seiner Jugendjahre mit Segen erinnert, weil er überzeugt ist, dass eine fremde Hand die ersten Funken seines Genies entweder ersticken, oder zu einem wilden Feuer hätte treiben können. Mit der Ruhe der Sanftmut und des gelassenen Leidens in seiner Miene, wuchs er auf. Die moralische Triebfedern seiner Seele halfen seinem Körper das reine Ebenmaass der edlen männlichen Gestalt erreichen. Kenntniss und Gefühl des Sittlichschönen gab ihm das feine Auge für das Schöne der natur und Kunst. Eine mit Nachdenken gemachte Reise durch Frankreich und Italien befestigte seinen Geschmack am edlen und Grossen, deren Kennzeichen er überall ausfindig machte, ob sie in einer Arbeit des Geistes, des Gelehrten, des Künstlers, oder in den tiefen Falten einer Seele lagen. Sein Vater hatte ihn zu einer sehr trocknen Amtsbeschäftigung gewidmet. Folgsam gegen das Leitband der Pflicht hatte er es ohne Widerstreben angenommen. Aber, sein Geist und Herz litten viel dabei. Seine Gesundheitskräfte erlagen; er wurde kränkelnd und etwas melancholisch. Im Verborgenen ausgeübte Wohltaten versüssten allein seine ihm bitter werdende Tage, indem er, aus Mangel anhaltender Gesundheit, seiner Lieblingsneigung im Studieren nicht genugsam folgen konnte. Einsame Spatziergänge widmete er dem Nachdenken, weil er fand, dass die freie Luft, der Anblick der schönen natur und die Bewegung ihm Gutes tat.
Eines Tages kam er, in der Hülle seiner Gedanken verwickelt, unvermerkt über drei Stunden von seinem Wohnsitz hinweg, als er, durch einen Rogenwind und die fallende Wassertropfen zu sich gerufen, um sich sah, und in einer ihm nicht sehr bekannten Ebene keinen Schutzort vor sich fand, als das in einer Entfernung an dem Ende einer Gartenmauer weit hervorragende Dach eines Chinesischen Sommerhauses. Dortin eilte er, um sich etwas trocken zu erhalten. Die Fensterladen gegen die Seite, wo er herkam, waren zugeschlossen, weil eben der Wind den Regen dahin trieb. Er stellte sich auch auf die andere Ecke, und hörte da verschiedene Personen in dem Sommerhause mit einander sprechen. Die meisten waren über den Regen missvergnügt, weil er einen abgeredten Spatziergang verhinderte. Eine sanfte Frauenzimmerstimme aber, nahe am Fenster, fing an von dem Vergnügen zu reden, das sie über die freie Aussicht der Gegend, und der sich sammelnden und nähernden Regenwolken empfunden habe. Sie setzte hinzu, es dünke sie, an ihrem Herzen einen teil der Erquikkung mit zu fühlen, die den Bäumen, Wiesen und Feldern durch den so wohltätigen Regen zukäme. – Eine etwas rasche person schien ihr zu antworten, denn es wurde ihr ganz kurz gesagt: "O! Sie lieben den Regen nur, weil er Kälte mit sich bringt." Der meiste teil lachte hier. Aber nach einigen Augenblicken sagte die Damenstimme auf französisch: "Wie wenig kennt man mich, meine Freundinn, wenn ich der Unempfindlichkeit beschuldigt werde! Fände sich nur der Mann, den ich nach meinem Herzen lieben könnte, wie gerne würde ich meine Zärtlichkeit zeigen; aber sie soll eher mein Leben untergraben, und ungenützt mit mir vergehen, als einem der Männer, die ich kenne, zu Teile werden." – "Ach, Emma!" sagte eine andere stimme, "Sie sind zu feindenkend geworden! Sie werden; fürchte ich, niemals glücklich sein! denn der Mann Ihres Herzens lebt nicht." – Ganz melancholisch sagte die erste Dame: "Nun! so liebe ich mein Ideal von ihm, und Sie, meine Freundinn." – Lord Arundel, aufmerksam und eingenommen von diesem Gespräch, stand ohne Bewegung da, als einer von den Gästen ans Fenster kam und ihn erblickte; und da er ihn kannte, ihm sogleich zurief: er möchte doch in das Haus treten@ wovon die tür an der einen Seite offen stünde. – Gerne folgte er dem Rufe, der ihm hoffnung machte, das Frauenzimmer zu sehen, deren kleines Gespräch seinem Herzen so nahe gegangen. Gleich bei dem Eintritt in das Zimmer blickte er an das Fenster, unter dem er gestanden hatte. drei Damen sassen da, alle sehr artig; die Frau des Hauses und ihre zwo Töchter stunden nahe bei ihm; und eine Dame, nicht so schön als die andre, an ein gegenseitiges Fenster angelehnt. Die Herren bewillkommten ihn; die Damen machten stumme Knickse, und er erzählte, wie es zugegangen, dass er dahin gekommen sei. Aber während dem Gespräch horchte er auf den Ton der Damenstimmen, und suchte die ihm so angenehme Rednerinn unter zwo reizenden jungen Damen, die er wechselsweise mit Aufmerksamkeit beobachtete, indem er die so gefühlvolle Seele gewiss in der niedlichsten Figur zu finden dachte, und es vielleicht auch wünschte. – Begierig, welcher von beiden er eigentlich seinen Beifall für Geist und person schuldig sei, wünschte er, dass sie reden möchten, als er auf einmal, zu seinem grössten Erstaunen, hinter seinem rücken die stimme ertönen hörte: "Liebe Henriette! kommen Sie und sehen, wie schön die niedergehende Sonne das von dem Regen glänzende Wäldchen und das Feld in der Ferne mahlt" – Und diese stimme gehörte der Dame, deren Reize am Verblühen waren. – Arundel war unwillig, wie ein Gärtner es werden könnte, der den blassweissen Rosenstock mit reichern Blumen fände, als den, der reizendes Rot trägt. – Doch hatte die Dame durch den moralischen Ton ihrer Seele schon einige Rechte auf sein Herz erhascht. – Er betrachtete ihren Anzug, der in falbem Grau mit weissen Schleifen bestund. Durch eine Wendung, welche die Dame machte, sah er zu