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des Beamtendienstes richtig war, so ging Frau Grafe zu van Guden, und erzählte ihr diese Neuigkeit mit einer umständlichen Beschreibung der Einkünfte, der artigen wohnung, und der Freude, die sie fühle, dieser so schätzbaren Familie einen neuen Zusatz von Glück verschaft zu haben. Sie sprach eilig und abgebrochen, wie jemand, der nur geschwind weiter gehen will, und tat nicht, als ob noch jemand anders im Zimmer wäre. – Die arme Meta sass da, hörte alles, schlürfte jedes Lob von des neuen Amtmanns Geist und Herzen, von den Tugenden der Familie, und auch von den vorteilhaften Umständen dieser Landstelle mit ein. Ihr Herz freute sich über alles, nahm Anteil an den Wohlergehen der Tugend. Wünsche und Furcht kamen auch an die Reihe. Sie schien lange von Ittens Liebe versichert; aber nun zweifelte sie. Er hatte noch nichts gesagt, und seine älteren würden auch wohl andre Absichten haben. – Diese Bilder tanzten auf ihrem Nähküssen umher, Tränen, die sie zu zerstreuen suchte, rollten in ihren Augen, die Stiche wurden ungleich, und sie hätte alles gegeben, wenn sie nur geschwind umgesehen aus dem Zimmer hätte kommen können. Die zwei Frauen stunden in einem Fenster, und van Guden bemerkte währender Erzählung der Frau Grafe zwischen dem Fenstervorhang hindurch jede Bewegung der guten Meta. Frau Grafe ging, ohne sich setzen zu wollen, hinweg, und sagte noch: Jetzt will ich dem neuen Beamten auch um eine artige Frau sehen; und mit diesen Worten war sie zu der tür hinaus, Meta aber aus aller Fassung, denn nun weinte sie stark. Van Guden eilte zu ihr, und hielt sie am Arm, weil sie mit abgewandtem Kopf auch aus dem Zimmer schleichen wollte: Was fehlt dir, meine Tochter! warum weinest du? sagte sie ihr mit aller Liebe. Meta, betroffen und ängstlich, konnte ihr nichts anders antworten, als durch einen Tränenguss, und durch das Umschlingen eines Arms der van Guden, den das liebe Mädchen mit beiden Händen an ihre Brust drückte, und ihr Gesicht über die Hand ihrer mütterlichen Freundin beugte. Frau Guden wurde gerührt, und umfasste ihre Meta mit Zärtlichkeit: Komm, meine Liebe! komm mit mir in mein Cabinet, sag mir da den Kummer deines Herzens, denn du musst Kummer haben bei diesen Tränen. Glaube, mein Kind! was deine Mutter Guden tun kann, wird sie tun. Meta sträubte sich etwas, sie wollte nicht in das Cabinet, hing sich aber an den Hals der van Guden, und liess sich endlich von dieser wegführen. Als sie beisammen auf dem Sopha sassen wurde sie von der Guden auf das neue um die Ursache ihres Weinens gefragt. Nun sagte sie, dass die Nachricht von dem Glück der Ittenschen Familie sie so bewegt hätte. Van Guden küsste sie und sagte: Diese Tränen einer teilnehmenden Freude sind schön, meine Liebe! aber etwas zu stark, Liegt nicht auch ein Gedanke dabei, dass du einen deiner Brüder oder Schwestern eben so glücklich versorgt sehen möchtest? O nein! liebe Mutter! es ist gewiss kein Gedanke von Neid in mich gekommen. Das wäre auch kein Neid gewesen, meine Liebe, wenn du einem Bruder das nemliche Gute wünschtest, das der junge Itten erhielt. Mein älterer Bruder ist ja versorgt, und Wilhelm denkt an nichts. Es wäre mir leid, wenn die Ittens nicht in allem glücklich wären. Du bist mein edles gutes Mädchen; sei auch meine aufrichtige Tochter. Ich will dich was fragen. Nun zitterte und glühte das gute geschöpf, und sah zur Erde, indem sie kaum Atem hohlte. Liebe Meta! hat der junge Itten dir niemals von Liebe vorgesprochen? Es dünkte mich oft, wenn du sangest, oder Henrietten bei einer Arbeit etwas lehrtest, auch, wenn du mit seinen Schwestern in Unterredung warest, dass seine Augen voll reiner Liebe und Verehrung auf dich geheftet waren. Ein lächelnder Zug von Vergnügen flog über Metas Gesicht, als van Guden dies sagte; doch antwortete sie: Ich habe ihn nicht oft angesehen. Das habe ich auch bemerkt, mein Kind! und es schiene mir, um aufrichtig mit dir zu sprechen, nicht ganz natürlich. Du bist sonst so freimütig, so voll unschuldiger Offenherzigkeitin deinen schönen Augen. Da kam nun wieder eine Anwandlung von Angst; aber sie sagte, van Gudens Hand küssend: Liebe Mutter! ich habe ihn desswegen nicht oft angesehen, weil ich ein paar mal auch gedacht hatte, dass er mich zärtlich anblickte. Sie blieb auf van Gudens Hand liegen, die ihr liebreich sagte: Wäre dir denn die Liebe dieses tugendhaften Jünglings nicht angenehm gewesen? Leise und mit äusserster Bewegung sagte sie: O ja, es hätte mich schon gefreuet; aberzu was hülfe es nun! Wie das? meine Liebe! es wäre jetzt besser als jemals, da er dir mit seinem Herzen zugleich seine Hand, und eine gute Erhaltung anbieten könnte. Ein neuer Strohm von Tränen floss über ihre den Augenblick blass werdende Wangen: Ach liebe Mutter! sprach sie, haben Sie denn nicht gehört, dass Frau Grafe sagte, sie wolle sich nun nach einer artigen Frau für Herrn Itten umsehen? und da er den Dienst durch sie erhielt, so ist ja billig, dass er ihr in allem folgt; sie gibt ihm gewiss ein artiges und auch ein reiches Frauenzimmer, und es wird sich keine lang bedenken, des Herrn Ittens Frau