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Tochter zeigte. Da schrieb sie ihrem guten Sohn, sie würde seine grossmütige Verzicht auf den gerechten Anteil an ihrem Vermögen nicht angenommen haben, wenn sie nicht damit das Glück seiner liebenswerten Schwester hätte bevestigen können, welcher sie damit ihre kleine Ausstattung vermehrt, und die vorteilhafte Heirat mit einem schätzbaren mann beschlossen hätte. – Der junge Mann, der ein eben so liebreicher Bruder, als guter Sohn war, freute sich, etwas für seine Schwester getan zu haben; aber es schmerzte ihn, dass es die Mutter nicht geniessen konnte. Er reisete daher zu dem Regiment, wo sein älterer Bruder stand; redte mit ihm über die Umstände ihrer guten Mutter, sagte ihm, was er getan, und wies ihn die Briefe der Mutter, die sein Geschenk nicht für sich, sondern zum Besten der Schwester verwendet hätte, und suchte ihn zu bewegen, für die Mutter das Gute zu tun, was er gewünscht hatte. Dieser Aeltere aber, ein flüchtiger Schwelger, der über einen Entwurf von Vergnügen zehnmal seine Mutter und Geschwister aufgeopfert hätte, spottete über ihn, und behauptete, die Mutter müsse schon zu leben haben, sonst würde sie seine Abgabe nicht wieder der Tochter geschenkt haben u.s.w. Der Jüngere ging mit einem zerrissenen Herzen weg, und suchte, wenigstens durch treue kindliche Briefe, das Herz seiner Mutter zu erfreuen. Der Andre forderte immer von ihr, und fuhr in seinem schlechten Leben fort, bis ihn endlich selbst zugezogenes Elend in sich gehen liess, und er eben so abgezehrt und schaamvoll, als der verlohrne Sohn, in die mütterlichen arme floh, die, nachdem sie von seiner Reue überzeugt war, bis auf die Stäubchen Ueberrest ihres Vermögens zusammen fasste, um bei dem, in ihrem vaterland üblichen Verkauf der Dienste, einen für den wiedergefundenen Sohn zu bezahlen, wo sie, nach der genauesten Berechnung ihres Unterhalts, nichts als Tausend Taler zurück behielt, die ihr jährlich funfzig Taler Zinse gaben, welche sie von den Leuten zieht, denen sie ihr artiges Haus verkaufte und sich nur ein einziges Zimmer vorbehielt, in welchem sie die simpelsten Ueberreste ihres vorigen Wohlstandes vereinigt hat, und worinn der Geschmack an Reinlichkeit und Ordnung ein deutliches Anzeichen ist, dass sie in ihren jungen Jahren Ideen von Schönheit und Pracht hatte, weil sie Reichtum vor sich sah, Sie schnitt von dem geräumigen Zimmer durchaus einen teil mit einer Tapetenwand ab, die sie auf dreifache Art gebrauchte, da sie das mittlere Stück zu einer Alkove für ihr Bett verwendete, den einen teil, mit einer Tapetentür verschlossen, zum Bette für ein Mädchen, und den andern zu einem doppelten Schrank, für Kleidung, Weisszeug und notwendiges Koch- und Essgeschirr eingerichtet hat. Der übrige teil des Zimmers ist mit der nehmlichen Tapete ausgeschlagen. sechs gute Stühle, ein Spiegel, eine Comode, und ein Tisch, geben dem Ganzen ein gutes Ansehen. Ganz glatte Hauben, Manschetten und Halstücher von feiner nur gesäumter Leinwand, auf den dunklen altväterischen Zeugen ihrer Kleider, geben ihrer ganzen person und schönem, obschon faltigem gesicht, das ehrwürdige Ansehen der edlen Genügsamkeit und Selbstständigkeit; denn sie will weder bei ihrem Schwiegersohn, noch bei ihren eigenen Kindern leben. Alles, was sie von ihrem Tochtermann annimmt, ist, dass er sie alle Jahre zu den Wochen seiner Frau abholt, und dann wieder zurückführt. In der Stadt ist sie sehr geschätzt, und viele Familien würden sich eine Freude daraus gemacht haben, sie öfters zum Essen zu laden; aber sie hat es allen, ausser einem einzigen Freunde, abgeschlagen, bei diesem isset sie alle Sonntage.

"Ich bin," sagte sie zu Herrn M** K**, "sehr dankbar für die Gesinnungen meiner Freunde und Kinder, aber so lange mein Hannchen und ich von meinen zwölf Kreuzern leben können, so will ich diese Güte nicht gebrauchen, und unabhängig bleiben."

Dieses Hannchen ist ein armes Mädchen von dreizehn Jahren, deren Mutter ehmals bei Frau Brane als Magd gedient hatte, und von ihr ausgestattet worden ist, weil sie da noch in guten Umständen war. Die Mutter des Mädchens ist schon einige Jahre tot, und der Vater starb, nebst zwei andern Kindern, an einer ansteckenden Seuche, gerad zu der Zeit, wo Frau Brane, zum Besten ihres ältern Sohns, ihre Bedürfnisse auf ein Zimmer und funfzig Taler jährlicher Reuten einschränkte. Da sie keine eigene Magd zahlen und ernähren konnte, dachte sie mit dem Geschenk, dass sie einer gelehnten geben müsste, das atme Kind zu erhalten und zu erziehen. – Doch die Abschrift eines ihrer Briefe an Herrn M** K** sagt mehr, als meine Erzählung.

Frau Brane an Herrn Pfarrer M** K**.

Freuen Sie sich mit mir, mein Freund! ich bin seit vierzehn Tagen sehr glücklich. Das Wenige, was ich aus dem Sturm gerettet, hat hingereicht, meinen älteren Sohn mit einem amt zu versorgen. Seine gute und vermögliche Frau lässt mich hoffen, dass er in seinem häuslichen Leben glücklich sein, und auch seine Kinder einst Etwas haben werden. Die rechtschaffene Familie, an die ich mein artig kleines Haus verkaufte, hat die Bedingung gerne eingegangen, mir das grosse Zimmer an der Nebentüre zu lassen, und damit habe ich alles erhalten, was mir, in meinen jetzigen Jahren, Menschen noch geben können. Ich wohne in dem haus, worinn ich gebohren, in dem Zimmer, worinn meine Mutter als witwe gelebt hat; in dem Bette, worinn sie starb