als von ihrer person. Er sagte zu Madame G**, "Wie glücklich bin ich! Julie meine Geliebte, und Rosalia meine Freundinn!" – Ich sagte mit noch mehr Gefühl: Mariane ist Freundinn Ihrer
R o s a l i a L**
Ein und vierzigster Brief
Julie U** an Rosalia L**.
Ich habe mich durch das Versprechen der geschichte meiner teuren Lehrmeisterinn, wie' Sie sie nennen, zu etwas verbunden, das ich nicht werde ausführen können. Meine Feder ist ungeübt, und aller Reichtum meiner Empfindungen hilft mir nicht zu den Ausdrücken, die ich nötig habe, um Ihnen mit Würde von der vortreflichen Dame zu reden, der ich den besten teil meiner Glückseligkeit schuldig bin.
Ehe mein Vater einen Garten hatte, jammerte ich oft um das Glück, während dem Sommer auf einen zu wohnen, und mein Vater liess mich darüber zu meiner Base nach Wiesental, deren Töchter ich mit einem so fein gebildeten Geist antraf, dass ich höchst unzufrieden über den versäumten Anbau meines Kopfs wurde, in dem freilich manche Sachen lagen, die von gutem Stoffe, aber nicht von der schönsten Form waren. Meine junge Basen sagten mir, ihr Vater, noch mehr aber das fräulein von Schleebach, hätten sie alle die Sachen gelehrt, die mir so wohl gefielen; und dann erzählten sie mir, dass Wiesental das allerentlegentste von den Gütern des Herrn von Schleebach sei; dass das fräulein, nach dem tod ihres Bräutigams, hieher gezogen wäre, und alle andre Verbindungen ausgeschlagen hätte; sie wäre aber immer gegen sie, auch mitten in ihrer Melancholie, sehr gütig gewesen; hätte sie Französich gelehrt, in schönen arbeiten und artigen Manieren unterrichtet, und dann eine Menge ganz vortreflicher Bücher mit ihnen gelesen. – Kurz vor dem Abendessen wurde ich dem fräulein in dem Gartenzimmer vorgestellt, als eine Verwandtinn, die den Sommer da zubringen würde, und dabei als ein gutes geschöpf angerühmt. Ihre Gestalt und jede Wendung war voll Adel und Anmut. Höflich fragte sie mich über meine gewohnten Zeitvertreibe in der Stadt, und sprach mit Empfindung von der Ruhe des Landlebens. Den andern Tag frühe machte ich ihr meinen Besuch in ihrem Zimmer, das Meergrün ausgeschlagen, und mit kleinen Landschäftchen geziert war, die so fein, als Kupferstiche, mit der Feder gezeichnet sind. Ich dachte, es wäre ihre Arbeit, und fing an, davon zu reden; meine Basen: wollten mich davon abbringen, das fräulein von Schleebach aber sagte ihnen: "Sie wollen mich schonen, meine Lieben; ich danke Ihnen sehr davor! Lassen Sie mich aber immer den süssen Schmerz geniessen, ein Talent meines verewigten Freundes loben zu hören!" – Sie sah meine Basen freundlich dabei an, nahm mich bei der Hand und sagte: "Julie! Sie sollen gleich ganz mit alle dem bekannt werden, was ich auf der Erde noch am liebsten habe!" und da wies sie mir alle Zeichnungen, Bücher und Clavierstücke, die sie noch von ihrem geliebten Herrn von Gutendorf übrig hatte. Seine Briefe, Billette und Verse aber, bekam ich erst einige Zeit hernach zu sehen; als ich sie eines von seinen selbst gesetzten Stücken spielen hörte und dabei über ihre traurige Miene in Tränen zerfloss, da sagte sie zu mir: "Liebe Julie! Ihre Empfindsamkeit für meinen unheilbaren Kummer freut mich; aber, Sie könnten mich doch für eine Törinn halten, wenn Sie nicht den ganzen Wert der Ursache meines Traurens wüssten."
Nun ging sie an eine Comode worinn sie in einer Schieblade ihre Gradkleidung und verschiedene graue raffente Brieftaschen, mit schwarzen Bändern umbunden, hatte. "Dies alles," sagte sie, "muss mit mir in meinen Sarg gelegt werden!" und wies mir das Bild eines Chavaliers, in Hofuniform. Ein Gesicht voll Geist und Seele, welches den Adel seiner Gesinnungen bezeichnete, so wie sein Name den Adel seine Geburt. – Der höchste Grad des edelsten Ehrgeizes muss ihn belebt haben; denn er wollte jede Kenntniss des Geistes, jede Geschicklichkeit des Körpers besitzen, und suchte sich für beide immer die vortreflichsten Meister aus, deren Wissenschaft er sich in kurzer Zeit eigen machte, und oft übertraf. Er besass jede männliche Tugend des Herzens, jedes Talent, jede grosse und kleine Geschicklichkeit in dem vollkommensten Grade. – O, Rosalia, seine Briefe! wie viel zeigten die Vortrefliches in seiner Liebe, in der Mähe, die er sich gab, den Geist des Fräuleins von Schleebach zu verschönern! Wie viel grossmütige Entwürfe und Wünsche waren darin! – Das fräulein brachte viele Tage damit zu, mir dies alles in seinen Papieren zu zeigen, und las mir die zärtlichsten, besonders die vor seinem tod geschriebenen im Garten vor, wo sie einen Platz ausgesucht und mit einer hohen grünen Wand umgeben lassen. In der Mitte stehen vier Cypressen in Piramiden geschnitten; zwischen ihnen eine Urne, auf welcher der Namenszug des Herrn von Gutendorf, das Jahr und der Tag seines Todes steht. Die Urne wird halb von einer wild fortwachsenden Cypresse gedeckt, und auf beiden Seiten sind kleine Grasbänke. Die Urne, selbst ist auf einem erhöhten Rasen gestellt, so, dass während dem Blühen der weissen Rosenstöcke, die sich hinter ihr, am fuss der Cypresse biegen, das ganze Cabinet die süsseste Schwermut einatmen macht. – Das fräulein selbst ist auch immer grau mit schwarzen Bändern gekleidet. Dies alles machte mich traurig mit ihr; aber ich sah auch dabei das Glück, wie sehr