hinauf zu der wohnung; da will ich Euch sagen, wer ich bin, woher ich komme und was ich tun kann und tun will. – Wie heisst Er mein Freund?"
"Wolling, meine Frau." ––
Nun, Frau Wolling, führe Sie Ihre Nanny hinauf, ich helfe die Trage nachbringen. –– Das wolte sie nicht. Da ich aber darauf bestand, als der ersten probe ihres Vertrauens, so nahm sie den Korb mit ihrem Säugling auf die Armen. – O, wie wahr ist dieses Misstrauen auf meine Geschicklichkeit im Tragen, in dem Herzen einer so treuen Mutter! – Ich nahm hingegen die Nanny: "Komm, setze du dich dahin; dein Vater und ich tragen dich spazieren."
Die Kleine sass auch ganz herzhaft da. Oben luden wir ab. Rührend war es mir, wie Carl und Lottchen jedes einen Laib Brodt pakten und ihn im Tragen an ihr Herz druckten, wie ich einen Freund beim Wiedersehen. – Nanny nahm ein Schüsselchen mit Butter, so die Frau Amtmännin ihr schickte. Ich trug einen grossen Topf Mehl und Wolling die Strohbüschel, die sie recht für mein erstes Nachtlager gebracht hatten. Die guten Leute sahen sich da wieder mit Verlegenheit an. Endlich sagte die Frau: "Es ist bald Essenszeit, was wollen Sie machen?" – Der Mann schlug Feuer und zündete auf dem kleinen Heerd Reisig an – "Ei Frau Wolling, sagte ich, ich esse mit Ihr – und zahle meine Kost." ––
"Ach, die ist schon bezahlt," – und sie wies mir das Geld ihrer Lotte; – "Wir haben nur Haberbrei." ––
"Das ist vortreflich! den esse ich gern." – Aber dann hatte ich was zu überwinden; denn sie goss Ziegenmilch in den Haberbrei, als was sehr köstliches; und ich konnte niemals den Geschmack der Ziegenmilch ertragen. sollte ich aber den guten Leuten, besonders den Kindern, Eckel vor dem zeigen, was in ihrem Elende Labsal und Wohltat für sie war? Nein, diesen Uebermut meines Geldes, welches mir die Wahl der speisen und Getränke gibt, diesen Uebermut erlaubte mir meine Seele nicht. Ich bezwang mich um dieser guten Herzen willen; ich ass mit, und sie gönnten und segneten mir jeden Bissen. – Endlich sagte der Mann, sie wolten Abends eine von ihren Hühnern für mich schlachten. Der Knabe und das Mädchen sahen sich an, fassten sich bei der Hand und gingen still, aber mit weinenden Augen fort. Ich erriet gleich, dass es die Trauer um das Huhn wäre, und sagte es den Eltern. "Das ist wahr, sprach die Frau, denn unsere Kinder lieben die Hühner und Ziegen, wie ihre Gespielen." ––
"Es soll ihnen auch nichts geschehen," erwienerte ich – und suchte die Kinder auf, welche ich bei zwei Hühnern fand, mit denen sie auf der Erde sassen und ganz traurig sie streichelten. Mein Anblick war den guten Geschöpfen unangenehm. Sie senkten Beide die Köpfe – und jagten eilig die Hühner weg. "liebes Lottchen! Carl! glaubt Ihr denn, dass ich leiden werde, dass man um meinetwillen Euren guten Hühnern das Leben nehme? O, meine Kinder, Ihr wisst nicht, wie Ihr und alles, was Euch gehört, mir so lieb ist! – Ihr sollt nichts verlieren, gar nichts!" –
Das Mädchen fasste meinen Rock – und weinte mit ihrem Köpfchen in die Ecke, die es hielt. Der Knabe lächelte mich an, und Beide liefen munter mit mir nach der Hütte, wo sie ihren Hühnern was besonders zu essen holten, um ihnen selbst das fest ihrer Erhaltung zu geben. Wolling und feine Frau sahen mich mit stillem Staunen an. ––
"Ihr wundert Euch, lieben Freunde, eine Frau, die reich aussieht, so vertraut bei Euch zu sehen. – Habt nur keinen Argwohn – und glaubt, dass es bei den wohlgesinnten Reichen wie bei den rechtschaffenen Armen geht. – Diese Leztern sehen sich auf alle, ihrem Herzen und Verstand angemessne Art nach Mitteln um, wie sie sich erhalten können; und der tugendhafte Reiche sucht Gegenstände einer wohlangewandten Freigebigkeit zu finden. – Ihr zwei redliche Seelen habt Euch von allen andern Armen abgesondert und lebt hier von der sauren Arbeit eurer hände mit euren Kindern. Warum soll es nicht einen Reichen geben, der Euer Herz zu lieben weiss, und der just auch ein abgesondertes Leben, wo er nach seinem Sinn handeln kann, allen grossen Städten und Gesellschaften vorzieht?"
"Ach, meine Frau! wie ist es möglich – dieses so gleich zu denken?" sagte Frau Wolling.
"Wie bedaure ich uns Reiche, wenn es den tugendhaften Armen so schwer fällt, was besonders Gutes von uns zu glauben!"
"O, von Ihnen glauben wir alles," sprach der Mann. "Sie sind, wie einige fromme Damen in Frankreich; die gehen auch selbst in die Strohhütten der Armen und teilen da Almosen aus."
"Ich hoffe hier mehr, als diese Freude zu geniessen, Herr Wolling. – Aber, ich habe Ihn oft unruhig umher blicken sehen. Nicht wahr, Er hat noch Arbeit?" – Er bejaete es mit seiner Mine. – "Ich will zusehen," sagte ich, "denn ich will bis Abend hier bleiben." ––
Der Mann ging fort und ich besah die arme Hütte