zwei recht artige Sachen erzählt, die ich Ihnen auch melden will. –
Das Kränzchen bestund vor einiger Zeit aus neun jungen Frauenzimmern, die mindeste Schöne war die Reichste, und sass einst bei ihrer vertrautesten Freundinn, als junge Herren kamen. Einer von ihnen bemerkte, dass er von diesen beiden betrachtet wurde, und sie von ihm redeten, und lag der einen so lange mit Bitten an, bis sie ihm gestund, dass Mademoiselle F** ihr gesagt: "Sie wisse, dass sie niemals wegen ihrer person könnte geliebt werden, und dass man sie nur wegen ihres Vermögens suchen würde. Sie wünschte daher nur, mit ihrem Reichtum das Glück eines würdigen Mannes zu machen; zum Beispiel, des rechtschaffenen jungen K**, den sein Oheim das wenige Gute, das er ihm bewiess, so teuer erkaufen liesse; und es würde ihre grösste Freude sein, ihm durch ihr Vermögen unabhängig und vergnügt zu sehen."
Herr K** ward durch diese Edelmütigkeit gerührt; von der Einwilligung des jungen Frauenzimmers versichert, suchte er um sie an, erhielt sie, und würde durch seine Dankbarkeit und ihre zärtliche Liebe lange glücklich gewesen sein, wenn er sie nicht in dem ersten Wochenbette verlohren hätte, wo sie nach dem Tod ihres Kindes nicht um hülfe gegen ihre Schmerzen, sondern allein um die Zeit bat, ihr Testament zu machen, um ihrem geliebten Gatten ihr Vermögen, als das allein überbleibende zeugnis ihrer Zärtlichkeit, zu versichern, und er dadurch in den Stand gesetzt würde, eine schöne liebenswürdige Frau nach seinem Herzen zu wählen, und durch ihren Besitz für alle die feine achtung belohnt zu werden, die er ihr bewiesen hätte. – War diess nicht eine schöne Seele, meine Mariane?
Vier und zwanzigster Brief
Hier gleich, in einem Atem, sollen Sie die erst letztin vorgegangne kleine geschichte dieser Mädchenwelt anhören. – Der Kränzeltag traf in ein Haus, wo ein schöner Garten ist, und also die Frauenzimmer zum Herumspatzieren gelockt wurden. In dem haus eines Nachbarn der den ganzen Garten übersehen konnte, war den Tag vorher ein Freund angelangt, der sich mit dem Hausherrn belustigte, von Ferne dem Getändel und den Bewegungen der acht artigen Mädchen zuzusehen, als sie im Garten saal ihren Coffee tranken und Etwas weniges arbeiteten. Wie sie aber aufstunden, bemerkte er eine sehr schön gewachsene muntere Brünette, die im Austreten aus dem saal ein Buch aus der tasche zog, darin blätterte, und auf einen Rosenstrauch zuging, bei dem sie sich gegen ihre, ihr folgenden Gespielinnen wandte, und ihnen, mit vielem Ausdruck in ihrem Gesicht, etwas vorlas; und nachdem sie alle sehr zufrieden darüber geschienen, redete sie etwas mit dem Frauenzimmer, dem der Garten gehörte, die ihr eine einwilligende Verbeugung machte, worauf die Brünette wie ein Vogel in den Saal hüpfte, mit einem Körbchen heraus kam, in welches sie Rosen und andere Blumen sammlete. – Der Fremde fragte seinen Freund, wer diese person sei? – Es ist die Tochter eines Gelehrten, des Herrn von U** – "Von U**?" fiel der Fremde ein, "wie ist ihr Taufname?" – Julie! – "Wie! Julie von U**? O Gott! ich bitte um alles, mein Freund, schaffen Sie mir das Glück, mit dem liebenswürdigen Mädchen nur einige Worte zu sprechen. Ich will Ihnen nach dem die Ursache erzählen; aber nennen Sie mich nicht!" – Kommen Sie; ich darf in den Garten, wenn ich will. Aber die Julie ist gefährlich! Wenn man sie einmal liebt, so ist es nicht leicht möglich, von ihr zu lassen, und Sie sind erst verheiratet. – "Ach, führen Sie mich in den Garten. Morgen reise ich wieder ab." –
Die beiden Herren kamen auch, mit dem Herrn und der Frau des Gartens, und machten dem Mädchen höfliche, aber stille Verbeugungen; nur Herr B**, welcher dem Fremden versprochen, ihm eine Unterredung mit Julien zu veranlassen, fragte diese: Was sie mit dem Korbe voll Blumen machen wollte? Sie antwortete: "Ich bin heute so wacker gewesen, dass ich erlaubnis habe, meinen Freundinn Blumensträusser zu pflücken, die ich wirklich austeilen will." Dies sagte sie mit einem freundlichen Lächeln, und ging gegen die Reihe der Mädchen, wovon eine zu ihr sagte: "O, wie viele Rosen hast Du? –" "So viel unsrer sind, mein Schatz! Denn wir lieben sie alle auf den Backen, auf dem mund, auf dem Wege unsers Lebens, und sogar möchten wir, dass alle Leute, die mir uns umgehen, Rosenfarbenen Humor hätten!" – Nun war sie bei der Vorsteherinn der Gesellschaft, gab ihr eine Rose, und eine "Sorgenblume musst Du dazu nehmen, weil Du mit der Aufsicht für uns Uebrige beladen bist!" – Einer andern, deren Wangen von dem schönsten Rot glüheten, gab sie eine weisse Rose, und Violette Schlüsselblumen dazu; streichelte ihre Wangen. "Der Widerschein wird diese Rose färben, die andere hättest Du mit Deiner Wange beschämt." – Die Schlüsselblume hatte sie genommen, weil des Mädchens Liebhaber diesen Namen führte. Sie gab auch Julien einen Schlag, und drohte ihr: "O Du Schelm!" – Einem sanften schönen geschöpf bot sie eine weisse Viole zu der Rose. "Nimm, meine Christine, sie ist schön und rein, wie Dein Herz!" – Einer andern sagte sie: