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artigen Braut war er nicht so glücklich, Beifall zu finden. Sie wissen, sagte er zur Gesellschaft, dass St**. der schönste junge Mann ist, den man sehen kann, so wie die Frau von B**. die garstigste Alte, die noch dazu die Kleidung unserer Urälter Mütter trägt, St**. ist hingegen allezeit nach dem neusten Geschmack und in muntern Farben geputzt. Hierauf stützte das fräulein von A**. ihren Spott, und trieb ihre Anmerkungen über die Verschiedenheit der Gesichter und Kleidung so weit, dass ich nicht weiss, wie es gehen wird, denn sie hat die entusiastische Seite meines guten St**. verwundet.

Er kommt doch zu uns in die Gesellschaft, fiel die Schwester ein. – Ich zweifle sehr! Aber sie kommt gewiss, denn sie will mit Dir über ihn lachen, besonders da sie gehört hat, dass die junge Magd, die er so wegschleuderte, ein artiges Gesichtchen wäre. – Gegen Abend kam die Gesellschaft; die Braut auch, welche eine von den niedlichsten weiblichen Figuren ist, die ich jemals gesehen habe. Gleich sing sie an, die Beschreibung des Auftritts zu machen; von den Runzeln und der braunen Gesichtsfarbe der alten Frau zu reden, auch gleich den Hrn. St**, bei seinem Eintritt ins Zimmer, damit aufzuziehen. –

So schön als dieser St**. mag Antinoiis gewesen sein, als er sich mit sechs und zwanzig Jahren der Miene des männlichen Alters näherte. – Er trat mit etwas ernsten Gesichtszügen gegen die Frau vom haus, ohne dem fräulein von A**. eine Antwort zu geben. Diese fuhr unbesonnen fort: Es fehle ihm nichts, als die Falten und die Warzen der Frau von B**, so würde er eben so knurrig aussehen, wie sie! – Aber, ohne seine Braut anzublicken, kam er zu mir, küsste meine Hand, und sagte mit Bewegung: "Ich danke Ihnen, mit aller Empfindsamkeit meines Herzens, für den Segen, mit welchem Ihr schöner Mund die Erfüllung einer meiner Pflichten belohnte." –

Denken Sie sich, meine Mariane, mein Erstaunen und die Aufmerksamkeit der ganzen Gesellschaft, welche mein Oheim zu einer unmässigen Höhe trieb, da er einfiel: "Gewiss, meine Rosalia hätte über eine schöne Handlung der Nächstenliebe niemals gespottet. – Ich weiss noch, wie mit vieler Achtsamkeit Du mit dem hässlichen und unfreundlichen Vater meiner Baase umgingest!" – O, mein Oheim, sprach ich ganz verwirrt, alle Welt muss sagen, dass Sie zu viel Güte für mich haben! – Auch sahen alle meinen Oheim, mich und Herrn St**, an. Dieser hatte seine Augen auf mich geheftet. – Meine Bestürzung war ihm leid, und er wandte sich an den nächsten Tisch: "Spielen Sie fort, ich bitte recht sehr! die Schönheit der Seele ist allezeit mit Bescheidenheit verbunden. – Die Mademoiselle C**. will nicht mehr umsehn, da sie Sich so bewundert sieht." – Ich ging mit der Frau des Hauses in ein Fenster, wo ich mich über ihren Sohn beklagte, der die Ursache dieser Scene war, da er seinem Freund von meinem ihm erteilten Lobe gesagt hatte. Es schmerzte mich, dem Herrn St**. zu seiner Rache Anlass gegeben zu haben. – Gerne wäre ich zu dem fräulein von A**. gegangen, und hätte mit ihr gesprochen, aber sie warf Feuerblicke gegen mich und meinen Oheim. Endlich ging sie weg, ohne vom Herrn St**. etwas anders, als eine tiefe Verbeugung erhalten zu haben. Nun redte ihm alles zu, sich wieder auszusöhnen! Ich bat ihn darum als um eine Genugtuung für den Verdruss, den mir die Rachsucht seiner Eigenliebe dabei verursacht hätte. "O, verdammen Sie mich nicht," sagte er, "Ihr Missvergnügen durchbohrt mein Herz, aber, es ist unmöglich, ganz unmöglich, dass ich meine Verbindung mit dem fräulein von A** vollziehe. Wir haben uns betrogen! es ist keine Simpatie unter unsern Seelen!" – Ich eilte durch ein Nebenzimmer fort; und zu haus sagte mein Oheim bei der Wiederholung, dass oft die Umstände den Wert einer Handlung erhöhten oder verminderten. – Wäre der junge Mann weniger schön, oder hätte er diesen schuldigen Dienst der Menschenliebe einer schönen Frau angeboten, so hätte man nicht davon geredet. – Hätte seine Braut nicht gespottet, da ihn andere lobten, so hättest Du keinen Liebhaber an ihm bekommen; und gewiss hätte die alte Frau einem übel aussehenden Menschen kein so schönes Geschenk gemacht! – Das schlimmste ist, sagte ich, dass die Tugenden der Nächstenliebe so selten geworden sind, sonst würde man ihn nicht so gelobt und beschenkt haben! Aber zum Liebhaber möchte ich keinen jungen Mann, der alles so arg nähme, und mir sein Herz nur in dem Augenblick seiner geschmeichelten Eigenliebe anböte.

Sagen Sie mir was über diesen kleinen Vorfall in der Liebeswelt! Der junge G**. war heute bei uns und versicherte, dass die ganze Heirat aufgehoben wäre. St**. gäbe keinen Menschen mehr eine Sylbe Antwort, der vom fräulein von A**. redete. –

Schönheit und Reichtum machen also auch Männer zu Stutzköpfen. Dennoch bekenne ich Ihnen, dass mir der Unmut des von St**. sehr edel scheint. Denn auf was für einen andern Grund können wir daurende Liebe bauen, als auf übereinstimmende Neigungen?

Herr St**. unterbrach mein Schreiben. Der Mann ist wunderlich! er will mich und meinen Oheim überzeugen, dass der gestrige Tag hinreichend gewesen sei,