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, die hinzusetzte: unsere Einwendung käme wohl zu spät! Und dann sagte die Frau noch, führt Euch nur gut auf und lernt schön fleissig bei der Madame und dem Herrn, auf Wolling zeigend. Mein Mann wird wohl den Accord schon gemacht haben? sagte sie gegen mich, indem sie die Kinder mit der Hand zurückwies.

O ja, schon lange! antwortete ich, mit einer muntern Verbeugung dazu. Herr von Pindorf schien über seine Frau und mich etwas verdriesslich. Seitenblicke seiner Frau Schwester brachten ihn völlig aus der Fassung. Ich ging zu den Bildsäulen bin, liess seine Flau, mit ihrem lächerlichen stoffnen Canapee und die Dame von Sofein mit den galanten Messieurs stehen, und sprach mit Wolling über die Schönheit der Grazien und den so vortreflich gewählten Platz. Wolling hatte noch gehört, dass die Dame von Sofein den Herrn sagte, ich sei eine Engländerin, die eine Erziehungsschule aufrichtete, und, auf ihn deutend, hinzusetzte, der würde wohl der griechische Sprachmeister sein. Die zwei Herrn en Polissons lachten, wie wir selbst hörten, sehr stark. Die andern Fremden sprachen unter sich und Pindorf redete seiner Schwester zu. Die Kinder kamen zu mir, und ich setzte mich an den Fuss eines Baumes, der den Grazien gegenüber stunde, und fragte die Kinder: welche von den drei Figuren ihnen am besten gefiele? tat nicht einmal, als ob die andern Gesichter da wären; suchte auch Pindorfen mit keinem blick auf. Endlich kam er, und sagte etwas unmutig und beschämt; ob wir nicht mit ins Haus wollten? Herr und Frau von Bargen wären auch angekommen. Meine kleine Unzufriedenheit gab mir eine Röte auf die Wangen, die mir, nach Wolling, vortreflich stunde. Einer der vernünftigen Fremden bot mir den Arm; ich nahm ihn, und da er mich französisch angeredet, so sprach ich mit ihm über den Garten, die Verzierungen desselben und über die Gebäude fort. Pindorf nahm seine Kinder, und der herrliche Wolling ging still an seiner Seite mit bis in das Haus, wo wir der Frau von Pindorf durch alle ihre Zimmer nachgehen mussten. Sie sah sich hier immer nach mir um, ob ich wohl ihre köstliche Stühle und Betten bemerkte. Die Bedienten trugen auch ihr Canapee aus dem Garten nach und wir mussten still stehen, bis sie vorbei waren. Sie befahl, es an seinem ordentlichen Platz in gelb und silbern Zimmer zu stellen. Sie wissen Pindorfs Geschmack. Er hatte die Zimmer ganz weiss mit leichter Gipsarbeit zieren lassen und Betten und Stühle von Zitz geschaft. Die Gast Zimmer sind, dem Himmel sei Dank! noch so. Aber der reichen Tochter des krieges-Commissairs Raffberg war dies zu schlecht; und die vielen reichen Kleider, wovon die Jungfer Zwingin geredt, waren alle in Streifen geschnitten, blau und gelber Grund, rot und andre zusammen gesetzt und die Küssen der Canapees, Stühle und Rückwände von zwei Betten überzogen; die Füllungen der Zimmerwände weiss gelassen, aber von den Stoffen eine Art Rahme darum gemacht. Eine sehr lächerliche Pracht, die ich, um Pindorff zu schonen, nur flüchtig ansah. Denn, ich weiss, dass man oft aus Uebermaass von Güte Sachen dultet, die einem äusserst missfallen. Herr und Frau von Bargen waren in dem grossen Saal, welcher in seiner edlen Schönheit gelassen worden. Bargen ein junger Mann von sieben und zwanzig Jahren; seine Frau etwas älter als er, aber voller Kenntnisse, und er noch im ganzen Feuer der Begeisterung von einer Reise durch Italien und England, welche die einzige Bedingung war, die seine Frau in den Heiratsvertrag eingeschalter haben wollte und wovon er vor wenig Zeit zurückgekommen. Frau von Bargen hatte ein Englisches Reitkleid an, und er einen Frak; beides noch in England selbst verfertigt. Der Wert, den sie sich noch, über ihre Reise, und die Sachen die sie alle gesehen, beilegten, vergrösserte auch ihre Aufmerksamkeit auf mich; weil ich ganz den Anschein einer aus Brittanien herstammenden person hatte. Bei meinem Eintritt in den Saal war Frau von Sofein noch in der Umarmung der Frau von Bargen, und Pindorf an der Hand seines Freundes vor seiner Frau, die er ihm vorgestellt hatte. Die Bargen fragte gleich:

Wer ist die Englisch gekleidete Dame?

Ach, es ist keine Dame, sondern eine Frau, die eine englische Kostgänger- Schule aufrichtet und die Kinder meines Bruders abhohlt!

So ist es doch eine person von Talenten, und wird gut Englisch reden: und hierauf ging sie auf mich zu; und fragte mich: ob ich schon lange aus meinem Vaterland entfernt sei? lobte meinen Gedanken, eine englische Erziehungsanstalt zu errichten; es würde, hofte sie, (sprach sie deutsch, weil Dame Sofein zuhörte,) bei allen vernünftigen Leuten mehr gefallen, als die französischen Nachäfereien. Dame Sofein sagte hier ganz richtig: Ei, mein Schatz! wenn die Rede vom Nachäffen ist, so muss ich fragen, ob die Englischen Aefgens artiger sind, als die Französischen?

Frau von Bargen schien etwas empfindlich, und ich antwortete statt ihr: –

Frau von Sofein können ganz ruhig glauben, dass Gustav und Henriette, in Nichts affenartig werden sollen:

Ich will es mir auch ausbitten; erwiderte sie. – Die Bargen sprach nun wieder Englisch, und fragte, wo ich wohnte? Sie hätte eine Nichte von Henriettens Alter, die wolle sie mir auch geben. Ich antwortete, dass ich fürs Erste nur die Pindorfischen Kinder nehmen