's gut lassen, da sie so weiss ist; und bei dieser Rede legte sie das halb aufgefaltete Stück über Hannchens Achsel. Dann folgte noch ein Kleid und Rock von grün und gelben schielenden Gros de tour, der an sich schon stark und gut, aber noch ganz mit Flanel ausgefüttert war, das möge sie nach ihrer Art und wie es Linken gefiele, zurecht machen. Ein zu allem Glück ganz strohgelber guter Damast, an Stükken, die zu einem Bette für vornehme Leute zugeschnitten waren, und den sie an einer Schuld annehmen musste, wurde zum Brautkleide bestimmt; hingegen auch ein grün und weisses Ras de Siele zum Hochzeit Schlafrock für Linken, und endlich noch für Hannchen, eine schöne gestickte Geldtasche mit einem silbern Schloss und Hacken, worin sie eine Nadelbüchse mit oben aufgeschraubten Fingerhut von Silber und einen Georgen-Taler steckte. Damit sie immer Geld im Sack habe, soll sie ihn ja niemal verwechseln, und mit einem Löffel, den sie hinzu legte, solle sie nun alle Tage essen, es wäre ein L. darauf gestochen; dazu dürfte sie nur ein H. setzen lassen, weil sie doch bald Hannchen Linke sein würde.
Im nemlichen Jahr gab sie ihr auch drei schöne seidene Halstücher für ihre Schwestern; führte aber das arme Hannchen mit dem grün und weissen Kleide überm arme in Linkens Schlafzimmer, wo das gute Mädchen das Kleid auf seinem Bett ausbreiten, und seinen Schlafrock darüber legen musste, damit er beim Schlafengehen es finde, und so gleich merken könne, wozu es gehöre. In dem Zimmer war es ziemlich unordentlich; nun fing sie an aufzuräumen, und Hannchen musste helfen, damit er sähe, zu wes eine brave Frau nütze. Dies war der Braut herbe, weil sie sich da mit alten Kleidern und schwarzer Wäsche des Linken bekannt machen musste, eh sie ihn selbst recht kannte. Es blieb ihr auch etwas von diesem Missvergnügen übrig, als sie nach haus kam, und sie vermied mit Linke viel zu sprechen; der dann auf die Vernintung kam, seine Grossmutter müsste sie mit etwas beleidigt haben. Hannchen war froh, als er mit der Frau fort musste, die Abends spät Hännchen einen Pack mit den geschenkten Sachen schickte, die dann ihrer Mutter alles Vorgegangene erzählte: welche ihr Mut zusprach und sie sorgfältig ermahnte die alte Frau in dem guten Humor zu lassen, und aufs geduldigste und sorgfältigste mit ihr umzugehen. Sie wieder holte ihn dabei immer, dass sie sich freue, sie um viel glücklicher zu sehen, als sie in ihrem Leben nicht gewesen wat. Linke erriet nun zu haus die Ursache der Verlegenheit, worinn er seine Braut gesehen, war aber so feindenkend, nicht viel davon zu sagen. Hannchen machte sich mit ihren Schwestern alle die Kleider und Hauben zurecht, und musste nach dem Eifer der Grossmutter sich acht Tage hernach trauen lassen, welches ganz still nach dem Morgengebet in der Pfarrkirche geschah. Gleich den zweiten Tag erinnerte ihre Grossmutter sie an die Einrichtung des ihr anvertrauten Zimmers und der Schränke. Ihre Enkelin machte sich ohne Widerrede an die Arbeit, ordnete und schrieb alles auf; maass die Stücke Leinwand, säuberte dann die Schränke selbst, und fing an einzuräumen. Die Grossmutter sagte: sie solle alles ablesen; dieses tat sie, und da auf einer Seite das Beste, und dann das Mittlere u.s.w. stunde; so sagte die alte Frau; nun schreibe sie auf:
"Weisses Zeug von Christian und Hanne Linke."
Das gute Weibgen staunte und dankte ihr mit nassen Augen. Das hat sie durch ihr Spinnrad verdient, meine Tochter, sagte sie, indem sie ihr die hände drückte. Ein Zimmer darf sie neumodisch einrichten, wär' es auch nur wegen Herrn und Frau Cleberg, damit die sehen können, dass sie nicht so schlecht sei. Die Sanftmut und kindliche achtung Hannchens freut die Frau ungemein, und sie will nun, dass der Sohn einer reichen guten Freundin von ihr eine Schwester Hannchens heirate, und Linke ist unendlich glücklich. Ich habe die zweite Schwester zu mir genommen, ob schon Herr Stiegen gern gesehen hätte, dass es die dritte gewesen wäre, die ihm, nach Hannchen, am besten gefiel und wie Ott vorbat, so soll er sie recht wünschen, und dann bekommen. Die Mutter liess mir sie nicht, weil sie zu luftig und zu hübsch sei. Cleberg hatte die jungen Leute und die Grossmutter selbst abgeholt, als sie bei uns in Seedorf das erstemal nach ihrer Heirat assen. Das gefiel der alten Frau auch sehr, und sie sagte nach ihrem Tone recht gute Sachen. Die Aufführung ihrer Enkelin gegen sie ist rührend und ein Beispiel für alle junge Leute, wie die Stärke der Jugend die Schwachheiten des Alters tragen solle. Jeder Tag erwirbt ihr Segen, und vermehrt die Liebe ihres Mannes.
Nun haben sie einen ganzen Roman aus dem Privatstande, denn Linke ist nur zweiter Stadtschreiber.
Hundert und zwölfter Brief
Rosalia an Mariane S**.
Ich habe einen neuen merkwürdigen Gast. Das ist ein sonderbarer Mann der alte Stiegen! Aber nie sah ich einen so einnehmenden und so geistvollen Alten, als ihn und meinen Oheim, jedoch mit dem wesentlichen Unterschied, dass, da Letzterer alle seine Ideen zu Taten zu machen suchte, er sich mit vieler Klugheit, in seinem Wirkungskreis einschränkte, in diesem aber alles ausführte, was darin zu tun war; weil er, wie er sagt, alles sein Feuer nur auf