von Ihrem Oheim zu Clebergen: wenn es nicht das völlige Hingeben der wahren Liebe sein sollte, die freilich nur viel geben zu können wünscht. – Aber, ich soll ja wissen, dass Sie ihn lieben, und mich nur an Ihren Platz stellen, besonders in dem Falle, da Sie, edles gutes Mädchen, Ihren Oheim dahin zu bringen suchen, sein Vermögen, das er Ihnen zur Hälfte geben wollte, in drei Teile zu legen, damit die Kinder seiner zweiten Schwester, und eine Familie ärmerer Verwandten gleiches Erbe mit. Ihnen bekommen mögen. – Ihre Berechnung, dass Sie durch Ihre Reise mit ihm, da er alle Ausgaben für Sie übernimmt, so viel an Ihrem väterlichen Vermögen ersparen, dass Ihnen das Opfer dieses Dritteils gänzlich ersetzt werde, diese Berechnung, meine Liebe, ist gewiss einer der schönsten Züge Ihres Lebens; weil nicht jugendliche Freigebigkeit, sondern Menschenliebe und Gerechtigkeit, Sie dazu führten. –
Cleberg hat es gut geheissen, gelobt, ob er schon sah, dass sein eigner künftiger Wohlstand dadurch vermindert wurde. Ich bin überzeugt, dass es ihm Ernst war; denn, in seinem Alter ist immer Grossmut bei der Liebe; und persönliche Sorgen fühlt er auch nicht. Aber ein Wink lag in Ihrer Erzählung; als ob Sie fürchteten, er möchte darüber einmal anders denken; und das würde Ihnen weh tun. – Nun, Rosalia! will ich an Ihren Platz treten, und sagen, was ich tun würde. Cleberg ist, mit all seinen Vortreflichkeiten, ein Mensch. Vielleicht zeigt sich das Unvollkommne, das er mit uns allen gemein hat, gerade auf dieser Seite. Die an meinen Verwandten bewiesene Edelmütigkeit möchte ich nicht zurück nehmen: aber den Abgang des Erbes will ich zu ersetzen suchen. Und da die Einrichtung des Hauses sammt der Obsorge darüber, nebst meinem Kleidervorrat, ganz allem von mir abhängt; so will ich in beiden alles Ueberflüssige und Kostbare vermeiden. Die Eigenschaft des Neuseins gibt ohnehin auch den mittelmässigsten Sachen einen Schimmer. Wenn ich, nebst der Dauerhaftigkeit, Farben und Formen von gutem Geschmack wähle, und mich der Kunst befleisse, alles an seinen rechten Ort, und in sein gehöriges Licht zu stellen: so kann mein Hauswesen und meine person das Ansehen von Wohlstand haben, das man bei uns suchen wird, ohne dass ich so vieles Geld darauf verwende. Mit den einfachen Farben meiner Kleidung soll alles Uebrige einstimmen. Ein neuer Ehemann, und die Besuche sind ohnehin nur bei den ersten Erscheinungen auf das Glänzende erpicht; und dieses sollen sie in meinem wohlgewählten Hausrat und Putze, noch mehr aber in meiner Heiterkeit, gefälligkeit, Anstand und Würde finden. Reinlichkeit in meinem ganzen haus, Nettigkeit und Sorgfalt im Anzug und Bezeigen meiner person, soll die Zufriedenheit meines Mannes unterhalten; und dieser Ton von Mässigkeit, ununterbrochen fortgesetzt, wird wir Ehre und Nutzen bringen. über all dieses aber will ich eine ordentliche Rechnung führen; und wenn mein Cleberg durch die Zeit an diesen Ton gewöhnt, und überwiesen sein wird, dass ihm und seiner Rosalia durch den Mangel der Pracht nicht das Geringste von der Hochachtung der Vernünftigen verlohren gegangen ist: so bleibe ich dabei meinen Vorzug in dem Ruhme der Rechtschaffenheit meines Manns und meiner Bescheidenheit zu suchen. Ich nähme auch wohl die, uns so oft vorgeworfene, weibliche Eitelkeit zu hülfe. Die gute Bildung meiner person; edle, angenehme Geberden, geschickte und nützliche arbeiten, Höflichkeit, Güte, Verstand und Munterkeit meiner gespräche: alles dies müsste in meinen Plan des Ersatzes meiner grossmütigen Abgabe des grösseren Erbstückes. In wenigen Jahren wäre es gewonnen, und noch dabei den schwachdenkenden Personen meines Geschlechts der Schmerz des neidischen Gefühls über Kostbarkeiten erspart, die sie sich nicht verschaffen konnten. Und, Rosalia, unter uns gesagt, der Zweck des Lobes und Gefallens, den wir alle haben, würde doch, und zwar bei den besten Männern erreicht, die diesen vereinigten Eigenschaften gewiss Beifall und Verehrung schenken werden. – Dann fände sich einmal eine Stunde, in der ich Clebergen die Rechnung über die verschenkten und ersparten Summen vorlegen könnte; wo gewiss ein edelmütiger Mann mit meinem geben und Halten vergnügt sein würde. –
Ich habe in meinen jüngern Jahren eine Frau gekannt, die auch sehr wohltätig, aber mit einem mann verbunden war, der etwas Härte in seinem Charakter hatte, seiner Frau aber bei ihrem Putz alle Freigebigkeit erzeigte. Sie nahm von ihrem, zur Kleidung und Anzuge bestimmten Gelde, schaffte sich neue Sachen, aber minder kostbar, so dass sie an ihrer Pracht so viel ersparte, dass sie eine Familie unterstützte, ohne die Ausgaben ihres Hauses zu vermehren. – Möchten wir nur im Privatstande, besonders in Familien, wo das Vermögen allein in der Besoldung des Mannes besteht, die idee des Unterschieds und Hervortuns vor andern Ständen, auf die Seite der übenden Tugend, angenehmer Kenntnisse, schöner Handarbeiten, und Liebenswürdigkeit des Umgangs legen: so würden weniger unglückliche Herzen und verkehrte Köpfe unter uns sein! Ich bin aber gewiss, dass das Elend und die Langeweile, die man am Ende des Weges von dem Modeton antrifft, unsere im Grund immer deutsche Seelen auf das Abweichen von dem edlen, reinen Pfade ihrer ursprünglichen Anlage aufmerksam machen, und unsere Töchter und Enkelinnen dahin zurück leiten wird. Vielleicht entsteht noch aus deutschem Fürstenblute ein Beherrscher über den grössten teil unsers mütterlichen Bodens, der von vaterländischem Geist beseelt, Sitten und Gebräuche untersuchen und durchsieben wird; wo alles Spreuartige und