, Bändern, Federn und Blumen eines Korbs voll, behängt waren. Ihre sehr schöne weise Brust äusserst entblösst, und die vollen Backen geschminkt, ohne dass es nötig gewesen; denn sie hat von natur, eine sehr niedliche Gesichtsfarbe. Auf den Augbraunen sah man noch das Fett und Russ der verbrannten Mandeln, womit sie bemahlt und verdorben waren. Eine, man kann sagen, ungeheure Menge italienischer Blumen waren auf den Puffen des Silberflors angebracht. Ihre Füsse über einander geschlagen, dass man beide sehr weit sehen konnte. Dieses vergab ich ihr auch gern, denn sie sind äusserst niedlich und klein. – Frauenzimmer zeigen immer gern das Schöne, so sie besitzen; und die meisten wachsen ja mit keiner andern idee des Vorzugs auf, als die Reitze ihrer person geltend zu machen. Henriette wird auch einen zierlichen Fuss und eine vortreffliche Brust haben; aber die Empfindungen ihrer Seele sollen sie weit über den Menschen hinaussetzen, der sie zuerst von dieser Seite bemerken wollte! Auch soll sie eine so kluge Eigenliebe bekommen, mit diesen Geschenken der natur als eine edle Eigentümerin ohne Ausbieten zu handlen.
Frau von Sofein, Schwester des Herrn von Pindorf, gross, wohlgewachsen, aber nicht so edel gestaltet, als ihr Bruder; ein artiges Gesicht; Spottgeist in ihrem Auge; Falschheit in ihrem Lächeln; mit sehr feinem Geschmacke gekleidet; mit gang, Stellung und Geberden einer Tänzerinn; spricht das Französische sehr gut; kennt alle Romane und Comödien. Nach letzteren ist der Ton ihrer Unterredungen und ihrer Grundsätze gestimmt, so wie sie auch das Maass ihrer Kenntnisse sind. So stolz und so höflich, als sie, habe ich noch niemand gesehen. Sie sass auf einem Lehnstuhl von Rasen, an der Seite eines blauen Hollunderstocks. Ihr Kleid von feinem gelb und weissspielenden Zeuge mit dünnen weissen Flor garnirt, und mit violetten Bändern und Blumen in ihren schönen blonden Haaren; im Ganzen sehr reizend, musste sie auch dem Künstler-Auge ihres Bruders gefallen; zu dem sie bald mit schwesterlicher Zärtlichkeit sprach, bald mit ihrem Auge einen witzigen Gedanken zueignete, indem ihr blick gleichsam sagte: Niemand als Du, hat Geist genug, mich zu verstehen, und das redliche Auge des Guten dankt der Schlange dafür. Sie sog das Mark seines ersten Vermögens noch aus, nachdem er schon die meisten Kräfte verhauet hatte; und sie überredete ihn zu dieser zwoten elenden Heirat um Geld; denn Frau von Pindorf ist an Stand nicht mehr, als ich und am Vermögen und Charakter weniger. Aber Frau von Sofein regiert sie ganz; zieht von ihr zu Spiel und Kleidung, was sie will; und ihren Bruder überwältigt sie, gegen seine grosse richtige Gefühle, bald mit Flehen, bald mit Trotz, Schmeicheln, oder Furcht vor ihrer beissenden Zunge. In meiner Gegenwart bemerkte ich diese Uebermacht, die er ihr liess und nun nicht mehr zurücknehmen kann. Seine Seele liebt und schätzt mich vorzüglich; doch war er nicht fähig, unter den Augen seiner Schwester, mir seine ganze achtung zu bezeugen. Aber, ich bemerkte an allem, dass er in seinem haus nicht mit der Würde erschien, die ihn als jüngern Mann in Italien und England Verehrung erwarb, und die er bei edlen Menschen immer hat. Die beiden Frauen blieben ganz stattlich sitzen, bis ich ganz nah war.
Ach! dachte ich, ihr wollt mich von eurer Höhe behandeln! Ich habe auch Weiber- Grillen, die um Eure Köpfe sumsen können!
Ein blick auf Pindorf, der etwas verlegen schien, als er mich und Herr Wolling vorstellen sollte; die mich messende Miene seiner Schwester, worüber er rot wurde; die grossen Augen seiner Frau, die gleich an meinen Perlen am Hals und Ohrringen sich starr guckten. – Hier gab Verachtung der zwei Weiber, und der Gedanke der Schwäche von Pindorfs Charakter meiner Eigenliebe einen Schwung über sie alle, und auch über meine leidenschaft. Ich sah mit einemmal die Ursachen, welche die Gewalt seiner Liebe für mich unterbrochen hatten. Das Gefühl von grösserer Stärke meiner Seele gab mir einen höhern Grad achtung für mich selbst der unumgänglich mit so viel Verminderung meiner Verehrung für ihn verbunden war; und von da an, blieb mir nichts, als Freundschaft für ihn. Ich kann ihn nun an der Seite und in den Armen einer andern Frau denken, ohne einen Schatten des Zerreissens zu empfinden, das ehmals in meinem Herzen wühlte, wenn dieses fürchterliche Bild vor meine Seele trat. –
Ich erhob meinen Kopf nun auch, machte eine von meinen halben Verbeugungen, von denen man immer sagte, dass niemand so viel edlen Anstand dabei zeige, als ich; nahm Gustaven und Henrietten bei der Hand, und sagte in einem ganz bekannten, aber sehr sanften Ton: Ich weiss nicht, ob es die beiden Damen artig finden werden, dass ich bei meinem ersten Besuch, diese zwei liebenswürdige Kinder entführen will! Herr von Pindorf wird Sie aber versichern können, dass sein Sohn und Tochter recht gut versorgt sein werden.
Mit der leichtesten Miene führte ich beide Kinder gegen ihre ganz stockend aussehende Mama und sagte zu ihnen: Meine Lieben! ersuchen Sie die Frau Mama und Tante, um ihre Einwilligung dazu.
Die Kinder gingen hin, beiden die hände zu küssen. Frau von Pindorf spitzte ihren Mund.
So, Gustav! gehest Du auch weg? Ja, gnädige Mama, wenn Sie und die gnädige Tante es erlauben! O gerne! sagte sie, gegen ihre Schwägerin blickend