die Bettpfühle in die Höhe heben. Lauter Federn und Pflaumen von selbst gezogenen, und mit Nutzen verkauften Gänsen waren darin. Alles Leinen war von ihr; denn sie hatte nur vier Betttücher, und nur für dreimal Tischzeug mitbekommen, allen Flachs selbst gehechelt, alle Gemüse selbst gepflanzt. Sie kocht die Seife selbst, hilft waschen, giesst Lichte, näht, strickt und kocht für alle, nicht zu vergessen die Milch, Butter und Käse, getrocknetes Obst und Schaafe, die sie zieht; schwarze und weisse Wolle vermengt, das dann dem mann und Sohne Alltagskleider gibt, die recht gut stehen. Die Baumwolle behält sie für sich zu Kamisölchen; denn sie lässt sie mit weissem Garn in Streifen wirken, und das sieht wie Stof. Ich bewiess ihr meine aufrichtige Hochachtung darüber. Es freute sie herzlich; sie drückte meine Hand und empfahl mir ihren Friedmann. Sie wollte schon manchmal Etwas in mein Stübchen bringen, das mich freuen sollte. Ihr Mann sei ein wenig zu streng; aber ein geschickter Mensch, wie ich; wüsste sich in Alles zu schicken; sie blintzte mir dabei freundlich zu. Den Tag darauf, war die Frage von einem Streit, den zwei Gemeinden über die grenzen hatten; Ich sagte, da müsste man das Land nach den Lagerbüchern abmessen, wo alle Morgen und Ruten beschrieben sein müssten; ich verstünde das Feldmessen. Das freute den Alten; ich sollte es seinen Sohn (aber umsonst) lernen. Denn ich müsse ja in seinem Dienst arbeiten. Ich bewilligte alles, und bei diesen Beschäftigungen auf dem land hatte ich gelegenheit, den jungen Mann recht kennen zu lernen; umzubilden; im Guten zu stärken; mit den bauern zu reden, die bald gern in allen folgten, und mich lieb gewannen; denn es war den guten Leuten so fremd, so ungewohnt, dass man liebreich mit ihnen umging, und darauf bedacht war, ihr Leben zu versüssen und ihnen auch ihre Arbeit vorteilhaft zu machen, denn bisher hatte man sie gedrückt und ausgesogen. Sie merkten, dass der junge Beamte besser sein würde, als der Alte, und fingen wieder an, froh auf ihre Kinder und Felder zu sehen. Ich wurde von den Eltern gesegnet und von den Kindern geliebt, und niemals habe ich meinen Kopf und herz besser genossen, als bei diesen guten Leuten!
Heute Latten so weit! Die nächste Woche das Uebrige, wenn Ihnen der Mensch eben so gefällt, wie mir. Er soll dazu schön sein, wie Benjamin West. Gefährlich für mich, sagt Cleberg, weil er ein melancholischer Schwärmer wäre. Wir wollen sehen, wenn nur muntere Mädchen für Cleberg nicht gefährlicher sind.
Hundert und zweiter Brief
Rosalia an Mariane S**.
O meine Liebe! wie viel verborgenes Weh, und was für gehässige, einem wohlwollenden Herzen unglaubliche Art Menschen wohnen mit und neben uns auf der guten Erde; Gott sei Dank! dass es gewiss eben o viel unbekannte Freuden und Tugenden gibt, die den Himmel wieder aussöhnen, und uns vor einer neuen allgemeinen Verwüstung bewahren; dieser Anfang meines briefes muss ihnen sonderbar scheinen; aber, wenn Sie nun das Uebrige von Herrn Lattens Schreiben werden gelesen haben, und Da Sie mich kennen, so wird es Sie ganz natürlich dünken, dass ich in diesen Ton geraten bin. Herr Latten fährt fort:
"Nachdem ich etwas über fünf Monate da gewesen, wurde ich krank und musste mein Zimmer hüten; konnte aber dabei herumgehen und schreiben; ich ging manchmal an mein Fenster, um mich des Morgens an der schönen Aussicht zu erquicken, da sah ich den zweiten Tag einen Hügel herunter, eine liebenswürdige Gestalt langsam gegen die zerfallene Schlosstreppe gehen, an einem Stocke heruntersteigen und auf dem Kirchhof, zwischen den Gräbern hin, an den abgesonderten Platz schleichen, wo die sogenannten armen Sünder verscharrt werden. Sie setzte sich auf den Absatz der Mauer, (ich hatte mich gleich Anfangs zurückgezogen, um sie, von ihr ungesehen, zu beobachten) lehnte ihren Stock neben sich, faltete ihre hände, streckte sie mit einer Art von ringender Bewegung auf einem ihrer Kniee aus, senkte mit kummervoller Anmut ihren Oberleib und Kopf gegen diese Seite, und schien den Platz eines elenden Grabhügels zu betrachten; sah von Zeit zu Zeit gegen Himmel und mit sanfter Wendung des Hauptes auf dem Kirchhof umher; weinte, betete, brach Blumen von dem grab und ging endlich matt und schwankend den Weg zurück, den sie gekommen war. Ihr Gesicht konnte ich nicht sehen, weil mein Zimmer zu hoch von dem Kirchhof abstund; aber, sie däuchte mich jung, schön und nach Kleidung und gang von der besten Erziehung zu sein. Für mich hatte sie etwas so Anziehendes in ihrem ganzen Wesen, dass ich lange nicht von meinem Fenster und von der Betrachtung des Platzes kommen konnte, wo ich sie gesehen hatte. Ich vertiefte mich mit in den Kummer, der sie zu den Gräbern geführt hatte. Aber der Platz, den sie gewählt, und wo sie Blumen gepflückt hatte, war das, was mich beinahe am meisten staunen machte. Ich hielt mich nun öfter an meinem Fenster auf, und sah in den folgenden Tagen wohl tausendmal nach dem Wege, den ich sie von der Anhöhe her hatte kommen gesehen. Es verflossen wohl acht Tage, ehe ich sie wieder erblickte. Da sass sie auf einer der obersten Stufen der Treppe mit einer Bauerfrau, die ein Kind von einem Jahr auf dem Schoosse hatte,