1779_La_Roche_065_205.txt

der Nusshecke zum jungen Eichwald, in welchem wir einen Grassplatz leer gelassen, und von der grossen Quelle, eine Rinne abgeleitet haben, die durch gedeckte Röhren läuft, und zwischen zwei Moosbänken über kleine Kiesselsteine in ein Becken sprudelt; dort hatte der gute Wolling die Kinderscene veranstaltet. Auf der ersten Hälfte des weges blieben wir bei dem Tone einer Schalmei stehen, die man sehr artig spielte. Aber Wolling winkte uns nach dem Eingange des Quellplatzes und verschwand sogleich. Ich staunte über den Anblick der Verzierungen, die er angebracht hatte. Die Quelle und zwei Moosbänke sind gerade dem Eingange gegen über. Da war hinter der Quelle ein von Tannenreis gemachtes Stück Wand, das sich an zwei schöne Eichen lehnte; etwas vorwärts waren zu beiden Seiten über den Moosbänken, auch solche Wandstücke, die bis an die Aeste der Bäume reichten, welche darüber herunter hingen. Auf der mittlern Wand war in weissen Rosen ein V. G. auf denen an der Seite in Roten H. P. und G. P. zwischen gelben Wiesenblumen Cränzen aufgehänkt. Alle Bäume an beiden Seiten waren mit grünen Wandstücken bestellt, an denen grosse Blumensträusse herunter hingen. An der Ecke der einen Moosbank stunden die zwei Mädchen unsers bauern, sauber gekleidet, mit weissen Schürzen und neuen Strohhüten. Die eine hatte die Hand an einem grossen Milchtopf, der auf der Bank stunde, und kleine Milchschüsselgen waren in einer Reihe dabei gestellt. Das andre Mädchen hielt die Henke eines schönen Armkorbes, über den die Ecken eines weissen Tuchs etwas heraus hiengen; über dies ragte eine grosse irdene Schüssel mit Blättern bedeckt, auf welchen frische Butterstücke, nach bäurischer Art geziert und geformt lagen. Neben dem Korbe auf einem hölzernen Teller kleine Käse, und Weidenkörbchen mit Kirschen. An der andern Bank stunden zwei hübsche Bauerknaben, auch reinlich angezogen; ihre runden Hüte auf den Köpfen. Der eine, bei einem leeren Bienenkorbe, auf welchem noch Stücke von Wachswaben lagen, in denen noch Honig war. Ein weisses irdenes Geschirr voll Honig mit einem Löfel darin, stunde daneben; dann Weidenteller voll Pflaumen und an der einen Ecke der Bank ein andrer Knabe mit einem Korbe voll kleiner weisser Brödtchen. Ein grosser Laib Hausbrod lag neben dem Korbe. Den Augenblick, da ich mit den Pindorfischen Kindern, ein paar Schritte vorwärts gegangen war, hüpften, nach der Musik einer Flöte und Schalmei, Lottchen und Nanny Wolling mit der kleinen Auguste und Louise Moos, an einer Blumenkette sich haltend, uns entgegen; alle in neu Leinen gekleidet, Strohhüte und Sträusse an den Köpfen, drehten sich recht artig gegen Henrietten und sangen; da ihr Lottchen ein Blumengewinde umhing:

Sei willkommen, Henriette!

Schön, wie diese Blumenkette,

Sollen deine Tage sein;

Kaum hatten die Mädchen das ausgesungen, als die Knaben auf der andern Seite hervor tanzten. Carl und Gottlieb Wolling mit Bernhard und Philipp Moos in saubern leichten Zeug gekleidet und Kränze um ihre Strohhüte gewunden, hatten auch eine Blumenkette, an der sie sich hielten, gegen Gustav sich bewegten, und Carl, der einen Kranz in der Hand trug, setzte ihn unterm Singen auf Gustavs Hut:

Willkomm Gustav, edler Knabe!

Nimm von uns die erste Gabe,

Einen Kranz aus diesem Hayn.

Während dem Singen der Knaben tanzten die Mädchen auf der andern Seite im Reihen herum; kamen dann näher, und Carl und Lottchen sangen zusammen:

kommt und nehmet alle Beide

An der Lust, und an der Freude

Von uns guten Kindern teil.

Nun tanzten die Knaben allein, und Lottchen sang, auf die Quelle weisend:

Rein und helle,

Wie die Quelle,

Macht die Unschuld unser Herz!

Alsdann kamen die Knaben näher, und die Mädchen tanzten fort: Carl sang:

Wald und Sonne

Giessen Wonne

über frommen Jugend-Scherz

Gustchen Mooss, mit ihrem Silberstimmgen:

Morgenröte

Und die Flöte

Guter Hirten weckt uns auf;

Bernhard Mooss:

Und dann lernen

Wir von Fernen

Guter Menschen Lebenslauf.

Nanny Wolling:

Engel sehen

Wo wir gehen:

Sind zu Wächtern uns bestellt.

Gottlieb Wolling:

Tau und Regen

Bringen Seegen

Auf den Garten und das Feld.

Louise Mooss:

Blumen blühen;

Bienen ziehen

Wachs und Honig uns daraus.

Philipp Mooss:

Vögel singen,

Schaafe springen,

Ganz vertraut um Hof und Haus.

Lottchen Wolling:

Abends blinken

Stern', und winken

Uns, und alles in die Ruh!

Carl Wolling:

Und wir schliessen

Mit dem süssen

Gott sei Dank! die Augen zu.

Nun hüpften die Knaben und Mädchen gegen die jungen Pindorfs, die ganz entzückt neben mir stunden. Carl Wolling reichte Gustaven, und Lottchen Henrietten das Ende des Blumengewindes, an dem sie getanzt hatten und beide sangen dabei:

Komm, Gustav! komm, Henriette,

Fasset diese Blumenkette,

Machet sie zum Freundschaftsband.

Sie blickten mich an und ich winkte ihnen, dass sie es tun, und mittanzen sollten. – Mit was für Freude sah ich die liebenswürdige Reihe dieser guten unverdorbenen Herzen, voll inniger Fröhlichkeit, gesund und harmlos mit so viel natürlicher Anmut herumspringen! – Schon im Singen hatten Sie mein Herz erweicht. Ich wollte die Baurenkinder sich mit anschliessen lassen, und bewegte mich also von meinen platz. Den Augenblick kamen Wolling, seine Frau, Meta und Willhelm Moos hinter einer Fichtenwand hervor, schlossen sich an die Reihen, und tanzten alle um mich her. Meta sang mit ihrer so schönen stimme:

Wollinghof hat tausend Freuden,

Frau Wolling:

Liebe, Güte