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von weitem zu: Bube, guter Bube! bind den Hund wieder an dich, er ist dein, und den Taler da gieb deiner Mutter. Nun kam der Junge, küsste ihr die hände, dankte uns mit noch roten Augen, und liess seinen Hund aufwarten. Er schüttelte an seinen Schubsäcken, wandte sie um, und liess den Hund die Brosamen darin weglecken, nach welchen das arme Tier dazu noch recht hoch hüpfen musste. Die Frau war sehr froh über das Geld und die Kinder über ihre Freunde, den Hund und den Vogel. Mein Oheim fragte nach dem Namen des Orts, wo sie hinginge und sagte ihr, wenn er Gutes von ihr hörte, so würde er ihr auch noch Gutes tun. Ich schickte ihr noch einen Bündel altes Leinen, worüber sie grosse Freude bezeigte. Die junge Itten sagte auf dem Heimwege zu meinem mann. O wie viel Angst haben sie mir gemacht, als sie den armen Kindern die Tiere abkaufen wollten. Ich war böse über alle Reiche, dass sie glauben, Geld sei alles wert, Bettler müssen doch auch eine Freude haben, dachte ich, und fürchtete auch, die Mutter würde die Kinder zum Verkauf zwingen; denn die kennt freilich den Nutzen des Geldes, wie junge Leute die Süssigkeit des Vergnügens.

Ich musste sie hier freundlich anblicken und sie sagte mir: aber warum sagten sie nichts? Sie sind sonst so gut gegen die Armen. Ich musste erst sehen, ob es meinem Cleberg mit dem Kauf der Tiere Ernst sei. Sie antwortete mit sanftem Ton: Der Kummer von den armen Kindern war doch sehr ernstlich. Ott sagte da mit Rührung gegen mich: Herrliches Mädchen, ach wenn! Seine Blicke auf mich und auf meine junge Freundin waren so bedeutend, dass ich nicht wusste, was ich daraus machen sollte, denn ich wiederstrebte den Vermutungen, die sich schon ein paarmal in mir erhoben hatten. Die Anmerkung von Carolinen, über mein zögerndes Mitleiden, hatte mich schon etwas düster gestimmt und vielleicht war dies die geheime Feder, welche den gang meiner widrigen Vermutungen beschleunigte. Denn, da ich auf einer Seite von der jungen Itten getadelt wurde, so war ich gewiss mehr geneigt, auch andre zu tadeln. Mein Cleberg bemerkte, dass Etwas besonders in mir lag, und ich gestund ihm meine Verlegenheit über Ott, in Ansehung meiner jungen Freundin und mir. Er lachte mit einer Art satyrischen Mutwillen. Salie! sagte er, gewiss liegt die idee einer Lisettengeschichte in dir? Ich zuckte ein wenig zurück vor dem Andenken und vor dem Scharfsinn des Mannes. Er kam gegen mich: Sei ruhig, meine Liebe! und lass das Mädchen alles werden, was sie nach dir werden kann. Ott will sie für Latten so haben, und es wird ihm wohl gelingen. Nun reute mich der Schritt und alles, was ich geargwöhnt hatte, weil das Bilden nach mir, noch so viel anhänglichkeit in dem jungen mann zeigte, und ich wohl denken konnte, von meinem Cleberg doppelt beobachtet zu werden. Aber der Entschluss, den ganz geraden Weg zu gehen, half mir, wie er immer helfen muss. Ich änderte nichts, in meinem ganzen Tun und behielt dadurch mein natürlich es Wesen und hatte nichts zu besorgen; obschon, ich bekenne es Ihnen, ganz ungesucht alles in mein Gedächtniss zurückkam, was Latten an mir gelobt hatte, und gewiss auch alles diess in mein Bezeigen eingeschaltet wurde. Das Fritzgen besorgte ich besonders vor Carolinen und gab ihr immer eine Beschäftigung mit ihm, sie zeigt dem kind auch viel Zärtlichkeit.

Nun schicken wir uns an zur Rückreise in die Stadt und mein Oheim sagt, unser Besuch bei dem sogenannten Moorbauren sei ein Abschiedsbesuch gewesen. Er hat mich diesen Abend sehr bewegt, da er mit mir auf dem kleinen Altane stunde, der über unserer Haustüre ist. Es waren viel leichte Wolken am Himmel, die in einer Menge schöner Farben abwechselten. Er sah sie sanft ernstaft an. Da sie etwas falb wurden, nahm er meine Hand: Liebe Salie! du, dein Mann und eure Freunde, ihr habt den Abend meines Lebens eben so erheitert, wie diese Wolken die letzten Stunden dieses Tages, vielleicht sehe ich keine mehr auf diesem platz neben dir. Ich werde glücklich sein, wenn meine letzten Augenblicke in eine sanfte Düsterheit verhüllt, unter deiner zärtlichen Sorgfalt verschwinden. Bleib, meine Beste! auf dem Wege deines Herzens. Es wachsen dir gewiss bei jedem Schritt innere Ruhe, Liebe und achtung aller Zeugen deines Lebens auf, und mein Segen, mein Kind, (sagte er mit Tränen, mich an sich drückend, da ich schluchzste und seinen Arm gefasst hatte) mein Segen wird um dich sein, wenn ich über die Wolken (auf die er deutete) erhoben sein werde. O Mariane! dieser feierliche Abschied von der natur und mir, von diesem väterlichen Freunde, zerriss mein Herz mit traurigen Ahndungen. Gott erhalte ihn mir noch lang, lang.

Hundert und funfzehnter Brief

Rosalia an Mariane S.**.

Mariane! Sie, die immer alles was mich quälte und freute mit mir teilten, nehmen Sie heute den Ueberfluss dessen was ich gestern fühlte, und gewiss es freut Sie mit mir.

Gestern Abend zogen wir wieder in die Stadt, und wirklich ist unser Gartenhaus zu leicht gebauet, um uns genug gegen die Nordwinde zu schützen, meine Leute gingen schon des Morgens nach dem Frühstück ab. Wir assen bei