das ältere, so ein Knab ist, "es ist nicht der gute Herr." – –
"Aber," sprach ich gleich, "ich bin seine Base," – und gab Jedem ein Stück Geld; ging etwas vorwärts an dem Stück Mauer, bis an die Oeffnung welche die eingefallenen Stücke machen, und sah den Platz, der ehmals den Schlosshof vorstellte. Eine Seite ist ganz offen, die andre mit Schutt bedeckt, die dritte und vierte haben hohe, dicke Mauern, in deren Schlusswinkel ein Strohdach festgemacht ist, das eine halbe Hütte decket. Ich fragte die Kinder, wo sie her wären? – "Von hier" – sagte der Knabe und wies auf die Hütte. – Ich sah mich ausser dem Hof um – da ist kaum ein Paar Elen breit ebner Boden. Aber auf den zwei Seiten ist er mit Korn besäet; und da wo ich von unten Bäume gesehen, sind Waldstämme. Aber auch zugleich ist mit unsäglicher Mühe Schutt abgeworfen; – Der Platz, der ehedem eine Halle des Schlosses gewesen sein mag, eben gemacht, an dem Ende gegen den Abhang des Bergs eine Reihe Steine als Brustmauer gelegt, Erde auf das Uebrige getragen, und Obstbäume und Gemüse darauf gepflanzet, die alle reich und gut stehen. –
Der Ort, wozu dieser Burgplatz gehört, ist eine starke Viertelstunde davon, und sonst nirgend kein Nachbar umbet. – Die Bildung der Kinder ist sanft und schön, aber von der Sonne verbrannt, voll Spuren, dass sie gutartigen Eltern gehören. Grobe, aber reinlich leinene Wämschen und Hemden sind ihre Kleidung. – ohne Strümpfe und Schuhe; nur die Füsse mit alten Lappen umwickelt. – Ich fragte, wer ihr Vater wäre und wo er sei?
"Er ist." sagte der Knabe, der dabei immer fort strickte, "ein armer Gärtner, und meine Mutter hat ihm heute geholfen, Gemüs und Blumen hinunter tragen zum Verkauf. dafür bringt sie Brod und Mehl zurück" ––
Das Kind redte einfach aber gut. Mein Staunen und meine Bewegung nahm zu. –
"Wie viel Kinder seid ihr denn?" ––
"Viere. Eins schläft noch in der Hütte, und das Kleinste hat die Mutter auf der Trage mitgenommen, denn es trinkt noch ihre Milch." ––
"Wem gehört dieses Korn hier?"
"Uns. Mein Vater hat umgegraben und ich hab geholfen. –– Hier," – (da nahm er mich bei der Hand und wies mir mit der seinen ein mit kleinen Steinen rings um gezeichnetes Stück mit Korn) – "hier hab ich das Korn zu meinem Brodt selbst gesäet. – Es steht recht hübsch, nicht wahr! Gott wird mir es auch behüten."
Er lächelte sein kleines Feldchen so zärtlich an, sah mit so unschuldvollem blick gegen Himmel als er Gott nannte, dass mein Herz schmolz, und Tränen träufelten über seine Hand und sein Korn. – "Ja mein Lieber, gewiss wird Gott deinen Fleiss segnen und du wirst eine gute Eindte haben."
"O! sagt er, ich tu auch alles selbst schneiden und auslesen; da soll mir kein Körnchen verlohren gehen." –– Hiebei machte er mit Eifer eine sorgfältige Miene und mit den Fingern die Bewegung des Auskörnens mit der unnachahmlichen Wahrheit, die aus dem Gefühl des Bedürfnisses und der Versicherung der Nahrung entstund. O, wie rein sind die ersten Züge der Menschheit in diesen einsam erzogenen Kindern! – Aber nun fing das Mädchen auch an zu sprechen. ––
"Ich hab auch gesäet – mit der Mutter. – Dort, wies sie mit dem Finger, wächst unser Flachs." –– In der Tat, abwärts umher, ist ein Streif von etwa drei Ellen in der Höhe, an zwei Seiten mit Flachs und Haber besäet. ––
"Von dem Haber und Leinsamen bekommen im Winter die Vögel," – sprach der Knabe, – aber wir fangen auch weiche, und "die Mutter kochts im Gemüs. – Keine Jungen aber nehmen wir nicht." ––
"Ja, fiel das Mädchen ein, weil die armen Tiere ihre kleinen Vögelchen lieben, wie die Mutter uns liebt: so wär es grausam, sie weg zu nehmen und die Alten in Kummer zu setzen." –
Der Knabe sprach lebhaft: "Aber wenn sie gross und frei herum fliegen, kann der Mensch die Gewalt brauchen, die ihm Gott über die Tiere gab. Das sagt der Vater; und da stellen wir Schlingen auf." ––
Sie sehen an dem Ton, wie freudig der Knabe von diesem kleinen Anteil der Obergewalt redte. – Menschen Herz! wie ähnlich bist du dir im Grossen und Geringen! ––
"Meine Kinder, habt ihr eure Eltern nicht recht lieb?" ––
"O ja, von Herzen: – sie sind so gut, – so gut! – Das," sagte der Junge, und zeigte im Fortgehen auf die grosse offene Ecke des Hofs, die mit schönen Klee bewachsen ist, "das gehört unsern Ziegen! daran haben wir aber auch alle gesät. – Weil wir alle von der Ziegenmilch essen, müssen wir für sie sorgen helfen."
Das sind keine gemeine Menschen, dachte ich. –– O Vorsicht! du hast sie hier geschützt, und segnetest den Samen, den ihre hände der Erde, und ihre Lehren die sie ihren Kindern gaben. Wenn ihr Herz sich zu dem meinigen neigt; wenn