1779_La_Roche_065_254.txt

Einfalt und Wissen wechselweiss auf ihren hübschen Gesichtern. Wir speissten höchstvergnügt beisammen zu Nacht. Wie die Kinder schlafen gingen, und von Frau van Guden angewiesen wurden, mich Tanne Cleberg zu heissen, Fritzgen aber nach seiner Gewohnheit mich Mama Salie nannte, und an mir hieng; so wurde mein Herz zu Tränen erweicht. Mein Oheim der neben mir sass, bemerkte es mit Rührung und fasste meine Hand: du gute halbe Mutter! auf wie vielerlei Weise wurde heute deine Seele bewegt, ich wünsche herzlich, dass es einen unauslöschlichen Eindruck auf die keimende Fähigkeiten deines Kindes machen möge, und das dich Gott die Freude geniessen lasse es aufgewachsen zu sehen; denn es muss gewiss ein menschenfreundliches edles geschöpf an Leib und Seele werden. Ich sank hier aus Uebermaass von verschiedenen Empfindungen an den Busen meiner Freundin und im nemlichen Augenblick sprangen Cleberg und Latten zugleich von ihren Stühlen auf, weil sie dachten, ich sei ohnmächtig geworden. Cleberg kam zu mir, Latten aber hielt sich mit krampfigen Fingern an seinen Stuhl fest, war etwas blass und sah starr auf mich, da ich gerad mein glühendes Gesicht erhob um die Hand meines Oheims zu küssen und meinen Mann zu beruhigen, der äusserst ängstlich nach meinem Befinden fragte. Unsere gute Caroline Itten hatte, wie mir van Guden sagte, viel zu sehen; denn sie blickte mit Freundes Augen auf mich, aber mit Staunen auf Lattens starre Augen, mit Beifall auf Clebergs Bemühungen um mich, und mit etwas Unmut auf meinen Oheim, der ursache an dem Auftritt gewesen. Der Officier beobachtete sie, und redte den Latten an, der einen ziemlich artigen Rückweg zu dem Aussehen der Freundschaft nahm, indem er Carolinen ins Ohr flüsterte, das der gute alte Mann unsere Freude durch einen Schreck unterbrochen habe. Er habe auf seinen Reisen gesehen, wie sehr gefährlich auch sanfte Empfindungen in meinen Umständen werden könnten, wenn sie zu stark wären. Meinem Cleberg war nichts von Lattens Bewegung entgangen; er drückte seine Hand, als er sich wieder zu ihm setzte, und sagte auf Englisch: Mein lieber Freund! wie viel Schmerz ist bei Wünschen und Genuss des Glücks. Latten ging ehender weg, als wir Cleberge; da wurde mir erzählt, dass ihm Ott geraten hätte nach Wollinghof zu gehen, und der Frau Guden ganz freimütig den Zustand seines Herzens zu eröfnen. Das hätte er getan und sich bei der Verordnung recht viel von seiner Liebe zu reden, sehr wohl befunden, da Frau Guden ihn angehört, mitgesprochen und durch weises Nachgeben und Teilnehmen dahin gebracht habe, die idee seines Glücks, in zärtlicher Freundschaft mit uns, und in der Verbindung mit einem liebenswerten Mädchen zu suchen, deren Glück er machen würde; und so sei er wieder zurück gekommen. Er würde aber in der Vorstadt wohnen, wo er eine Fabrik von striefigen Leinen aufrichten wolle, das teils für Weibskleidungen, teils aber zu Hausgerät bestimmt werden solle. Sehen sie, wie in diesem Brief alles verwirrt unter einander läuft. Der Freudentaumel ist noch in mir. Ich habe auf nichts denken, noch weniger von dem Officier erzählen können; aber ich hohl' es nach, und will ihnen nur ganz kurz den Auftritt mit Latten beschreiben, der bei uns frühstückte, und sein Fritzgen besuchte. Er schien mir etwas blässer und hagerer als er bei seiner ersten Ankunft bei uns nicht war; Ott hatte ihn begleitet, und fragte mich: ob ich nicht recht zufrieden sei, auch diesen guten Menschen in unserer Stadt erst zu sehen? Ich versicherte es, dankte ihm auch, dass er gleich den jungen Wolling mit in den Plan seiner Geschäfte genommen habe, und hörte nun auch, dass sein Haus schon völlig eingerichtet sei, Nebengebäude aufgeführt wären und ein Vorrat von Hanf und Flachs daliege, um Spinnereien zu errichten und Weber und Färber zu beschäftigen. Es wurde dann von Carolinen Itten gesprochen, und ich aufgefodert von ihrem Herzen und Kopf zu reden, weil Frauenzimmer sich einander mehr Vertrauen bewiesen, als ein Mann jemals von ihnen erhalten würde. Ich malte dann ganz getreu das Bild meiner Freundin bis auf die kleinsten Züge aus. Latten trank, während ich sprach, sieben Tassen Tee ohne aufzusehen, endlich sagte ihm Ott: Ei Bruder! du schwemmst ja das artige Bild wieder völlig aus deiner Seele weg; nun soll unsre Rosalie trinken, nachdem sie so lang geredet hat. Ich sagte: Das will ich auch tun; aber ich möchte vorher wissen, ob unser lieber Latten mit meinem Gemählde zufrieden ist. Er ergrif meine Hand, drückte sie sanft zwischen seinen Händen und sagte mit seiner so wohltönenden stimme: Sie haben, meine teure Freundin, sich und Carolinen in mein Herz gegraben. Ich denke wohl, dass ihre schöne Seele Zusätze machte; aber ich fühle zugleich, das ein rechtschaffener Mann mit Carolinen glücklich leben kann, wenn auch nur die Hälfte des Guten wahr ist, das sie sagten. geben sie nun ihrer Freundin auch eine günstige idee von mir, so will ich mich freuen die achtung und Zärtlichkeit meiner Gattin von ihnen erhalten zu haben. Ja, mein Bruder Latten, ich will Carolinen den ganzen Wert des Glücks zeigen, das sie mit ihrer Hand und ihrer Liebe erwartet; aber, aber sie müssen sie lieben, ganz lieben; das gute herrliche Mädchen würde ja elend, wenn sie ihrem schätzbaren Mann gleichgültig wäre. Das ist sie mir nicht und wird es nicht werden; ich wäre ohrfähig um sie zu werben. Nun