Betrachtung überzeugt mich, dass die Fähigkeit zu lieben, uns nicht sehr glücklich macht, weil die geringste Störung im Genuss dieses Wohls den bittersten Kummer über uns ergiesst. Denken sie, was ich bei Clebergs vermeinter Aenderung litte. Ich will mich selbst und das liebe Mädchen zu stählen suchen. Helfen sie mir zu einem sichern Mittel, das uns gegen zu starke Anfälle der Empfindsamkeit schützen kann. Ich mag das Rezept meines mutwilligen Clebergs nicht; dass. "wenn man sich in allen Augenblicken, höher als alle andre Menschen schätzte und liebte, vermeide man sicher alle starke anhänglichkeit und sei daher auch vor dem Leiden der Trennung und des Verliehrens bewahrt." Meine gute grosse Tochter bat mich ihr zu versprechen, dass sie mich um alles fragen dürfe und ich ihr auch sagen wolle, was ich an ihrer Stelle denken oder tun würde. Dieses hat zu manchen recht köstlichen Unterredungen Anlass gegeben. Das Mädchen ist ein herrliches geschöpf. So wahr in Allem, und so rein in ihrer Seele. O Caroline! nie werde ich vergessen, dass du gestern an meiner Brust die schönsten Tränen der edlen Empfindung weintest. Rein sollen deine Gesinnungen bleiben, und dich einst glücklich machen. Sie will nicht lieben, will auch für den besten Mann nur etwas mehr, als blosse Freundschaft haben. Männerstolz will sie erniedrigen, und ihnen zeigen, dass man ohne Verbindung mit ihnen glücklich sein kann. Ich sagte ihr da von dem Widerspruch, der in diesem Vorsatz und ihrer Phantasie läge, mich in Allem nachzuahmen; weil das Beste, so sie jetzt von mir sehen könne, eine gute liebende Frau sei. "Ja!" sagte sie, "das ist auch die einzige Unvollkommenheit in ihnen: dies will ich auch nicht lernen, aber sonst alles."
Eine Begebenheit von diesem Morgen muss ich Ihnen noch erzählen. Wir gingen nach dem Frühstück zu dem neuen Bauernhause, das bei dem ausgetrockneten Stück Moon erbauet wurde, und versuchten das erste Brodt, so aus dem, zum erstenmal da gewachsenen Korn gebacken worden. Mein Cleberg war glücklich, als er aus dem kleinen haus ging, und die Anlage von Aeckern, Wiesen und Baumstücken sah, die durch ihn, aus einem öden Sumpf entstanden waren, und nun einen ehrlichen Landmann mehr nährten. Bei einem kleinen Umwege in das Dorf zurück, fanden wir an einer Hecke eine Bettlerfamilie sitzen, die etliche Brodkrumen in dem Queersack zusammen suchten, und zum Einweichen in einen Topf mit Milch warfen. In der Kötze, welche die Frau auf dem Rükken getragen, sass ein Kind und spielte mit einem zahm gemachten Raben. Der ältere Knabe von zehen Jahren hatte ein gelb und weiss scheckiges Hündgen mit einem Strick voller Knoten an seinem Gürtel gebunden. Die Frau war ordentlich und redte als gute Mutter mit ihren Kindern, auch recht vernünftig von dem tod ihres Mannes und wo sie nun hinwollte, und bat um etwas altes Leinen. Cleberg wollte den Raben kaufen. Die Frau sah ihn bedenklich an, und sagte: Ja, Herr, wenn ihn mein Kind gern hergiebt. Aber wenn es weint, ach, Herr! ich kann ihm keine Freude machen; da will ich ihm diese nicht nehmen. Aber geben sie; Sie wiess dem kind, das drei Jahr alt sein mochte, Geld, und sagte: das ist dein, gieb den Herrn den Raben und wollte ihn nehmen. Das Kind hatte das Geld gefasst; als aber die Mutter den Vogel nehmen wollte, liess es das Geld, schrie und fasste den Vogel mit beiden Händen. Er fragte dann den ältern Knaben, der traurig auf seinen Bruder und den Raben blickte, ob er seinen Hund nicht auch verkaufen wolle? Er ging zu seiner Mutter-Mutter! sagt er: der Hund wacht so treu, wenn wir auf dem feld oder in einer Scheune schlafen. Ex isst kein Brod, als wenn mir ihm geben. O Mutter! behalt den Bello; er gautzt sich tod um mich, ich will weniger essen, lass mir doch den Hund. Aber Jörg! der Herr will dir ja einen grossen Taler geben. denke, wie arm wir sind, du kriegst schon wieder einen andern Bello. Der arme Junge sah auf den Taler in Clebergs Hand, weinte und murmelte. O kein Bellon krieg ich nimmer. Er fing an mit verdrüsslichem Gesicht den Knoten des armen lumpigen Stricks loszumachen, mit dem der Hund an feinen Lenden fest gebunden war, und liess den Strick fallen. Da, sagte er, und lief hinter die Ecke des Baurengartens. Der Hund lief ihm nach. Er stiess ihn mit einem Fuss von sich; aber als der Hund schrie, so zog er ihn an, und liebkosste ihn. Meine liebe Itten und ich hatten Tränen in den Augen und blickten auf Cleberg und Ott. Ersterer tat nicht, als ob er es achtete. Aber Ott sah auf meine junge Freundin und sie flüsterte ihm zu: Ach mein Gott! wenn ich reich wäre, so gäbe ich dem armen Jungen den Taler zu seinem Hunde, weil er als Bettler für seinen Dienstboten besser sorgt und ihn mehr liebt, als vornehme, glückliche Menschen die lieben, die für sie wachen und arbeiten. Ich umarmte sie, und Ott gab ihr einen Taler. Da Gute! befriedigen sie ihr edles Herz, Cleberg schenkt ihnen den Hund. Nicht wahr? Mein Mann lächelte Ja! Schnell lief sie zum Buben, und rief ihm schon