1779_La_Roche_065_34.txt

Bild selbst, so Sie mir von Ihrem geliebten Herrn C** mahlen, beweisen, dass es Arundels, Henris Mandevills, Rivers, und Grandisons geben kann, und gibt. – Würden den Tugenden des Herzens eben so viele Ehrenzeichen und Glücksgüter gegeben, als man sie dem Verdienste des Verstands anweiset, so würden wir eben so viel edle Taten, als geschickte arbeiten von unsern jungen Männern sehen. –

"Das ist alles recht schön, recht gut, meine liebenswürdige Freundinn," sagte Madame D**, "aber es ist noch nicht sicher, dass diese vortreflichen Leute eine von uns beiden lieben würden!" –

"Und meine D** hat sehr gut gesprochen," fiel Madame G** ein. "Denn, wenn man Euch beide recht nahe besieht, so seid Ihr freilich bewundrungswerte Frauenzimmer: aber, just diese Bewundrung hindert den Anfall der Liebe. – Ihr fordert Tribut; Ihr lasst niemand die Freude, Euch Etwas zu schenken. Meine D** da, hätte gewiss die Wagschaale bei C** übergezogen, wenn sie nicht zu stolz gewesen wäre, sich der S** gegenüber, mit Etwas gefälligkeit zu wägen."

"Ach, meine Liebe, Herr C** kannte meine gute Seite schon, und es ist sicher, in dem Augenblick, wo eine S** gefällt, ist es nicht mehr möglich, dass ich Etwas erhalte!"

"Und warum nicht? Hätte nur Ihre eigensinnige Feinheit nicht vergessen, dass der weiseste, edelste Mann auch Mensch ist; und dass in den Augenblicken, wo dieses Gefühl redet, die kluge, hochachtungswürdige Freundinn das gefällige Weib zeigen muss. Hätten Sie dieses getan, liebe D**, so wäre C** zu Ihren Füssen. – Ich weiss, wie sehr er Sie schätzte. Wären Sie nicht gleich völlig zurück geblieben, so hätten Sie selbst bei seiner anfangenden Achtsamkeit für die S** gewonnen. Er liebt der S** ihre Redekunst, und die Mühe, die sie sich um ihn gibt. – Wären Sie zur Seite gewesen, hätte er sagen können: S** ist anlockend; sie hat Witz; ich habe Eindruck auf sie gemacht; sie sucht mir zu gefallen; aber was ist ihre Seele gegen die Seele der D**! Tugend und wahrer Geist sind dieser eigen; die Hochachtung, die sie mir zeigt, kann Liebe werden; schon habe ich manchmal Zärtlichkeit in ihrem ernsten Auge gesehen; ihre stimme ist sanft, wenn sie mit mir spricht; ein Paar Blicke haben mich gefragt, ob ich ihr die S** vorziehe? Ich habe dieser ihren feinen Fuss gelobt, und einige Minuten darauf sah ich, dass der Fuss der Frau D** sehr schön gebildet ist. S** ist niedlich, schön; D** edel gestaltet. Die Liebe dieser Frau ist süsser, als das Schmeicheln der Coquette – – Und sehen Sie, so würde er gedacht haben, und genösse nun das Glück Ihrer Liebe, die Ihr Herz verzehrt."

"O, Sie mutwilliges geschöpf!" sagte Frau D** "Liebäugeln, meinen Fuss zeigen sollte ich, um das Herz zu erhalten, das ich damals zu beleidigen gedacht haben würde, wenn ich dieses als einen Weg dazu angesehen hätte? – Wenn ihn die S** glücklich macht, – ach, möge er es sein! Der höchste Grad weiblicher Eitelkeit muss durch die Erfahrung dieses Mannes einen glücklichen Stolz empfinden. – Sie spielt mit ihm! Ich würde ihn als das grösste Geschenk der Vorsicht mit Anbetung geliebt haben. – Nun ist es anders! aber ich werde nie aufhören, meine traurige Zärtlichkeit für ihn zu nähren! – Seine Liebe hätte mich glücklich gemacht. Aber seine Gleichgültigkeit nimmt ihm nichts von den Verdiensten, um derentwillen ich ihn ewig lieben werde."

Eine Träne endigte das Gespräch, und gewann ihr mein Herz. – O, meine Mariane! die Männer wollen also nicht geliebt, wollen nur geschmeichelt sein? –

Acht und zwanzigster Brief

Noch immer, meine Mariane! bin ich an diesen fremden Boden geheftet: hunderterlei grosse und kleine Ursachen rücken das Ziel unsers Aufentalts weiter hinaus! – Gestern sprach ich darüber mit meinem Oheim, und liess mir den gang der Nachsuchungen über Recht und Unrecht erklären. Er lachte herzlich über meine Ausrufung, da ich dem Himmel dankte, dass unser Körper dem hässlichen Hin- und Hergehen, und vergeblichen Seitenschritten unsers Geists nicht unterworfen sei! – aber, gewiss ist auch, dass die stärkste Masse der physikalischen Welt das Ausdehnen. Zerreissen, Wiederzusammensetzen, Prägen und Modeliren nicht ausdauren würde, welchem unser Verstand, von den ersten Jahren an, auf so viele mühselige und unnütze Weise ausgesetzt ist. –

"Freue Dich darüber, Rosalie," sagte er; "denn dieses beweiset Dir, dass der Urstoff Deiner Ideen unzerstörbar ist. Sonst hätte das Eigene Deines Charakters unter dem Gehorsam gegen die Führung Deiner Jugend, und dem bisherigen Beugen nach der Gewalt der Umstände, erliegen müssen; und vielleicht würdest Du nicht die Hälfte Deiner Fähigkeiten entfaltet haben, wenn nicht Deine wunderliche Baase, und einige Widerwärtigkeiten Deinen Kopf und Herz geneckt hätten."

Er hatte seine Hand freundlich nach mir ausgestreckt, und die meinige bei den letzten Worten etwas geschüttelt. Die Bewegung seines Kopfs fragte, ob es nicht wahr sei? – Ich gestund, dass er Recht hätte; aber zugleich sagte ich, unter zärtlichem Küssen seiner Hand, dass, wenn er mich nicht durch seine Güte gestützt hätte, so wäre gewiss jede Triebfeder meiner Seele zerknickt worden. –

"Das mag wahr sein,