zu seiner Frau an, und legte ihnen die Papiere vor, welche die Einkünfte seines Amts, und diejenigen, welche ein vorzügliches Geschenk von seiner Grossmutter bezeichneten; aber freilich vom letzteren nur in so fern, als er und seine Frau sie bei sich versorgen würden. Da war nun zwar kein Ueberfluss, obschon beides zusammen gerechnet wurde; aber es war mehr, als die gute Frau Itten mit ihren sechs Kindern jemals gesehen hatte. Also kam es ihnen viel vor, und sie freuten sich ihre Tochter um so viel glücklicher zu sehen, als sie nicht gewesen. Man bewilligte ihn sein gewünschtes Hannchen, neben der aufrichtigen Eröffnung, dass man ihr kein Vermögen mitgeben könne, er solle diess seiner Frau Grossmutter nochmals sagen, und allen Vorwürfen vorbeugen. Er ging gerade zu der alten Frau hin, und diese fasste einen ganz eigenen Entschluss; sie hieng nämlich ihren grossen Mantel um sich, nahm unter denselben ein kleines Kästchen und eine lederne Brieftasche mit einem eisernen Schloss verwahrt, und sagte zu ihrem Enkel im Herausgehen aus dem Zimmer: Christian! komm und führ mich zu deiner Braut. Ich will deine Sache selbst richtig machen, sonst wird es mit dem ewigen Geträndel kein Ende. Linken ward angst und bange, wie die Ittens wohl diesen plötzlichen Einfall aufnehmen würden; er besorgte auch etwas von dem trotzenden Tone seiner Grossmutter. Doch durfte er ihr nicht widersprechen oder Vorstellung tun, und empfahl also alles den lieben Himmel. Er ging aber, sagte er, als auf Dornenspitzen mit blossen Füssen, und musste der alten Frau immer von Hannchen und ihren Eltern vorerzählen. Als sie gegen das Haus kamen, fehlte ihm beinah der Atem; er wies es ihr, und ging langsamer, damit sie es betrachten, und er sich fassen könnte. Aber, sie sagte: ich kenne es von aussen schon lange; denn, so bald du mir von dem Mädchen und den Leuten sprachst, so liess ich mich in die Strasse führen, und beguckte das Haus, wo meine Enkeltochter wohnt. Nun musste er klingen und alle seine Vernunft zusammen fassen, um in allem auf seiner Hut zu sein, und gleich alles wieder gut zu machen, wo es hie oder da fehlen könnte. Die Magd öfnete die tür, bückte sich schön gegen ihn, sah aber die alte Frau mit etwas Staunen an. Linke, sagt ihr, sie möchte der Frau Itten melden, seine Frau Grossmutter wolle sie besuchen. Das Mädchen lief was sie konnte und Linke ging langsam durch den Torweg, und sah nachdenkend aus; so, dass die Alte sagte: Hör! was ist es mit dir? du bist ja ganz verwirrt! Entweder schämst du dich meiner, oder du hast mir zu viel Schönes von den Leuten gesagt, und fürchst, ich ertappe deine verliebten Erzählungen auf der falschen Seite. Liebe Frau Grossmutter! rief er: haben sie keinen Verdacht auf nichts. Sie werden finden, dass ich wahr geredet habe, aber mir ist Angst, ob sie meine Augen für Hannchen haben werden.
Da! da! sagte sie; aber Frau Itten kam mit möglichster Eile herbei; die Magd öfnete die Prunkstube und man führte den Besuch hinein. Die alte Frau war sehr höflich, und sah mit Vergnügen um sich her; dann kam Herr Itten auch, wo dann die alte Frau gleich anfing: "dass sie wohl nicht nötig habe, die Ursache ihres Besuchs zu erzählen, weil Linkens Grossmutter nur kommen könnte, um selbst alles zu bekräftigen, was er von ihren Beitrag zu der Heirat gesagt habe."
Die Itten sahen sich an! Linke erholte sich wieder und dankte ihr. Nun nahm sie Frau Ittens Hand und bat sie ihr die Braut, ihre Enkelin, sehen zu lassen. Linke wollte sie holen. Das ist recht: aber du solltest doch erst Vater und Mutter fragen, ob du darfst?
Sie nickten, ja! und er war fort; da sagte sie viel Gutes von ihrem Enkel Sohn, wie er von Jugend auf ein guter Bub gewesen, und ihr Mann ihn meist erzogen habe; dass ihre Tochter recht gut mit ihm ankom men würde, und dass sie gegen Gewohnheit der Schwiegermütter, mehr auf Hannchens als auf Linkens Seite sein wolle. Hannchen kam etwas zaghaft und verschämt, aber sie ging ihr freundlich entgegen. Das ist recht schön! sagte sie: so sittsam rot zu werden das ist auch alte Mode, wie dieser Teppich und diese Stühle, aber meine liebe Tochter, das ist das beste Stück vom Heiratsgut eines braven Kindes. Nun verlangte sie das ganze Hans zu sehen. Der arme Linke geriet aus einer Verlegenheit in die andre, über diese Art von Unverschämteit der alten Frau. Er hatte nicht mehr das Herz aufzusehen. Hannchen aber hatte sich gefasst, und führte sie überall hin, wiess ihr alles, erklärte alles, und bot ihr den Arm, wo eine Stufe zu steigen, oder sonst eine Beschwerlichkeit war. Im Krankenzimmer faltete die Frau die hände, und war ganz bewegt, legte ihre Brieftasche hin. Lieber Gott! sprach sie endlich: Meine Tochter! so ein Zimmer ist das erste für mich. Aber das ist schön! sie hielt Hannchens Hand dabei, als sie diess sagte: Christian! rief sie zweimal, (denn er war immer etwas zurückgeblieben.) Er kam und sie winkte ihm näher. Hör, mein Sohn! Ich wünsche dir Glück, dass du in eine so