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Sie sind ja schön, sagte Henrietteund Gustav sagte, etwas stockend und nach einigem Auf- und Abblicken an meinem Gesicht: und Ihre Augen sind so gut! ich will Sie immer ansehen! Ich küsste beide und sprach, wir wollen es also probiren, und ganz munter und freundlich miteinander leben.

Den Augenblick zappelte Henriette, die ihren Vater sah, von der Bank weg und rief: Papa, Papa! Lief aber, als er sich gegen uns wandte, wieder zu mir, und hieng sich an meinem Arm. Gustav bebte. – O bitten Sie für mich! Was er noch sagte weiss ich nicht; meine eigene Bewegung hinderte mich, ihn zu beobachten.

Sieben und neunzigster Brief

Van Gudens Fortsetzung.

Sie bekommen in der Tat ein Buch, statt ein paar Briefen! aber, ich will meinen Kopf und mein Herz mit einemmal von allen diesen Bildern und Empfindungen losmachen, und nichts als den Plan und die Bemühung für Erziehung und Glück der Kinder meiner Seele darin erhalten. hören Sie also den Ueberrest meines tages in Pindorfswald.

Ich hatte meine Backe an das Gesicht seines Sohns gedrückt, da er zu Wolling, der allein mit Gustavs Rock mit ihm kam, etwas sagte und mit trauriger Miene auf mich deutete. Ich verstund diesen Wink in meiner Seele.

Es war der Wunsch, dass ich Mutter seiner Kinder sein möchte! Wolling sagte mir es hernach

Pindorf blieb mit seinem hut auf dem Kopf, halb an einen Baum gelehnt stehen. Ich hingegen stunde von meinem Sitz auf, bewegte mich gegen ihn, und rief ganz heiter: Ja, Papa! kommen Sie geschwind, wir haben was zu bitten! Er wankte gegen mich. Ich liess Gustavs Hand fahren.

Zieh Er seinen Rock an, sagte ich, und komm Er gleich wieder.

Henriette war noch an meiner Linken, die Rechte nahm Pindorf und küsste sie etlichemal ohne zu reden. Gustav kam da wieder, und ich wiederhohlte: Haben Sie gehört, Papa, dass wir dreie was von Ihnen bitten.

Ja, was wollen Sie! Alles, alles was ich bin, ist Ihnen!

Haben Sie Dank, mein Freund!

Also ist ihr guter Gustav auch mein Gustav, samt Henrietten? sagte Er, mit einem etwas staunenden und fragenden Gesicht.

Ja; beide!

Sie behalten Fritzgen, besuchen uns manchmal, und sehen was wir für gute und schöne Sachen tun werden. Denn das haben wir uns versprochen. Ich konnte lang reden; er war etwas verwirrt und unruhig. Gustav nahm seine Hand, lieber Papa; wollen Sie mich zu Madame lassen?

Gehst du dann so gern von mir?

Ach, nein! aber Sie kommen ja zu uns, wie Madame bat, und ich will Ihnen Freude machen, wenn Sie mich sehen!

Er küsste seinen Sohn zärtlich.

Ja, du sollst mit mein Kind!

Meine glückliche Kinder, fuhr er fort, da er mir von jedem eine Hand darreichte, nicht reden konnte, und so auf die Bank sich hinsetzte; die hände sinken liess, und ich die Kinder umarmte, küsste, und mit vieler Bewegung auf Englisch sagte:

Sie gehören nun meinem Herzen! Und nichts soll der Treue und Liebe gleichen, die sie darin finden werden.

Nun nahm er beide an seine Brust, küsste jedes auf die Stelle, die mein Mund berührt hatte und sagte:

Mehr, tausendmal mehr, als ihr mich liebt, sollt ihr Madame Guden lieben!

Ich musste ihm dieses sagen lassen; ich widersprach auch nicht, sondern sagte zu Gustav! Herr Wolling, auf den ich deutete, hätte auch einen Sohn, der schon viel gute Sachen wissen und der sein Freund sein würde. Pindorf stunde da auf, und nahm Wollings Hand. Ich hof' es! mehr konnte er nicht sagen. Fritzgen zog uns aus der Verlegenheit, indem er gelaufen kam, noch einen fremden Besuch ansagte, und zugleich meldete, dass Mama und die gnädige Tante, mit den zwei Herrn im Wald bei den Grazien wären, Madame und der Herr möchte mit Papa hinkommen!

Ich verachtete zum voraus, alles, was die zwei Weiber waren und taten, so, dass mich diese Art geringschätziger Behandlung gar nicht beleidigte. Pindorf war aber sehr darüber betroffen; bot mir seinen Arm mit sichtbarer Verlegenheit zum führen an; den ich aber ausschlug, weil ich gern allein geh, und ihn durch mein fragen nach dem was ich sah, nach und nach ermuntern wollte. Der Platz bei den Grazien ist, wie Sie wissen, wirklich sehr schön, und die RosenSchassmin- und Hollunder-Bögen waren in voller Blüte. über zwanzig Schritte lang hatte ich die Bildsäulen der Huldgöttinnen, und die zwei gezierten Damen, nebst vier Herren im Gesicht, von denen allen auch Wir, gar sehr begukt und begast wurden. – Zwei französische süsse Herren, waren in dem äusserst nachlässigen Anzuge um die Damen und schwazten ihnen immer Etwas zu, dabei sie zugleich, auf uns sahen, und sehr albern und unanständig lachten. Die zwei andern schienen vernünftige teutsche Männer zu sein, die uns aber auch mit Neugierde betrachteten; doch war Verstand und eine sichtbare achtung zugleich in ihren Gesichtern ausgedrückt. Frau von Pindorf sass allein auf einem kleinen Canapee von reichem Zeug mit versilberten Holzwerk, in rosenfarbnen Taffent, dicht und breit mit Silber-Flor garnirt gekleidet, hatte ganz schwarze Haare; die eine halbe brabanter Elle hoch frisirt, und mit Silberflor