Ruhm war mein Plan, um immer in der Hochachtung des Herrn von Pindorf die vorzüglichste Stelle zu erhalten. Alle dies war nun wieder zerstört, und ich sehr niedergeschlagen. Der Graf von W** blieb auch als Wittwer noch drei Wochen da; brachte alle mögliche Augenblicke bei mir zu, und redte da von seinen zwei Söhnen, seinem grossen Vermögen, dem Widerwillen, so er fühlte, nach seinem Wohnsitz zurück zu kehren, und bat mich, ihm einem Rat nach meinem Geschmack zu geben, und was ich an seiner Stelle tun würde. – Ich sagte ihm, zwei Plane würden mir Trost geben; einer, auf meinen Gütern die grösste Ordnung und die glücklichsten Untertanen zu machen; oder mich irgend in einer Hauptstadt niederzulassen und nach meiner Erfahrung und Einsicht die Erziehung meiner Söhne und Ihr Glück zu besorgen. – Er ersuchte mich, ihm diese beiden Entwürfe aufzuschreiben. Ich tat es, und da entstunden zwei Ideale von Glück und Tugend, wie sie in einer edeldenkenden Seele sich darstellen, sobald sie sich ein freies Feld zu ihren Handlungen öfnet. Der Graf dankte mir sehr dafür, zeigte sie den Herrn van Guden. Dieser sagte mir Abends, da der Graf ausgegangen war: 'Mademoiselle! Sie haben dem Grafen zwei vortrefliche Aussichten für seine künftigen Tage vorgelegt. Er wird Ihnen Morgen darauf antworten. Werden Sie mir danken, wenn ich Ihnen heute noch sage, dass er Sie einladen wird, die Ausführung des zweiten Plans mit ihm zu teilen?'
Ich sah den van Guden mit erstaunten Augen an, und fragte ihn, wie er das verstünde?
'Ganz einfach,' sagte er. 'Der Graf liebt Sie, und wird Ihnen vorschlagen, mit ihm in der Stille vermählt zu werden. Hernach geht er auf seine Güter, holt seine beiden Söhne ab, und sie gehen alle mit einander nach Frankreich, wo Sie ihm seine Kinder erziehen helfen, und durch Ihren Geist und Talente immer die ausgesuchteste Gesellschaft zuziehen werden.'
Ich konnte gar nicht sprechen, sondern starrte ordentlich den guten Mann von Kopf zu Füssen an. Er hielt es für das Staunen der Freude, und setzte hinzu: Der Graf hat Recht. Alle feindenkende und edle Leute werden Sie lieben und ehren. Ich sah diese Gesinnungen in ihm, da noch seine gemahlin lebte.
'Ich danke Ihnen, werter Herr van Guden, dass Sie mir einige Nachricht von dieser sonderbaren idee des Grafen gegeben haben. Denn nun kann ich ihm mit so viel mehr Ruhe und Ernst meine völlig abschlägige Antwort geben.'
'Abschlägige Antwort!' wiederholte er. 'Denken Sie diesen Abend noch darüber nach, eh Sie diese Vorteile verwerfen.' – Und da ging er von mir.
In der Tat schickte mir der Graf den andern Morgen früh ein versiegeltes Paket, mit der Aufschrift: à Mademoiselle de Hofen, worinn Alles, was er zu meinem Vorteil und seinem Glück dachte, dargestellt war. Die Aufschrift, de Hofen, diente schon zu einer kleinen Leitersprosse, die mich meiner künftigen Höhe nähern sollte. Er hatte sich zugleich ausgebeten, mit mir zu frühstücken. Ich kleidete mich, so eilig ich konnte, völlig an, weil ich in einem Morgenkleide zu vertraut ausgesehen hätte. Meine ehrerbietigen Verbeugungen machten ihn gleich stutzen, aber doch nur Zweifel, und kein entschlossenes Nein erwarten. Er bat lange, jammerte, zürnte, und sagte mir endlich: 'Er müsse es sich gefallen lassen, dass der Stolz auf meine Talente ihm diese unerwartete Bewegung zuzöge; und er müsse mir nun die, von meiner Vaterstadt eingelaufenen Briefe, über den Zustand meines Vermögens, in dieser unangenehmen gelegenheit übergeben, die erst mir nach der Trauung, mit dem bestimmten Brautschatz, und dem mir ausgemachten schönen Wittwengehalt, hätte einhändigen wollen; es wäre ihm ungeachtet meiner üblen Bewegung unerträglich, die person, die ihm seit zwei Jahren so wert geworden sei, im Mangel zu sehen; er bäte mich nochmals, seine Anträge zu überlegen, und ihm darüber zu schreiben.'
Ich will," fuhr sie fort, "meine Betrachtungen und damaligen Gedanken nicht wiederholen. – Er reiste den nemlichen Abend noch weg, ohne mich zu sehen, und liess mir die Kleider und dass Weisszeug seiner gemahlin, zur Belohnung für die Krankenpflege; und, in der Bosheit, auch meine Zeichnungen und das Tagebuch der Reisen, indem er nur von letzteren bei dem Herrn van Guden eine Copie begehrte, aber nicht von meiner Hand.
Sehen Sie nicht, Rosalia, aus diesem zug seines Charakters, wie glücklich mein Herz mich schützte; denn dies allein war Ursache, dass ich den Plan des Grafen verwarf. Er war schön, geistvoll, und von einem erhabenen stand. Von P** hätte glauben müssen, dass Liebe und Eitelkeit mich zu diesem Bündniss geführt hätten. Ich aber wollte Niemand lieben, als ihn, und seine Hochachtung behalten. Ich hatte also das Vergnügen, ihm ein Opfer gemacht zu haben, und genoss es desto reiner und stärker, da Niemand es wusste, denn ich.
Den zweiten Tag nach der Abreise des Grafen war ich in einer neuen Verlegenheit. Wo sollte ich hin? Mein ganzes Vermögen bestund in vier hundert Gulden, nach dem Verlust, den mir mein Verwandter zugezogen. Die Kleider der Dame und meine betrugen wenig; denn wir hatten beide auf den grossen Reisen nur einen Koffer. Das Beste, so ich von ihr hatte, war eine von Golddraht als Körbchen