mich ans Hochachtung wünschte, und sorgte dafür, diese Gesinnung zu vermehren; nähme von Mannspersonen gar keine Besuche an; sagte niemals von keiner Seele nichts, als das Gute, das ich wüsste oder vermutete; zeigte edle Dienstfertigkeit, aber mehr bei traurigen, als lustigen Gelegenheiten; und niemals sollte man mich einer Sylbe Erzählungen von einer Familie an die andre beschuldigen können. Ich müsste die geschicktesten Finger, das beste Herz und das angenehmste Geschwätz eigen besitzen. – Dieses zusammen wäre eine Art von Schatzgeldern, die ich zu einem Ertrag von Ehre und Glück, meinem Schicksal anvertraute. Glauben Sie, o glauben Sie, dieser Vorsatz und Ausübung würde zu einem dauerhaften grund des Friedens der Seele und äusserlichen Wohlergehens anwachsen. Man mag immer von ausgearteten und verdorbenen Sitten reden: der durch Taten vortrefliche, und im Reden und Urteilen Andre verschonende Mensch, wird gewiss redlich geliebt und verehrt werden. Allgemeine Vorurteile und einzelne Eigenliebe, muss man nicht mit dem Stolze des mehrern Wissens und der bessern Einsicht, nicht mit dem Vorzuge, den wir uns geben, angreifen. Ach, wie viel grosses Gute sah ich entstehen; sah den ausgebreiteten Nutzen, den Segen von einem volk für den Urheber bereit: wenn zu dem edlen Entwurfe auch der erhabne Entschluss des weisen Menschenfreundes gekommen wäre, einer gewissen Art Blödsinns zu schonen, von schwachen Augen nicht zu fodern, dass sie gleich ohne Zagen, ohne Widerwillen das Licht einer Fackel ertragen sollten; – wenn man mit dem Unvermögen des Verstandes erwachsener Menschen, die man zu neuen, ungewohnten Sachen lenken will, eben so herablassend, so gütig sich bezeigte, wie im Physischen mit Kindern, zu denen man sich niederbückt, ihre kleine Hand liebreich zu fassen, und sie im anfangenden Gehen zu leiten. – –
Aber, Rosalia, wo kam ich da hin? – von Ihnen zwei guten Mädchen, die allein einen duldenden, nicht einen vielwürkenden Kreis durchgehen müssen. – Doch mag Ihnen der Gedanke, die Empfindlichkeit der Eigenliebe Ihrer Nebenmenschen auf alle Weise recht klug und behutsam zu behandeln, immer nützlich sein. –
Einmal, da ich noch keinen van Guden kannte, gelang es mir, durch feine Nahrung und Wendung eines Stolzes im Elende, zwei Töchter eines angesehenen Mannes, der sie nebst drei Brüdern, ohne das mindeste Vermögen zurück liess, zu einem edlen Entschluss zu bringen. – Sie waren schön, und voll schimmernder Talente; Musik, Tanz, Gesang, Blumenmahlen, Putzarbeiten und die französische Sprache. – Sie waren alle kostbare Kleider, köstliches Essen, Rang, Ehrenbezeigungen gewohnt; waren andern Verwandten nicht immer gut begegnet, so dass die, welche sie ehemals beneideten, nun mit höhnischem Mitleiden sie anblickten, und die Mädchen sich fürchteten, zu einer Base wohnen zu geben, die am vermögendsten, aber auch am stolzesten war. – Meiner Mutter Bruder, zu dem ich nach dem tod meiner Eltern gekommen war, wohnte in dem untern Stocke des schönen Hauses. Ich sah also diese Familie in ihrem Flor, aber doch nicht vertraut genug, um die eigentlichen Umstände in etwas voraus zu bemerken. Der Mann starb plötzlich, die Frau war schon lange tot, und die Kinder hatten mir nie sehr zärtlich geschienen; so dass ich das lange Wehklagen nach dem prächtigen Begräbniss und den Todtenämtern, (denn sie waren von der römischen Religion,) gar nicht fassen konnte. Es befand sich nun zwischen uns eine Art Gleichheit, da wir alle drei elternlos und beinah im nehmlichen Alter waren. Der älteste Sohn, der volljährig war, und meinen Oheim sehr schätzte und mich gern um seine Schwestern sah, sing an, ganz gerade von ihren traurigen, unvorhergesehenen Umständen zu reden, noch ehe solche andern ganz bekannt wurden. Das Bezeigen ihrer Verwandten erbitterte sie, und sie wussten nichts als zu weinen und zu murren. Sie wollten lieber in ein Kloster, als zu ihrer Base. – "Ach, Mademoiselle Hofen, was würden Sie tun?" – Der Gedanke von einem Kloster, den sie hatten, gab mir den von dem Orden der englischen fräulein, die keine ewige Gelübde tun, und sich mit der Erziehung beschäftigen. Ich sagte der ältern, dies würde ich wählen, weil ich meine Talente nicht nur fortüben, und also das gewohnte Vergnügen immer geniessen, sondern mir auch durch dieselben in dem Orden Verehrung und Ansehen erwerben würde; weil Eltern ihre Kinder um so lieber dahin gäben, wenn sie sie unter der Aufsicht einer selbst so wohl erzogenen person und von so vielem verstand wüssten. Ich würde lieber meine gefälligkeit und Geduld auf die jungen Kostgängerinnen verwenden, die unter meinem Willen stehen würden, als für übermütige Verwandte. Es wäre ein ehrenvoller Stand. Der Dank so vieler Familien; die achtung einer ganzen Stadt und Landes, neben der Freiheit, herauszutreten; der beibehaltene Umgang mit aller Gattung guter Menschen, vornehmen und geringen; ja selbst die schöne Kleidung, in der die Gestalt und Bildung eines jungen Frauenzimmers noch viel edler sich zeigte, als im schönsten französischen Putz etc. – sie würde nicht länger abhängig sein, als bis man sie kennen würde. –
Dieses Gemählde gefiel. Ich musste es auf allen Seiten darstellen. Die Aeltere entschloss sich zu dieser Wahl, und ist in der Tat ganz vortreflich geworden; und ihr Stolz machte sie alles tun, um Beifall und Dank zu erwerben. –
Die jüngere wollte das nicht; war aber verlegen, und hatte eben so viel Widerwillen gegen