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steht sie dem

Kleinern Luftvolke Erlen hoch

Und bleibt Welten unersteiglich.

Welten! auf meinem Gräschen!

Welten! dem Menschen auge

Unscheinbar, seid ihr glücklich?

Staub Bewohner!

Schleicht nicht der Neid, der

Wonne Verzehrer durch

Eure Städte

Aus Monaden gebauet?

Rasseln nicht Ketten von

Eines Tyrannen Tron

über Eure Nacken hin?

Würgt ihr Euch nicht

Um Atomen Gewinn

Und setzt Ehren nur

Dem, der Atomen häuft?

O! dann glücklich! glücklich seid ihr!

Staub-Bewohner! dem Menschen, der

Aus dem Dasein euch

Unbemerkt wegtritt,

Dem sticht Gram ins Herz!

Aber Gräschen! du,

Bald hast du weggescherzt

Deinen Frühling! ein Sichelschnitt

Fällt dich mit Tausenden

Deiner Brüder; Doch, traure nicht,

Stufenweise steigst du zu

Höheren Leben auf;

Eile zu wandlen dich

In das Leben des Tiers;

Einst ein heiliger teil des

Edelsten Gottes Geschöpfs.

Wall ein Tropfen Blut

In dem Herzen des Menschenfreunds.

Ich will alle Landarbeiten kennen lernen. Ackerbau, Viehzucht, die ersten der nützlichen Wissenschaften; von diesen will ich anfangen, einen neuen gang durch alle menschliche Kenntnisse zu machen. Sie denken aber schon, dass es nichts anders sein wird, als Namen und kleine Beschreibungen des Gebiets der Erfindungen und des Wissens durchzugehen, wie man, ohne von seinem Geburtsort zu reisen, die geographische Beschreibung der Erde sich bekannt machen kann, und es angenehm ist, bei Durchlesung einer Zeitung, oder Anhörung einer geschichte, gleich zu wissen, in welcher Gegend der Welt der Auftritt sich ereignete.

Meine Hauseinrichtung war den ersten Tag geschehen, weil alles höchst einfach angestellt ist. Da habe ich gleich die Bekanntschaft, mit unserer BaurenHaushaltung gemacht. O, Liebe! was für ein teures, schätzbares Weib ist eine gute Bäurin! Wie viel mehr, als wir, muss sie die Kräfte ihres Lebens verwenden, um Kühe, Kälber, Milch, Butter und Käse zu der gehörigen Nahrung ihrer Leute und zugleich zum nutzbaren Verkauf einzuteilen. Den Hühnerhof und das Mastvieh durch Abfall der Früchte des Obsts- und des Gemüsgartens aufzuziehen, und zu vermehren; damit alles benüzt und von des bauern angepflanzten Futter, wieder Etwas zum Verkauf gespart werden könne. Hanf- und Flachsbau, Zubereitung, nötiges Leinen davon in das Haus und dann das möglich Uebrige auch zu Gelde gemacht, früh und spate Aussicht über das Gesinde, und dann Kindes zu besorgen. Die Verantwortung des ganzen inneren Hauswesens; das Beispiel der Arbeit in allen zeiten; in der Heu- und KornErndte, die so schwer sind. Ich sehe mit wahrer achtung die jungen Weiber an, welche zugleich mit mir zur Ehe eingeseegnet wurden. Mich dünkt, sie haben mehr nützliche Taten vor sich, als ich sammlete. Mein Oheim machte mich mit so viel Vergnügen mit den Ackerwerkzeugen bekannt, die ich um so mehr betrachtete, als mein Cleberg die Säemaschine einführen will, mit welcher ein Acker nur Ein Fünftel Aussaat braucht, und kein Körnchen verlohren geht.

Unser Hofbaner soll der zweite Klyjag werden, und es ist schon alle Anstalt zu des Schwitzers Dünger gemacht. So gar aus meiner Koch- und Waschküche darf kein Tropfen verlohren gehen. Der Eifer, den mein sonst so galanter Cleberg für alle diese Beschäftigungen zeigt, macht mir ihn sehr wert. Er legt einen Ton von Verehrung der Erde und ihrer Wohltaten hinein, der an dem schönen jungen Weltmann ganz reizend ist. Die Ursache, warum ich nicht in unsern Garten durfte, eh wir herzogen, war, das eine artige englische brücke über den grossen Graben geschlagen wurde, der durch Cleberg zur Austrocknung eines Sumpfs diesen Winter aufgeführt ward. O wie viel kann ein denkender und tätiger Mensch für sich und andere tun, besonders auf dem land, wo die Tage weniger zerstreuet werden; Ich freue mich, über das Glück der Bauerkinder! Gleich jungen Vögeln, sobald sie aufrecht sich halten können, tragen sie etwas zu ihrer Nahrung bei und die nützliche Arbeit wird ihnen Vergnügen und Bedürfnis. So müd' ich auch von einem etwas langen Spatziergange bin, so muss ich doch das beschreiben, was mich besonders rührte. Eine Viertel-Stunde von Seedorf geht das Land abwärts und macht ein anmutiges Tal, das durch die Ringbach bewässert wird. In der Spitze dieses Tals liegt ein kleines Dorf, welches vor einigen Jahren beinah ganz abbrannte und freilich jetzt um so schöner aussieht. Ein Fusspfad leitet in der jähesten Ecke hinunter. Mein Oheim führte uns zum Müller des Orts in den Garten, der in ein Baumund Gemüsstück abgeteilt ist. Nun liebe ich von meiner ersten Jugend an die Baumstücke am meisten, weil ich in einem Bauergarten das Erstemal eine freie Aussicht, freie Luft, die Schönheit der Wiesen und blühenden Bäume genossen hatte. Und gewiss, dass erste starke Gefühl des Vergnügens bleibt und zieht uns immer zu diesen Gegenstand. Ach! möchte doch jede erste Freude eines gefühlvollen Herzens aus unschuldigen Gegenständen fliessen, weil diese Quelle niemals versiegt und immer reizend bleibt. Sie liessen mich und Hannchen herum trippeln, bis sie uns am Ende des Baumstücks stille stehen sahen, denn dort liegt ein zerbrochener Mühlstein an einem grossen Birnbaum und ein Rebenstock ist an einem Pfosten hinauf über den Stein zum Schatten gebogen. Hannchen und ich blieben stehen, weil wir zwischen dem Traubengeländer und der Hecke hin die Aussicht in das ganze Tal hatten. Mein Oheim führte mich aber näher zum Stein, in welchem diese Aufschrift gegraben ist:

"1772 hab ich, Hanns Kofel, 80 Jahr alt, bei