Empfindung. "Alte Hausväter, Hausmütter! Ihr hebt eure durch lange Arbeit kraftlos gewordenen hände gewiss mit herzlichem Dank zu Gott, dass ihr die Schemen, die ihr für Kinder bautet, voll Früchte seht, die euer gesunder fleissiger Sohn mit fleissiger männlicher Stärke anpflügte und säete. Junge Väter, junge Hausmütter; freuet euch im Herrn, dass ihr eure euch von Gott zugeschriebenen Berufsgeschäfte treulich, nach der noch sehr lebendigen Kraft eurer Jahre verrichtet habt, sorgt durch euer Exempel, für eure kommenden alten Tage, auch noch Freudentränen aus halb geschlossenen Augen zu weinen, wenn eure jetzt noch spielenden und auf eurem Schoosse sitzenden Kinder, zu rechtschaffenen Landleuten herangewachsene Söhne und Töchter hinter vollen Wagen nach haus kommen werden: Ach, sorgt, dass ihr redliche hände zu Gott erheben könnet, und ihr, lieben Kinder! die ich alle getauft, und von dortan als treuer Seelsorger durch Unterricht zu Gott geführt, und durch tägliche Fürbitte seiner Gnade empfehle; ohne sorge und Mühe geniesset ihr jetzt Nahrung und Kleidung aus der fleissigen Hand eurer Eltern; aber alle Tage wachset ihr den Jahren zu, wo ihr Aecker und Wiesen, auf denen ihr jetzt jugendlich spielt und hüpft, mit den Schweise eures Angesichts werdet anbauen müssen. Freuet euch darauf! Es ist schön, von unserer mütterlichen Erde, durch treue Verwendung der Kräfte und Geschicklichkeit, Brodt und Kleidung zu verdienen! Folgt euren guten Eltern, euren guten Schulmeister und dem was ich euch durch Gottes Gnade immer Gutes lehren will; damit wir alle, das grösste Glück der Menschen, das zeugnis eines guten Gewissens geniessen mögen: nämlich, dass wir treulich alles getan haben, wozu uns Gott in unserm stand angewiesen hat."
Er sprach in eben dem Tone und auch kurz mit den Handwerkern, dem Gesinde und den Armen, die er tröstete und ermunterte, endlich allen andern Landleuten der ganzen Welt auch Gutes wünschte, wozu eine so gute Oberherrschaft und Beamten zu rechnen wäre, wie sie hätten. Sie sollten auch daher die Pflichten, als Untertanen gerne erfüllen und gedenken, um wie viel glücklicher sie auch dadurch wären als viele Tausende ihrer Mitbrüder in allen vier Weltteilen. Unbeschreiblich, ganz und gar unbeschreiblich ist der Ausdruck der auf den einfachen Gesichtszügen lag, wie die alten hände voll Falten und Schrunden zitternd erhoben wurden, und die starke fleischige Hand jüngerer Männer sich fester schloss. Die Knaben und Mädchen kindisch, halb aufmerksam, halb nachlässig, treuherzig den Pfarrer, Ahnen, Väter und Mütter beguckten, so wie sie angeredt wurden, sich nach den Handwerkern, Knechten, Mägden und Armen umsahen. Aber gewiss, obschon leicht und flüchtig, wie die Jugend ist, ging auch Rührung und Vorsatz des Guten über ihre Stirnen. Unser Kirchenstuhl ist nahe an der Orgel und vergittert, aber alle Augen waren dahin geheftet als der Pfarrer meinen Mann so rühmlich meinte, und dem Himmel sei Dank! in keinem Gesicht war ein Funke von Zweifel über das von ihrem Beamten gesagte Gute. Mein Oheim, dessen Tränen haufenweis in seinen vorgehaltenen Hut flossen, fasste Clebergs Hand und drückte sie ihm. Mein Mann fühlte es und küsste diese väterliche Hand dankbar in haus Gottes, der ihn an dieser Hand zu Ehren und Glück geleitet hatte. Ich, o Mariane, wie war ich bewegt! Ich kann sagen, jeder Atemzug war Gebet und Fürbitte für mich und für die ich sah, ach! wie leicht ist es gut zu sein!... Wie süss ist es, vom Guten reden, wie lieb war mir mein Mann, wie heilig, wie ehrwürdig der Pfarrer, der so Gott und der Tugend die Herzen zu öfnen weiss. Was war der Austritt aus der Kirche für mich, nachdem Ott die Orgel zu dem Te Deum gespielt und mein Cleberg und Oheim, Otte und die jungen Stiegen nebst mir dem Chor gesungen und Ott am Ende noch einige schöne in die Seele tönende Läufe gespielt hatte. Der ganze Kirchhof war voll von den Bauersleuten; alle sahen so liebend, so vertraut und vergnügt auf meinen Mann und ihren Pfarrer, der aus der Sakristei heraus kam. Cleberg ging mit schönen schnellen Schritten auf ihn zu, eichte schon, noch eine Strecke von ihm, nach seiner Hand und sagte: Lieber Herr Pfarrer! Gott segne sie für ihre Predigt. Aber wie kamen sie dazu, auf mich zu deuten? Er antwortete: Gott sei Dank! dass ich es mit dem Zeugnis der ganzen Gemeinde tun konnte. Nicht alle Pfarrer können es, und es war die Frage von den göttlichen Wohltaten für die Landleute; und ein Beamter, wie sie, gehört darunter. Diess sprach der Mann noch so laut im Calzeton, und mit so einem Ausdruck in seinem Auge, dass mein Cleberg auch bewegt sagte, indem er sich zu den bauern wandte: Gewiss, meine lieben Seedorfer, ihr dankt Gott auch mit mir, dass wir einen solchen Seelsorger haben. Wir wollen ihm auch alle treulich folgen. Ich gab ihnen, (setzte er mit nochmaliger Darreichung seiner Hand an den Pfarrer hinzu) mein Wort, und das Wort von meinen braven Landleuten dazu. Nicht wahr? sagt er, alle anblickend und ihnen mit seiner ganzen edlen Gestalt und offener Miene zulächelnd; ein redliches Ja! wurde gehört, und Freude, wahre Gottes, und Menschenfreude war in allen Gesichtern. O der schöne, glückselige Tag! möge er durch seine Erinnerung immer Gutes und Vergnügen in alle die Herzen zurückrufen. Ich musste