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, dessen Glück und Wohlsein aus Ihrem Herzen fliessen wird. – Ist dieses nicht eine angenehme glänzende Aussicht für eine junge Schöne? Der Grund des freudigen Tons meiner Seele ist die häusliche Zufriedenheit meines Gatten; das sorgenfreie Lächeln meiner Kinder; der frohe Diensteifer meiner Bedienten, und die vergnügte Miene unserer Freunde; weil ich zum teil sagen kann, dass es mein Werk ist! – Glauben Sie, meine Liebe, die Vorsicht hat uns Frauenzimmern ein schönes Gebiet anvertrauet; es kommt nur darauf an, wie wir es anbauen! – Wenn wir Tugenden und Klugheit ausstreuen: so wächst uns gewiss Liebe, Hochachtung und Wohlstand auf. Eigensinnig müssen wir nicht sein, und Rosen ohne Dornen fodern, oder, dass der Stein, an den wir uns stossen, weich sein solle! Merken Sie sich, mein Schatz, die Züge Ihres Geistes und Charakters, die Herr B**. bis jetzt an Ihnen belobte, und suchen Sie diese Eigenschaften vollkommen zu machen, weil dieses die Fesseln sind, die er freiwillig um sein Herz band, und die ju ihm den Wunsch einer immerwährenden Vereinigung nach sich zogen. Sein Sie auch sorgfältig auf die Erhaltung Ihrer Schönheit bedacht: denn die natur hat den Reizen, die sie uns mitgeteilt, eine auf die Herzen der Männer ewig würkende Kraft gegeben. Feine Auswahl im Putze und der äusserste Grad von Reinlichkeit, sind die materiellen Stützen der häuslichen Liebe. Eine unveränderliche Gleichheit des Gemüts; Ausdruck der Hochachtung für die Verdienste des Gatten; liebreiches, nicht stockendes Schweigen, bei Unannehmlichkeiten; der heitre Ton der Zufriedenheit, bei seinem Anblick; die überzeugung, dass man ihm mit Vergnügen das Glück seines Lebens danke; dass man jede Pflicht der gattin, der Mutter, liebe; der Anbau des Verstandes, um die nötigen Reize der Abänderung in den Unterredungen einstreuen zu können: – dieses, meine artige junge Freundinn, sind die tugendhaften Kunstgriffe, deren ich mich bediente, einen geistvollen, die schöne Welt kennenden Mann, zwanzig Jahre lang zärtlich, und mit seiner Verbindung vergnügt zu erhalten. Ohne Mühe erlangen wir nichts. – Der Bauer und Gärtner muss säen und pflanzen, um von der Erde Brod und Früchte zu ziehen. – arbeiten des Geistes und der hände, sind die Kette, an welche das Wohlsein und Unterhalt gehängt ist. Ihr Gatte wird für Ihr Glück, Sie müssen für seine Ruhe und sein Vergnügen sorgen; und nachdem Sie den Segen der Eltern, wegen getreuer Erfüllung der Pflichten einer guten Tochter, erhalten haben, so muss es Ihr Herz freuen, wenn Sie auch in Zukunft den Segen und das Lob des Gatten, als liebenswerte Frau erwerben können. –

Eine zärtliche Umarmung endigte diesen kurzen reizenden Unterricht, der für uns alle gut war; denn die zwo Baasen der Mad. G**. waren auch mit da. Das junge Bräutchen schien halb zu lächeln, halb zu weinen. Wir drei älteren aber hatten, glaube ich, das Aussehen, zu wünschen, diese schöne Vorschrift bald ausführen zu können, indem sie uns unfehlbar scheint.

Achter Brief

Diesesmal, meine Freundinn, schreibe ich in vollem Zorn an Sie, über Schwätzer, die mich hinderten, zwei Stunden eher mit Ihnen zu reden! – Artige Sachen hatte ich gesammlet, und meine besten Ideen dazu gedacht. Mit der Feder in der Hand sass ich da, meinen Brief anzufangen! aber, da ich weg musste, um die Leute zu unterhalten, die auf meinen Oheim warteten, so wurde alles zerstört; die feinsten Gedanken sind verschwunden! Ich bin, wie eine person, die schöne Blumen gepflückt hatte, und just begriffen war, ihrer Freundinn ein Bouquet davon zu binden: jähling kommt ein böser Geist, und wirft einen Haufen Sand, Spreu und Geniste auf ihr Blumenkörbchen. Nach dem ersten Unmut sucht sie das Zeug wegzuräumen; aber die meisten Blumen sind zerknickt, haben teils ihre schöne Form, teils Blätter und alle den frischen Glanz verlohren! Ist man da nicht böse, meine Mariane? Nun ist es noch dazu Zeit, zu Tische zu gehen, und da höre ich gewiss nichts, das mir meine verflogene Gedanken zurück rufte.

Nachmittags 4 Uhr.

Da! gewiss ist selten ein Missvergnügen allein! Ich des Gemüts, in welche uns das Erste versetzte. – Ich komme mit meinem halb mürrischen Gesicht ins Speisezimmer, und fand wider mein Vermuten einen Fremden, der der feinste Beobachter moralischer Charaktere sein soll. Auf diesem muss der trockne widrige Ausdruck, der auf meiner Stirne sass, eine schöne wirkung gemacht haben! – Denn die heitre Miene, die ich bei dem Anblick meines Oheims bekam, konnte ihn nicht anders denken lassen, als dass ich diesem zu Lieb die wahre Beschaffenheit meines Gemüts verberge, und es vielleicht aus eigennützigen Absichten, und nicht aus der feinen zärtlichen sorge für sein Vergnügen tue. – Denn was für Ursachen kann ein gesundes hübsches Mädchen von zwanzig Jahren angeben, die ihr verdrüssliches Aussehen, beim Eintritt in das gesellschaftliche Zimmer, entschuldigten? zumal, wenn ihre Glücksumstände durch die Liebe eines Verwandten, wie mein Oheim, so vorteilhaft sind, muss man sie sorgenfrei achten, und ihre üble Laune einer verkehrten Gemütsart, oder Ungeduld der Liebe zuschreiben; und beides ist höchst nachteilig! O, möchte ich, meine Mariane, für mein ganzes Leben, so schnell und so stark jeden Fehler meiner moralischen und geselligen Pflichten fühlen, wie jetzt meine geängstigte Eigenliebe dieses, dem Ruhme meines artigen Humors so schädliche