durch, zu uns, warf sich mir zu Füssen, mit aufgehobenen Händen:
O, liebe Madame, nehmen Sie mich doch auch mit, ich will alle Bücher auswendig lernen, und niemals reden, und mich bewegen! Nehmen Sie mich mit! oder ich laufe so vom Papa.
Ach, wie erschütterte mich das Flehen des armen Knaben. Pindorfs Ebenbild zu meinen Füssen. Die Güte, Schwäche und Unschuld der Kindheit, die hülfe bei mir flehte; Henriette, die sich an mich hieng auch weinte und bat: O nehmen Sie meinen armen Gustav mit! ich bitte, bitte, ihr Köpfchen mit ihren Händchen in die Höhe haltend. Ich bückte mich und umfasste beide mit aller Zärtlichkeit und Mitleiden:
Ja, Lieben! ich will Euch beide mit mir nehmen, wenn es der Papa und Mama zufrieden sein wollen.
Was für Freude entstund bei den Kindern! sie küssten sich und mich, und der arme Knabe wiederholte sein Versprechen, alle Bücher auswendig zu lernen und gerne nicht zu schlafen, und nicht zu essen, bis er seine Lektion wüsste. Lassen Sie mich nur nicht in die arme kneipen und an die Füsse stossen!
Gott behüte, mein lieber Gustav, wer wird das tun.
O der Herr Bärenz tuts! Sehen Sie, wie ich heute im Garten gekneipt wurde weil ich Jettchen gebeten, sie solle machen, dass ich mit ihr wegkäme, und weil ich die Reverenz nicht so schön machte, als ich sollte. – Er streifte seinen Ermel auf und, liebe Rosalia! die beiden Obernteile seiner arme waren blau und gelb gekniffen. – Der Unmensch vom Aufseher! Henriette streichelte mit holder rührender Mine, die neuen Flicken, die er zeigte; indem er von andern sagte: die sind alt, der ist von gestern!
O, du armer Gustav, wie web muss das getan haben! die Jungfer zwingen kneipte mich auch manchmal, ach, Madame, das tut sehr weh; Sie könnens nicht glauben! Und fuhr der Knabe fort, wir dürfens dem Papa nicht sagen; sonst soll es noch ärger gehen! Ich habe meinem Rock ausgezogen und wollte es Papa weisen, aber Herr Bärenz kam und da lief ich weg; denn ich hatte den Papa früher gefunden, und er küsste mich, da ich sagte, Sie wären da!
Ich führte beide Kinder, bei einem Durchschnitt der Hecke, in den Wald; setzte mich mit ihnen auf eine Bank. Wolling und die Wärterin kamen nach und ich bat Jungfer zwingen, dem Junker Gustav seinen Rock zu holen. Wo liessen Sie ihn dann, sauberer Junker? sagte sie mit spitzen Gesicht, weisen Sie mir den Platz.
Der arme holte tief Atem, sah mich ängstlich fragend an, ob er gehen solle –
Nein, mein Lieber, Er bleibt bei mir; Herr Wolling ist so gütig und hilft ihn holen:
Da sagte er, sein Rock liege am Rosengang: der Platz, wo wir sassen, war die Phasanenhecke. Wenige Minuten nachher da Wolling mit der häusslichen Dirne weg war, und die Kinder und ich ganz stille geschwiegen, kam eine welsche Henne mit acht jungen Phasanen, die sie führte. Junge Tannen-Bäume, Blumen, Kräuter, alles war blühend, gesund und glücklich um uns; und die Kinder des Mannes, der für die Bäume feines Lustwaldes und für die Phasanen so gut sorgte, dass nichts zerknickte, und keins verwahrlosst würde; der überliess seine Söhne und seine Tochter der Gewalt eines Bärn und einer Zwingin, welche Leib und Seele dieser guten Geschöpfe zu grund gerichtet hätten; denn, es ist unmöglich, dass ein misshandeltes Kind, ein gutes Kind werde. Wenn die geringste Stärke, in seiner Anlage ist, so muss sie innere Empörung, Hass gegen unrecht verwendte Gewalt und auch Härte erzeugen. Die fremde Mutter der Phasanen sorgte so treu, so eifrig für ihre angenommene Kinder; und Frau von Pindorf, an dem platz der Mutter dieser guten Schaafe, bezeugt sich so, dass die Armen eine Zuflucht in meinem Schoosse suchen müssen. Alles dieses gab mir wenig Lust, die Damen zu sehen. Unzufriedenheit mit Pindorf schlich sich in meine Seele, aber seine Kinder wurden mir teurer, lieber. Ich sagte ihnen: aber, Lieben, was wird euer guter Bruder. Fritzgen, sagen, wenn ich Euch wegnehme? Er wird trauren, wenn ich dem Papa alle seine lieben Kinder fortführe; was wollen wir da tun, wenn der Papa und der Bruder jammerte? O, der Fritz, der kriegt alles Zuckerwerk und schöne Sachen von der Mama. Er wird auch nicht gekneipt, und er hat mir gesagt: die Mama wollte, dass ich mit wegkäme; da wäre er der einzige Sohn, und würde bei Herrn Bärn alles allein lernen, und dann bei Mama sein! (das sagte Gustav, und Henriette setzte hinzu:) er weinte nicht um mich, sagte er heute, ob ich wegreisste oder sterbe; weil Herr Bärn sagte: Männer müssen nie weinen, nur Mädgen und alte Weiber, wie Gustav, weil er da weinte.
Die idee, dass Pindorfs Federvieh weit glücklicher, als seine Kinder sei, erweichte mein Herz unendlich. Ich fasste beide, und sagte sie sollten mich recht betrachten, ob sie dann mein Gesicht alle Tage gern sehen und mich immer lieben wollten? Mit was für Ausdruck sahen Sie mich an! wie viel Wahrheit und Liebe war in ihren Augen!