Wunder also, wenn die Rittergeschichte einen tiefen Eindruck auf ihn machte.
Es ist ausgemacht gewiss, dass die Grille des Pommerschen Edelmanns, sein Geschlecht müsse wohl ursprünglich vom tapfern und mannlichen Ritter Siegfried dem Hörnernen abstammen, diesen Vorlesungen ihren Ursprung zu danken habe. Der Name Seifried, der in der Lindenbergischen Familie seit undenklichen Generationen so erblich ist, als – sans Komparaison – der Name Heinrich bei den Grafen von Reuss, oder Ludwig bei den französischen Monarchen, bestärkte ihn in seiner Meinung. Und er, der all sein Tage nichts bewiesen hatte, bewies und behauptete nun dagegen männiglich, es müsse sich einmal irgend ein Pfarrer versprochen, oder ein Küster im Kirchenbuche verschrieben haben. Und diese Meinung war er immer bereit mit Säbel und Pistolen zu verdefendiren, wie er sagte. – Nun weisst Du, freundlicher Leser, warum unser Edelmann, wie wir in unserm ersten Kapitel vom Taufnamen anmerkten, es gar zu gern hörte, wenn man ihn Siegfried nannte, weil man nämlich seinen Ursprung dadurch anzuerkennen schien. Seine Haus- und Dorfgenossen mussten sich wohl in ihn schicken; und da es seinen Nachbarn und etwanigen Bekannten auch nichts verschlagen konnte, ob der Herr von Lindenberg, Siegfried oder Seifried hiess: so blieb er im ungekränkten Besitz des Namens, dem er so herzlich gut war. – Aber wir fahren in unsrer geschichte fort.
"Hagel noch mal, Schulmeister, wie ist Er an das Buch gekommen?"
Habs mal gekauft