und ich lächelte ihr das Versprechen zu, dass sie von alle dem Zwange befreiet sein würde. Der Hofmeister sagte mit einem ernsten Gesicht zu dem ältern Sohn:
Nun, Junker Gustav, wenn werden Sie Ihre Reverenz machen?
Ein Zug von Eigensinn, Schmerz und Furcht, ging durch das Gesicht des Knabens, und es ist wahr, er machte eine sehr schlechte Figur bei seiner Verbeugung gegen mich, so wie ihm denn auch der Hofmeister einen stark drohenden Wink darüber machte. Junker Gustav wurde über diesen Wink blass und rot; näherte sich seiner Schwester und sagte mit bittender Mine ihr etwas ins Ohr. Henriette nickte ihm Ja zu. Der Knabe wollte noch Etwas sagen, aber der Hofmeister zog ihn am Kleide und mit Bitterkeit im Gesicht sagte er:
Junker Gustav, wir sollen ja den gnädigen Papa aufsuchen.
Die zwei Söhne gingen auch mit ihm hinweg, nachdem er der Wärterinn Etwas zugeflüstert hatte, die sich immer noch an die junge Pindorf hielt. Ich tat, als ob ich alle das nicht bemerkt hätte, und fragte nur Henriette, ob sie mich auch würde erkannt haben, wenn ihr der Papa nichts gesagt hätte?
O ja; an Ihrem Hut, an Ihrem Gesicht – und weil Sie die hände gleich nach mir reichten, wie Sie das Erstemal auf der Stiege im Stadtause taten. Es ist noch keine Dame so gut mit mir gewesen wie Sie!
Was sagen Sie, fräulein Jettchen, sind nicht die gnädige Damen, Mama und Tante, sehr gütig gegen Sie gewesen. – Sehen Sie nur Ihren Putz an, den hat Ihnen doch Ihre gütige Mama gegeben!
Ach! ist wahr! antwortete das liebe geschöpf – aber, ich habe die schönen Sachen erst heute bekommen; und die alte Schnürbrust, die mir so weh tut, habe ich doch behalten müssen! ––
Alle fräulein müssen jung so geschnürt werden. Sehen Sie nur die Madame an. –
Hier machte das elende Ding, mir eine niederträchtige Verbeugung ––
sie würde nicht so schön gross sein, wenn sie nicht ganz klein, schöne feste Schnürleiber getragen hätte.
Ich fiel hier ein:
ich sähe, sie hätte viele sorge für Henrietten getragen, und ich würde ihr auch ein Andenken dafür geben.
O Rosalia! wie sich da jeder Muskel ihres Leibs und ihres Gesichts zum Kriechen anschickte, was sie für Lobens machte, von dem, was sie von der alten Wärterin, die nun bei dem Weisszeug wäre, von mir und von den Geschenken gehört, die ich ihr und dem Herrn Hofmeister gemacht; sie hätte auch viel sorge getragen, für den schönen Putztisch, den ich der fräulein gegeben; wie lieb sie das Kind hätte, wie leid ihr wäre, es zu verlieren! aber, sagte sie leise gegen mich: die gnädige Frau waren ganz jalour über die fräulein, denn der gnädige Herr lieben das Kind zu arg. Sie wäre ganz verdorben worden, so wie der Junker Gustav; dem musste man sein Bilderbuch und seinen Schreibtisch wegnehmen, weil er sagte, er wollte, dass die fremde Dame seine Mama wäre.
Sie werden wissen, Kinder machen Uneinigkeit! und die gnädige Frau hat aus Liebe für den gnädigen Herrn, all ihr Haab und Gut hergegeben! Sie werden sehen, wie kostbar alles ist. – Ganz reiche Stühle, und Betten und Canapees. – Ich habe selbst zu den fünf reichen Kleidern der seeligen Mama von der gnädigen Frau noch acht ankaufen müssen, um alle Zimmer der herrschaft damit einzurichten, weil nur Zitz darin war, und das stunde so tot, und wenn ichs sagen soll, so armselig in dem schönen schloss da! (Sie wies auf das Haus). Alle die blau und silbernen BlumenTöpfe mit vergoldeten Blumen, die zwischen den grossen weissen Töpfen und Bildern stehen, hat die gnädige Frau heimlich machen und aufstellen lassen. Sie stehen sehr schöne! die auf der Gallerie blinken in der Sonne, und nun lässt das Parterre, wie eine grün atlassene Weste mit Gold gestickt. Aber das gab Verdruss, Gott helf mir! wie tobte der gnädige Herr, und die gute junge Dame weinte, und sagte endlich, sie würde selbst gehen, wenn er ihr diese Freude störte. Er wollte lange nicht daran, aber seine Frau Schwester, eine sehr kluge Dame, die weis mit ihm umzugehen. – Ein Bissgen Schöntun und dann Spassen, und etwas artig erzählen, o da tut er alles, und ist dann selbst froh, über die Sachen. Die Damen sind sehr Freunde, und das ist ein Glück für ihn. –
Rosalia! glauben Sie wohl, dass mir bei diesem teil des Geschwätzes, eine Uebelkeit anfiel? Ich musste Essig nehmen und begehrte in freiere Luft, als in der Allee nicht war. Wie verhasst wurde mir das Mensche nach diesem zug von unmännlicher Schwäche des Charakters, den sie an Pindorf beschrieb. Ich ging ganz nahe an das Ufer des Grabens gegen das Feld hin; hatte Henrietten an der Hand, und unvermerkt näherten wir uns dem andern Teile des Gartens, woben der Hofmeister mit den Söhnen gegangen war, um Herrn von Pindorf zu suchen. Da wir auf lauter Strassen gingen, so konnte man unsere Tritte nicht hören. Wir aber dagegen hörten auf dem Kies stark laufen, und laut rufen: Gustav, wart! Du solst mir es zahlen!
Ich stunde still, und auf einmal drang der gute Gustav, nur in seiner Weste und Hemdeärmeln zwischen der Tannenhecke