ihm alles Spielgeld nahm, seine Kleider und Bücher verkaufte, durchbrachte und ihn, wenn er klagte, oder ihm Vorstellungen tat, noch schlug und zankte. Ach, wer sollte den guten Herrn Wilhelm nicht geliebt haben. Meine Tante half diesem heimlich, und ich tröstete ihn. Er freute sich darüber liebte mich und studirte doppelt fleissig. Meine Tante dachte, da der ältere Soldat werden wollte und immer liederlicher ward, so müsste einst der jüngere den Vorzug in Vermögen und Gütern erhalten, und da sie so viel für den Jüngern getan und er mich liebte, so würde ich durch seine Dankbarkeit einmal eine glückliche vornehme Frau werden. Der gute Wilhelm kam auch durch ihr Zureden und seine jugendliche Liebe, zu einer heimlichen Heirat mit mir. Der alte Herr Pfarrer von Ertach traute uns, und wir lebten ruhig fort, als meine Tante krank wurde und auf ihrem Todbett ihrem Mann von der Heirat redte, der aber darüber so entrüstet wurde, dass ich des andern Tages aus dem haus musste und zu meiner Stiefschwester ging, die mich aber meine Kindbettzeit über nicht behalten wollte. Meine Tante hatte mir in Eil noch ein DemantKreuzchen und Ohrringe gegeben. Die letzteren hatte schon mein Schwager für meine Kost genommen, das Kreuzgen, (sie zog es aus ihrer tasche) ist alles, was ich für mein armes Kind und mich von der Welt übrig habe. Denn, da mein guter unglücklicher Mann mich abholte und zu dem Herrn Pfarrer führen wollte, wurden wir angegriffen und beraubt. Ach Gott, ewiger Gott! mein Schwager war bei den Marodeurs, die uns anfielen. Mein Mann erkannte ihn, und lief ihm deswegen mit seinem Geld und Uhr zu, und bat mich, weil ich hochschwanger war, auf die freie Strasse zu laufen. Meine Stiefschwester erkannte ihn auch und schimpfte ihn da gab er ihr Schläge; darauf entstund, alles, alles das Elend, der Tod und der Schimpf meines armen Mannes und von mir. Niemand hörte mich, als Gott und sie; o retten sie, retten sie die Ehre meines Mannes, so, wie er seinen Bruder retten wollte. Sie schwieg einige Augenblicke, rang dann ihre hände und setzte mit einer unaussprechlichen Wehmut und Stärke hinzu: Göttliche Vorsicht! du wusstest, dass der Beste nichts wollte, als Brudertreue, Bruderliebe üben, und du liessest dadurch sein Leben, seinen guten Namen und mich zu grund gehen! Ach! wie sollen Menschen an eine Unschuld glauben, die deine allmächtige Hand nicht retten wollte.
Niemals, mein Freund! wird dies Bild des Schmerzens, der Würde und Liebe aus meinem Gedächtnis verschwinden. Ich fasste ihre Hand, schwur bei der, Gott sei Dank! eigenen Unschuld meines Lebens, dass ich die Unschuld und das Unglück ihres Mannes glaube, und den nemlichen Abend noch einen Aufsatz in das Protokoll und die Anzeige an die Gemeinde machen wolle. Sie hielt, während ich ihr das sagte, eine meiner hände zwischen ihren beiden, und ihre sterbenden aber sehr schönen Augen waren voll sehnsucht, Hoffnung, Dank, und sanfter Freude auf mich geheftet. Endlich drückte sie meine hände an ihr Herz: Gott, Gott lohne sie! Ich kann nicht reden, in der Ewigkeit will ichs tun, mit meinem kind will ich sie vor Gottes Tron begleiten und himmlischen, ewigen Lohn erbitten. Ich sagte ihr, dass ich so leben wollte, dass ihre fromme Seele und ihr unschuldiger Mann mich mit Freuden in der Ewigkeit erblicken würden.
Sie weinte nun vor sich bin. Ich war auch still, und gewiss, die ganze Welt mit Grösse und Macht war vor dem Hirtenhause an der Seite einer höchst unglücklichen, dem tod nahen person, völlig vor mir verschwunden und Tugend, Wahrheit, Menschenliebe, Güte und Ewigkeit allein in meiner Seele. Ich begleitete sie schweigend in das Haus, und ging tief heim. Auf dem Wege begegnete mir jemand, der mich suchte. Der alte Beamte sei dem Augenblick an einem Schlagfluss gestorben. Wie froh war ich über diesen Zufall, weil mir dadurch alles erleichtert wurde, was ich für das arme geschöpf tun wollte. Da der junge Beamte das Herz gut und weich genug hatte, um im ersten Genuss von Glück, der Freiheit, den Besitz des Amts und Vermögens gern eine Wohltat auch auf andre auszugiessen. Er musste noch in der Nacht fort, um dem Herrn von Grünburg den Todesfall anzuzeigen, und die Bestätigung in seinen Dienst zu erhalten. Ich besorgte die zwei Tage das Amt und die Anstalten des Begräbnisses. schrieb aber meine Gedanken über die Ehrenrettung des armen Rechels auf. Liess den Hirten kommen, dass er die Frau bis auf die Zurückkunft des neuen Amtmanns trösten sollte, und brachte es wirklich dahin, dass der Verstorbene bei dem Gerichte und der Gemeinde gerechtfertigt, sein Sarg ausgenommen wurde, und er ein ordentliches Grab bei den ehrlichen Dorfbewohnern erhielt.
Die Ergiessungen der Freude und des Segens seiner Witwe sind unbeschreiblich, eben so, wie die Scene vierzehn Tage vor ihrem tod.
Als es eines Morgens sehr neblicht war, wollte ich, wie im Frühjahr das Aufsteigen der Wolken, und ihre durch den mindesten Hauch des Windes abgeänderte Gestalten sehen, und dachte wohl, dass die Dünste des Kirchhofs die stärksten und dichtesten sein müssten; heftete also meine Augen am meisten dahin, und wurde allmählich einen weissen Fleck gewahr, der an der Seite der Mauer fest blieb. Als ich ihn deutlich erblickte, war es die Gegend von Rechels