um eine idee herum wände, so wüsste endlich ein Widerwillen entstehen, und ich nach andern Gütern mich umsehen.
Die guten Kinder baten mich, Morgen wieder zu kommen. Ich sagte aber, nun müsste ich, wegen meiner Gesundheit weiter reisen; aber im Sommer wolle ich neue Bücher schicken – und sie dann wieder besuchen, wenn sie noch ferner meine Freunde sein würden. –
Ich empfahl sie innig ihrem Aufseher, und mein Abschied war mir empfindlicher, als Sie denken können.
sechs und sechzigster Brief
Madame Guden an ihre Freundinn
Gestern früh riss ich mich von dem Wohnsitz, von den Kindern und dem Bildniss des Herrn von Pindorf los, um an den, zwei Stunden von dort liegenden Ort zu kommen, den ich ihn hatte nennen hören, und welcher der Uebergang zu einer Anhöhe ist, die er liebt. – Mit was für Eile ging ich hinaus! und was wurden all diese Gegenstände für mich, als ich mir sagte:
Diese Bäume, diese entfernten Gebirge, den Hügel da, die Bauerhütten, diese Steine voll Moos an dem kleinen Bach, alles dies hat er mit seiner so tiefempfindenden Seele mit süssem, einsamen Nachdenken betrachtet! Sein schönes Auge sah hier um sich, ruhte auch auf der Wiese von dem starken Umherschauen aus. – O, wie lange habe ich keine Gegenstände gesehen, die Er sah! – Ich dachte mich näher bei ihm, vereinter mit ihm. – Meine Seele umfasste mit inniger, nie so gefühlter, reiner, hoher Liebe – die ganze Gegend.
Ich dankte ihr mit Tränen der wahren Zärtlichkeit für die erquickenden Augenblicke, die sie dem edlen, einsamen Spaziergänger gegeben hatte. – Sanfter Friede und unruhige Wünsche wechselten in mir ab, bis ich die Anhöhe erblickte die ich suchte. Ich war allein, denn ich wollte keinen Zeugen meiner Schritte, keinen Beobachter meiner Gemütsbewegung um mich haben.
Ach! wüsste man, wozu mich die allgewaltsame Leitung meiner Liebe führt, wie würde man mich tadeln, weil ich aus dem gewöhnlichen Pfade gehe! – Aber sagen Sie, sind die tausendfachen kleinen, oft niedrigen Wege und Ränke, in die sich andre abhängige oder arme Geschöpfe einlassen, um ihr Herz zu befriedigen, sind sie edler – und besser, als dies was ich tue, weil sie alle Tage ausgeübt werden? – O, meine Freundinn! Lieben Sie immer das wahre, ausserordentliche Weib, wie Sie mich einmal nannten, die Mut genug hatte, ihr Gold, und ihre Freiheit zu ungewöhnlichen Handlungen der Menschenliebe zu verwenden, und die niemanden zur Rechenschaft forderte über das – was er, und wie er es tat; aber sich hin legen auch nicht verbunden achtete, – das, was sie tun wollte nach angenommenen Modellen zu formen. Denken Sie immer an den Aufschluss, den ich Ihrem Staunen über mich gab:
Dass in mir verschiedene charakteristische Teile der moralischen Welt vereinigt wären, die bei vielen Personen nur einzeln angetroffen, oder durch die Umstände unterdrückt und in der Tätigkeit gehindert würden; und dass bei mir natürliche Anlage, Erziehung, Glücksumstände und Unabhängigkeit zusamen träfen. – Jede meiner Gesinnungen und Handlungen sind willkührlich und frei, wie mein gang auf den Berg, an dessen felsigten Seite die Ueberbleibsel eines alten zerfallnen Schlosses sind. –
Immer machte ein solcher Anblick eine sonderbare Würkung auf mich: – Vergänglichkeit menschlicher Gewalt, Wünsche, Freuden und Mühe; –– Entwürfe, ausgeführte arbeiten. – – alles was jetzt noch meine unsterbliche Seele so bewegt, anspannt und ihr Gefühl von Kraft gibt, neue Bilder und Sachen zu denken und zu schaffen, – alles dies war in dem Besitzer dieses Hauses, der den ersten Stein hier legte – und sich des Segens seines spätesten Enkels freute, dass er ihm die stattliche Burg gegen Feinde, in der herrlichen Gegend, erbaute. – jetzt lebt entweder der Enkel nicht mehr, der ihn segnen sollte, oder er blickt nur ungefehr im Vorbeifahren, wenn er nach seinem neumodischen Pavillon eilt, mit Verachtung auf die Ueberreste des Wohnsitzes seiner Ahnen. – Dennoch redlicher Stammvater, warest du glücklich! Du starbst mit der überzeugung, dass deine Entwürfe und Hofnungen fest, wie die Grundpfeiler deines Hauses wären. – Und ich? Ach, meine Plane von Glück und Vergnügen sehe ich vor mir zerrissen und zerstreut! – – – All dieses hatte mich auf einer Seite aufgehalten. – Ich ging nun herum, einen Fusspfad zu suchen, denn ich wollte zu den Ueberresten hinauf. Ich sah an einer noch stehenden Wand gegen Mittag grosse und kleine Bäume. Zwischen abgefallenen Mauerstücken rieselt eine Quelle reinen Bergwassers herab, dessen kleiner Weg mit frischen Kräutern bewachsen ist. – Nach einer kurzen Wendung zwischen Ulmen, nahm ich mein Fernglas – um nochmals recht hinauf zu sehen und, wo möglich, Spuren eines Steigs zu entdecken. Da erblickte ich zwei Ziegen, die nahe an den Ruinen weideten; und nicht weit davon, zwei Kinder von sechs bis sieben Jahren, auf einem Stein sitzen, von welchen das Eine strickte und das Andre spann – Dieser mir bisher unwirtbare verlassne Fels zeigte nun auf einmal, dass er Tiere nährte und der frühen Arbeitsamkeit dieser Kinder einen Sitz anbot. Meine Seele wurde mehr bewegt, als wenn ich eine Erscheinung des Genius der alten Schlossherren gehabt hätte. – Endlich erkletterte ich einen teil und kam auf einem guten Pfad auf die Fläche des Bergs. Die Kinder hatten mich kommen sehen und liefen mir zu. ––
"Nein," sagt