hatten sie niemals gesehen. – Noch mehr aber staunten sie, als mein Bedienter meldete, die Kasten wären da; und ich die Kinder bat, mich in ihre stube zu führen, – oder ob sie die kleine Sachen aus England, die ich für sie hätte, in diesem Zimmer sehen wollten? –
"O, hier – sagte der muntre Kleine; da siehts der Papa auch." ––
Ich merkte zugleich, dass es den Wärterinnen lieber wäre, und liess also die Kasten bringen. Jeder war mit dem Namen desjenigen gezeichnet, für den er gehörte; – und da sie mit Schiebdeckeln gemacht sind, konnte man sie leicht öffnen. ––
Jeder der Söhne hat einen artigen Schreibtisch nach seinem Alter von Mahagonyholz, mit einer schönen Uhr, die darin fest gemacht ist, um ihre Arbeitstunden zu zählen; – Schreibzeug, Reisszeug von Silber, Farbenmuscheln und Zubehörde in einer Schieblade; – in einem Seitenfach ein Waschbecken und Kanne, kleines Suppenkümchen, zwei Leichter, Teller, Becher, Tee- und Messerzeug auch von Silber, – und artige Porcelanschalen mit dem Namenszuge, nebst einem Bande von den Büchern die ich malen liess. –
Die kleine Henriette bat einen Nachttisch, der auf einer Seite aufgeschlagen ist; der Spiegel und alles nötige dazu, nebst einen Frühstückgerätbe wie ihre Brüder. Auf der andern Seite alles, was zu Frauenzimmerarbeiten und auch zum Zeichnen und Malen gehört, – nebst ihrem buch. Ich muss selbst sagen, dass es schön und reizend für die Kinder aussah. – Die englischen Schnallen, Knöpfe und Spazierstöcke freuen die Knaben eben so sehr, als das Mädchen der Hut und englische Kinderputz. Dann wies ich ihnen den Auszug der englischen Landkarte, auf welcher ich allein die Städte und Landhäuser bezeichnet habe, die ihr Vater durchreiste, und die Blätter der Merkwürdigkeiten, die ihm besonders gefallen hatten; das Haus, worinn er in Londen gewohnt und, nach meinem geheimen Tagbuche, diejenigen, wo er über diese oder jene Wissenschaft gesprochen und viel Lob erhalten hatte. Ich redte ihnen von dem Glück, einen solchen Vater zu haben, und wie lieb man sie einst in England haben würde, so bald man nur nach ihren Namen denken könnte, dass sie seine Söhne wären. –– Endlich ging ich weg, nachdem ich durch meinen Bedienten versichert war, dass der Hofmeister und die Wärterinnen ihre Geschenke in ihren Zimmern finden würden. Und nun glauben Sie, dass meine Seele in der äussersten Bewegung gewesen sei. – Aber, die Freude, die ich den Kindern gemacht; – das süsse Vergnügen, ihnen von ihrem Vater zu reden; – alles Gute, was ich nach der Physiognomie des Gemähldes von ihrer Mutter ihnen sagte, goss lindrendes Oel in mein zerrissenes Herz. – Doch möchte es wohl die Würkung haben, die bei den stürmischen Wellen der See bemerkt wird, wo es nur die Fluten besänftigt, die das Fahrzeug am nächsten umgeben; – und wenn dieses über die Oelichte Fläche weg ist, wird es mit doppelter Gewalt hin und her geschlagen. – – Mag es! – Ich habe doch eine neue Art schmerzhafter Freude genossen! – Nun bin ich müde, und will schlafen gehen. –
Dritter Tag in W**
Noch einmal war ich im haus des Herrn von Pindorf. Der Geistliche kam heute früh um für seine Zöglinge, für sich und die Wärterinnen zu danken. – Ich fragte ihn um die Gemütsart der Kinder und das was sie lernten. – Er gab mir ganz befriedigende Antworten auf alles, was ich von den Kindern, – besonders aber, weil ich sie liebte, was ich von seinem Charakter-wissen wollte. – Der Plan des Unterrichts ist gut; aber nur lauter verwendete Gedächtnisskraft. Für die Empfindung beinahe nichts – und dabei sehr streng anhaltend. – Ich bat ihn auch um Milderung, – und redte für die Rechte der natur und Kindheit. Ich ging mit ihm ins Haus und musste da ihm die Freude geben eine kleine Prüfung anzuhören. – Ich ass mit ihnen zu Mittag, und zeichnete dann jedes auf dem vordersten Blatt ihrer Bilderbücher ab. – Ich weiss mir vielen Dank für diesen Wintereinfall. Die Arbeiter hatten Verdienst, – übten ihr Talent – und bekamen neue Ideen. – Diese liebe Kinder sind so glücklich bei den Bildern. – Auf dem Blatt, wo ihr Vater vorgestellt ist, da er ihnen die pflügenden Bauern weisst und sie von dem Ackerbau unterrichtet, kannten sie ihn gleich und sagten, sie wären mit ihm auf dem feld gewesen. "Der Baum da, und die Häuser dort," wiesen sie mit ihren Fingern, "sind nicht da gewesen. – Aber hier war die Ecke von unserm Garten; und da ein Berg, wo man des Papa Haus in der Stadt sehen kann; und hier, sagte der Kleine, eine Hecke, wo ich mich verstekkte." ––
Es ergözte mich innig, zu sehen, wie sie meine Landschaft umarbeiteten und in ihrem Gedächtniss jeden Eindruck des genossnen Vergnügens oder Bewundern wieder fanden.
Aber ich muss mich losreissen. Mein Herz heftet mich zu sehr an die holdseligen Geschöpfe. – Morgen will ich in die Gegend des Schlosses Mahnheim. Dort ist der Lieblingsspaziergang Pindorfs, in den zeiten, wo er Einsamkeit nötig hat. ––
Ach dieses ist jetzt ein Bedürfniss meiner Seele geworden. – Einsam, ganz einsam möchte ich wo sein! vielleicht würde mir da ganz wohl, wenn ich mich einige Zeit allein immer