sagen dürfen, weil sie das Kind gar zu lieb hätte und ihr seeliger Mann ihr auch versprochen hätte, es mir seinen Enkeln zu erziehen. Wir wollten sie mit Kleidung und Wäsche unterhalten. Denn die Stiftung gibt nur ein Stübchen, Bett, Holz, Habermehl, Salz Brod und etwas Schmelzbutter, wenig und klein, doch so, dass ihre wohnung nicht übel ist. Sie lässt der Hirtin alles, was sie von der Stiftung kriegt, und isst Brei und Suppe mit ihrem kind. Denn Brodt kann sie nicht mehr geniessen, und weisses haben wir im dorf nicht alle Tage." Von der Niederkunft, von den Wohltaten, die sie und ihr Mann der Unglücklichen erzeigt, konnte die Frau Pfarrerin sehr lang und ordentlich erzählen; aber die geschichte wurde mir nicht klar. Sie mengte Vorwürfe darunter: Man sollte nicht höher fliegen wollen, als einem die Federn gewachsen wären; und dann von einem liederlichen Bruder, der gemeiner Soldat geworden, und mit einer Marodeur Bande herum gezogen, und seinen jüngern Bruder selbst erschossen habe! Nun machte ich Bekanntschaft mit dem Hirten auf dem feld, dessen einfache Reden und Bemerkungen meine Ideen und Entschlüsse festsetzten. Ich fand ihn bei seinen Kühen an einem Baum gelehnt, die Hirtenflöte recht gut und mit anständigen Geberden blasend; ein starker hübscher Mann, handbest, aber freundlich in seiner Miene. Ich sah, dass er meine Freimütigkeit verdiente, und fragte ihn gleich nach der Frau und dem kind die bei ihm wohnten. Er betrachtete mich schweigend und genau; endlich sagt er: Warum fragen Sie nach ihnen, mein Herr? Weil mich beide dauren, und ich der Mutter und dem kind Gutes tun möchte. Er sah mir noch forschender ins Gesicht und fiel ein: Ei, sie sind; wie mich däucht, der Herr Amtschreiber von Grünburg, Ja, mein Freund! kennt ihr mich? Nun reichte er mir seine Hand ja Herr! ich kenne sie! Gott lohne ihnen, was sie dem armen Söldner Jacob vor acht Tagen Gutes taten! Er ist mein ältester Bruder: Es ist ein redlicher Mann und ich hab ihn gerne. Ich bin auch redlich. Sagt mir doch was von der Frau und ihrem kind; es wird euch nicht gereuen. Er sagte lebhaft: Gewiss nicht, Herr! denn ich kann nichts sagen, das ihr Schaden täte, und das wär', was mich reute! Warum gebt ihr nur eine so stutzige Antwort? Ach, Herr Amtschreiber! Ich weiss wohl, dass sie recht gut mit den Bauerleuten sind; aber, ich muss es nur sagen, es verdross mich, dass sie von der Redlichkeit meines Bruders sagten, und von der ihrigen, und dann von mir dachten das Versprechen: es wird euch nicht reuen! werde mich gleich alles her erzählen machen, was ich von der armen Frau wisse! Hirt! gebt mir eure Hand! Ihr seid ein eben so braver Mann als euer Bruder! Die Anliegenheiten eurer Freunde sind euch also nicht um Geld feil; aber, ich meinte es nicht so, sondern ich wollte euch die sorge nehmen, als ob der Frau Leid geschehen könnte, wenn ihr was von ihr sagtet; denn, sehr! ich möchte ihr helfen; aber, ich muss doch wissen wie? Die Mutter, Herr Amtschreiber, wird keinen Menschen mehr viel kosten! der hilft Gott, denn sie ist ausgezehrt, wie ein Marterbild und geht dem Himmel zu. Aber dem kind! nun das wird dem gewiss vergolten, der es tut. Ich hab den Gottes Lohn verdienen wollen aber, der arme Bube ist mir so lieb, dass ichs ihm gern gönne, wenn es ihm besser geht.
Guter Mann! Ihr sogt mir alles, nur das nicht, was ich wissen möchte. Lieber Herr Amtschreiber! ich glaube, sie wissen schon Alles, was man ins Protokoll gesetzt hat, und was kann da ein armer gemeiner Mann gegen ein Amtsurtel sagen, wo noch dazu ein Reicher einen Eid geschworen hast Hirt! Soll ich jetzt auch böse werden, weil ihr über die Amtsurtel so verdächtig redt? Er schien etwas betreten, fasste sich aber gleich: Verzeihen sie mir Herr- Amtschreiber, aber, der Eid von einem reichen mann und ein Amtsurtel sind Schuld dass ich Hirt bin; und sind Schuld, dass die Frau im Spital stirbt, da ist eins zum andern gekommen, und hat mir warm gemacht! Ich erkannte in allem was er sprach und an seiner Miene einen vernünftigen und entschlossenen Mann, und verlangte von ihm die geschichte seines Lebens und die, von der armen Frau; er möchte mich dagegen auch fragen was er wollte, ich würde ihm nach der Wahrheit antworten. Herr! Sie sind ein neuer Schlag von Amtschreibern, Wenn es vor sechs und zwanzig Jahren so einen gegeben hätte, aber was nutzts daran zu denken! Gott hat es so haben wollen, dass mein Vater und Osan Schulteiss und ich Hirt sein soll; es ist gut, recht gut, wenn alles im Gewissen ruhig ist. Ein redlicher Hirt in unserm dorf und dem kleinen Spital, der den armen Kranken ein Wort von Gott und Christo den Herrn zu reden und vorlesen kann, ist auch was wert, und den Bauern ist an ihren Kühen eben so viel gelegen, als dem Fürsten an seinem Mahrstall, und den lieben Vieh tuts auch gut, wenn es einen treuen freundlichen Hirten hat! Dies sagte er Alles vor sich